oder 27. , an dem man sechs Meilen marschierte , kostete der Brigade ein Drittel ihres Bestandes . Um vier Uhr nachmittags am 28. Oktober – ich gebe nun Details , soweit solche zu finden waren – rückte die Infanteriebrigade Hagen in Pasewalk ein . Die Kavallerie bezog ein Biwak in der Nähe der Stadt . Gegen Abend erfuhr man die am selben Tage erfolgte Kapitulation Hohenlohes bei Prenzlau . Die Gemüter aller wurden dadurch nur noch bedrückter . Oberst von Hagen , der um diese Zeit an Stelle des Generals Grafen von Schwerin das Kommando der ganzen Kolonne , Kavallerie wie Infanterie , geführt zu haben scheint , berief alle Stabsoffiziere zu einer Konferenz . Man kam überein , trotz äußerster Erschöpfung der Mannschaften , am anderen Morgen um vier Uhr aufbrechen zu wollen , um dann über Löcknitz Stettin zu erreichen . In der Nacht indes glaubte der Major Prinz Gustav von Mecklenburg-Schwerin vom Regiment Henckel-Kürassiere , welcher die Postenkette kommandierte , Bewegungen auf der Prenzlauer und Stettiner Straße wahrgenommen zu haben . Er ritt deshalb nach Pasewalk hinein und meldete dem Obersten von Hagen : die Kavallerie werde immer mehr vom Feinde eingeschlossen . Der Oberst fragte » was zu tun wäre ? « , da die Pferde der Kavallerie zu ermattet seien , um ein Gefecht anzunehmen . Der Prinz antwortete » daß er nur in der Kapitulation einen Ausweg sähe « . So kam diese zustande . Die Bedingungen , die französischerseits durch den Großherzog von Berg gewährt wurden , gingen dahin , daß die Truppen das Gewehr strecken , die Offiziere auf ihr Ehrenwort entlassen und die Gemeinen in die Kriegsgefangenschaft abgeführt werden sollten . Es kapitulierten an dieser Stelle im ganzen 185 Offiziere und 4043 Mann , wovon 110 Offiziere und 2086 Mann auf die Kavallerie : Leibkarabiniers , Heising- , Holtzendorf- , Bünting- und Henckel-Kürassiere entfielen . Der Rest , 75 Offiziere und 1957 Mann , war Infanterie von der Brigade Hagen , wie schon hervorgehoben : Regiment Treuenfels , je ein Bataillon Pirch und Zenge , und Trümmer vom Regiment Prinz Ferdinand . Diese Trümmer unseres Ruppiner Regiments wurden nun , in Ausführung des betreffenden Kapitulationsparagraphen , in die Gefangenschaft abgeführt . Ruhmlos war das Ende . Das Schicksal des Ganzen bestimmte das Los des Einzelnen . Ein Gericht vollzog sich , zu groß , zu gewaltig , als daß sich die Krittelei der Menschen , tadelnd oder besserwissend , daran versuchen sollte . Dennoch bleibt wahr , was General von der Marwitz in seinen Memoiren über Pasewalk und Prenzlau geschrieben hat . » Diese Kapitulationen gaben das Signal zu allem was folgte ; sie recht eigentlich überlieferten die Festungen . › Der König hat keine Armee mehr , was helfen ihm noch einige Städte ‹ , so dachte jeder pflichtvergessene Kommandant . Die Kapitulationen pflanzten den Kleinmut in alle Herzen , streuten die Vorstellungen von Verrat unter das Volk und verbreiteten den jede Tatkraft lähmenden Gedanken , › daß doch alles verloren ‹ sei . Wie eine große mannhafte Tat fortwirkend Größeres erzeugt und aus Männern Helden macht , so sind auch umgekehrt mit der Vollbringung einer schmählichen Tat deren Folgen nicht abgeschlossen , sie bleibt verdammt , fortwährend Mattes und Schwaches zu erzeugen , wirkt wie ein schleichendes Gift und macht Männer zu Weibern . « Nachspiel Die Trümmer des Regiments Prinz Ferdinand hatten bei Pasewalk kapituliert und wurden in größeren und kleineren Trupps in die Gefangenschaft abgeführt . Viele befreiten sich unterwegs und ihre Erzählungen bildeten , bis die Ereignisse des Jahres 1813 dazwischentraten , die Lieblingsunterhaltung auf der Bierbank und am häuslichen Herd . Manches davon hat Prediger Heydemann in seinem schätzenswerten Buche » Neuere Geschichte der Stadt Ruppin « aufgezeichnet . » Einer « , so erzählt Heydemann , » hatte darauf gerechnet , daß die Gefangenen von Pasewalk über Berlin geführt werden würden . Dort gedachte er zu entspringen und bei seiner Schwester Zuflucht zu suchen . Aber die Gefangenen , von französischen Chasseurs transportiert , mußten über Templin , Oranienburg und Potsdam marschieren . Kurz vor Potsdam wurden sie von Nassau-Usingern und Hessen-Darmstädtern übernommen , die sehr streng mit ihnen verfuhren . Man las ihnen vor , daß jeder Gefangene , der auf der Flucht ergriffen würde , ohne weiteres die Kugel vor den Kopf bekäme , und so geschah es auch bei Wittenberg , wo zwei wieder eingefangene Flüchtlinge vor der Front erschossen wurden . Meistens mußten die Gefangenen nachts unter freiem Himmel liegen , ihr Schuhzeug war zerrissen . In Fulda ( human genug ) wurden zweihundert Paar Schuhe verteilt . An eben diesem Orte erkrankte auch der Gefangene , über dessen Schicksal ich hier berichte . Er beschloß , trotz Krankheit , weiter mit zu marschieren und die nächste Gelegenheit wahr zunehmen . Und diese fand sich denn auch . In Steinau wurde er mit seinen Mitgefangenen in eine Kirche gesperrt , in die bald danach ein alter Mann eintrat , um ihnen Essen zu bringen . Den bat er ohne weiteres ihn zu befreien . › Wes Glaubens bist du ? ‹ › Lutheraner ‹ . › Gut , dann will ich dir helfen . Ich habe sieben Kinder ; wer weiß , wer ihnen einmal hilft . ‹ Und er brachte ihm wirklich alte Kleidungsstücke , die der Gefangene bei Dunkelwerden anzog und in denen er gleich danach unter eine Bank kroch , um von den Aufpassern nicht erkannt zu werden . Da lag er denn in bittersten Ängsten die Nacht hindurch und nahm seine Zuflucht zum Gebet . › Befiehl Du Deine Wege ‹ sagte er in allen seinen Versen zu vielen Malen vor sich her , bis er Trost und Ruhe darin fand . Und endlich brach der ersehnte Morgen an . Da kam , samt anderen Leuten , auch der alte Mann wieder , mit zwei Töpfen in der Hand , als wenn er den Gefangenen etwas zu essen bringen wolle . Die Töpfe waren aber