: wollen Sie herunterkommen ? “ „ Nein , stellen Sie mir mein Nösel Porter mit einem Stück Pudding auf einen Teller , und ich will es auf mein Zimmer tragen . “ „ Wollen Sie etwas Fleisch ? “ „ Nur ein Stück und ein wenig Käse , das ist genug . “ „ Und der Sago ? “ „ Lassen Sie ihn jetzt nur ; ich will vor der Theezeit hinunterkommen und ihn selber machen . “ Hier wendete sich die Köchin zu mir , und sagte , Mistreß Fairfax warte auf mich . Ich ging . Ich hörte kaum während des Mittagessens den Bericht der Mistreß Fairfax über das Verbrennen des Vorhanges , so sehr war mein Kopf mit Nachdenken über den räthselhaften Charakter der Gratia Poole beschäftigt , so wie , welche Stellung sie eigentlich in Thornfield einnehme , und ich fragte mich , warum man sie an dem Morgen nicht in Gewahrsam gebracht , oder wenigstens aus dem Dienste entlassen . Er hatte in der letzten Nacht seine Ueberzeugung von ihrer Strafbarkeit so gut wie ausgesprochen ; welche geheimnißvolle Ursache hielt ihn denn zurück , sie anzuklagen ? Warum hatte er auch mir Schweigen auferlegt ? Es war auffallend : ein kühner , rachsüchtiger und stolzer Herr schien auf irgend eine Weise in der Macht einer der niedrigsten seiner Untergebenen zu sein — so sehr in ihrer Macht , daß , selbst , wenn sie ihre Hand gegen sein Leben erhob , er ihr den Versuch nicht offen zur Last zu legen , und noch viel weniger sie deshalb zu bestrafen wagte . Wäre Gratia Poole jung und schön gewesen , so hätte ich zu dem Gedanken veranlaßt werden können , daß in Betreff ihrer zärtlichere Gefühle , als Klugheit oder Furcht , auf Herrn Rochester eingewirkt : doch sie sah ältlich aus und hatte harte Gesichtszüge , es war also nicht daran zu denken . „ Doch sie ist jung gewesen , “ dachte ich weiter , „ und muß mit ihrem Herrn im gleichen Alter sein . Mistreß Fairfax sagte mir einst , sie wäre schon seit vielen Jahre hier . Ich denke nicht , daß sie je hübsch gewesen sein kann ; aber sie mag Originalität und Charakterstärke besitzen , und dadurch für den Mangel persönlicher Vorzüge entschädigen . Herr Rochester liebt das Entschiedene und Excentrische : Gratia ist wenigstens excentrisch . Wie wenn eine frühere Laune — die bei seiner hastigen und starrsinnigen Natur nicht unmöglich ist — ihn in ihre Macht gegeben hätte , und sie jetzt vermöge seiner eigenen Unbesonnenheit einen geheimen Einfluß auf seine Handlungen ausübte , wovon er sich nicht befreien kann , und den er nicht zu verachten wagt ? “ „ Als ich aber zu dieser Vermuthung gekommen war , stellte sich mir Mistreß Poole ' s eckige und plane Gestalt , ihr unschönes , trockenes und fast plumpes Gesicht so deutlich vor Augen , daß ich dachte : „ Rein , es ist unmöglich ! Meine Annahme kann nicht richtig sein . Doch , “ sagte eine geheime Stimme in mir , „ Du bist auch nicht schön und vielleicht gefällst Du Herrn Rochester dennoch : wenigstens ist es Dir oft so vorgekommen ; und bedenke nur seine Worte in der letzten Nacht — seine Stimme ! “ Ich dachte an dies Alles : Sprache , Blick und Ton schienen in dem Augenblick lebhaft erneuert zu werden . Ich war jetzt im Schulzimmer ; Adele zeichnete ; ich neigte mich über sie und leitete ihren Bleistift . Sie blickte fast erschrocken auf und fragtet „ Was ist Ihnen , Mademoiselle ? Ihre Finger zittern wie ein Blatt und Ihre Wangen find roth : ja , roth wie Kirschen . “ „ Das Blut ist mir vom Bücken in den Kopf gestiegen , Adele , “ antwortete ich . Sie fuhr zu zeichnen und ich zu denken fort . Ich beeilte mich , den verhaßten Gedanken aus meinem Geiste zu verbannen , der mir hinsichtlich Gratia Poole ' s eingefallen war , denn er ekelte mich an . Ich verglich mich mit ihr und fand , daß wir sehr verschieden waren . Bessie Leaven hatte gesagt , ich sei eine vollkommene Dame , und sie hatte die Wahrheit gesprochen : ich war eine Dame . Und überdies sah ich jetzt viel besser aus , als da Bessie mich gesehen hate : ich hatte mehr Farbe und mehr Fleisch , mehr Leben und Lebhaftigkeit , weil ich glänzendere Hoffnungen und höhere Genüße hatte . „ Der Abend naht sich , “ sage ich zu mir selber , als ich zum Fenster hinblickte . „ Ich habe heute weder Herrn Rochester ' s Stimme noch seinen Schritt im Pause gehört ; aber gewiß werde ich ihn vor der Nacht sehen . Ich fürchtete eine Begegnung am Morgen ; jetzt wünsche ich sie , denn meine Erwartung ist so lange getäuscht worden , daß ich mich ungeduldig fühle . “ Als die Dämmerung wirklich eintrat und Adele mich verließ , um mit Sophie in der Kinderstube zu spielen , wünschte ich die Begegnung lebhaft . Ich horchte auf die Glocke , die unten läuten sollte ; ich horchte auf Lea , die mit einer Nachricht heraufkommen sollte ; zuweilen glaubte ich Herrn Rochester ' s eigenen Tritt zu hören , wendete mich zur Thür und erwartete , daß sie sich öffnen und ihn einlassen würde . Die Thür blieb geschlossen : es drang nur Dunkelheit durch das Fenster herein . Doch es war noch nicht spät : er ließ mich oft noch um sieben oder acht Uhr rufen , und es war erst sechs . Gewiß sollte ich diesen Abend nicht gänzlich getäuscht werden , da ich ihm so Vieles zu sagen hatte ! Ich wollte das Gespräch wieder auf Gratia Poole lenken und hören , was er antworten würde ; ich wollte ihn geradezu fragen , ob er wirklich glaube , daß sie es gewesen , die