Kennen Sie sie ? « , fragte ich gepreßt . » Mirjam ? Mirjam ? « - Wenzel legte sein Gesicht in nachdenkliche Falten - » Mirjam ? - Gäht sich die öfters in der Nacht zum Loisitschek ? « Ich mußte unwillkürlich lächeln . » Nein . Bestimmt nicht . « » Dann kenn ich sie nicht « , sagte Wenzel trocken . Wir schwiegen eine Weile . Vielleicht steht in dem Briefchen etwas über sie , hoffte ich . » Daß den Wassertrum der Deiwel g ' holt hat « , fing Wenzel plötzlich wieder an , » wärden Sie sich wohl schon gehärt haben ? « Ich fuhr entsetzt auf . » No ja . « - Wenzel deutete auf seine Kehle . - » Murxi , murxi ! Ich sag ich Ihnän ; es war Ihnän schaislich . Wie sie den Laden aufgebrochen haben , weil er sich paar Täg nicht hat segen lassen , war ich natierlich der erschte drin ; - wie denn nicht ! - Und da hat e ' durten g ' sässen , der Wassertrum , in einem dreckigen Lähnsessel , die Brust voller Blut und die Augen wie aus Glas . - - - Wissen S ' , ich bin ich ein handfeste Kerl , aber mir hat sich alles gedräht , sag ich Ihnän , und ich hab ' gemeint , ich hau ich ohnmächtig hi-iin . Furt ' a furt ' hab ' ich mir vorsagen missen : Wenzel , hab ' ich mir vorg ' sagt , Wenzel , reg ' dich nicht auf , es is doch bloß ein toter Jud . - Er hat eine Feile in der Kehle stecken gehabt und im Laden war sich alles umedum geschmissen . - Ein Raubmord natierlich . « » Die Feile ! Die Feile ! « Ich fühlte , wie mir der Atem kalt wurde vor Grausen . Die Feile ! So hatte sie also doch ihren Weg gefunden ! » Ich weiß ich auch , wer ' s war « , fuhr Wenzel nach einer Pause halblaut fort . » Niemand anders , sag ich Ihnän , als der blattersteppige Loiso . - Ich hab ' ich nämlich sein Taschenmesser auf dem Boden im Laden entdeckt und rasch eing ' stäckt , damit sich die Polizei nicht draufkommt . - Er ise sich durch einen unterirdischen Gang in den Laden - - - « er brach mit einem Ruck seine Rede ab und horchte ein paar Sekunden lang angestrengt , dann warf er sich auf die Pritsche und fing an , fürchterlich zu schnarchen . Gleich darauf klirrte das Vorhängeschloß und der Gefängniswärter kam herein und musterte mich argwöhnisch . Ich machte ein teilnahmsloses Gesicht und Wenzel war kaum zu erwecken . Erst nach vielen Püffen richtete er sich gähnend auf und taumelte , gefolgt von dem Wärter , schlaftrunken hinaus . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Fiebernd vor Spannung faltete ich Charouseks Brief auseinander und las : Den 12. Mai . » Mein lieber armer Freund und Wohltäter ! Woche um Woche habe ich gewartet , daß Sie endlich freikommen würden , - immer vergebens , - habe alle möglichen Schritte versucht , um Entlastungsmaterial für Sie zu sammeln , aber ich fand keins . Ich bat den Untersuchungsrichter , das Verfahren zu beschleunigen , aber jedesmal hieß es , er könne nichts tun - es sei Sache der Staatsanwaltschaft und nicht die seinige . Amtsschimmel ! Eben erst , vor einer Stunde , gelang mir jedoch etwas , von dem ich mir den besten Erfolg erhoffe : ich habe erfahren , daß Jaromir dem Wassertrum eine goldene Taschenuhr , die er nach der damaligen Verhaftung seines Bruders Loisa in dessen Bett gefunden hatte , verkauft hat . Beim Loisitschek , wo , wie Sie wissen , die Detektivs verkehren , geht das Gerücht , man hätte die Uhr des angeblich ermordeten Zottmann - dessen Leiche übrigens noch immer nicht entdeckt ist - als corpus delicti bei Ihnen gefunden . Das übrige reimte ich mir zusammen : Wassertrum et cetera ! Ich habe mir Jaromir sofort vorgenommen , ihm 1000 fl . gegeben - - « Ich ließ den Brief sinken , und die Freudentränen traten mir in die Augen : nur Angelina konnte Charousek die Summe gegeben haben . Weder Zwakh , noch Prokop , noch Vrieslander besaßen so viel Geld . - Sie hatte mich also doch nicht vergessen ! - Ich las weiter : » - 1000 fl . gegeben und ihm weitere 2000 fl . versprochen , wenn er mit mir sofort zur Polizei ginge und eingestünde , die Uhr seinem Bruder zu Hause entwendet und verkauft zu haben . Das alles kann aber erst geschehen , wenn dieser Brief durch Wenzel bereits an Sie unterwegs ist . Die Zeit reicht nicht aus . Aber seien Sie versichert : es wird geschehen . Heute noch . Ich bürge Ihnen dafür . Ich zweifle keinen Augenblick , daß Loisa den Mord begangen hat und die Uhr die Zottmanns ist . Sollte sie es wider Erwarten nicht sein , - nun , dann weiß Jaromir , was er zu tun hat : - Jedenfalls wird er sie als die bei Ihnen gefundene agnoszieren . Also : harren Sie aus und verzweifeln Sie nicht ! Der Tag , wo Sie frei sein werden , steht vielleicht bald bevor . Ob trotzdem ein Tag kommen wird , wo wir uns wiedersehen ? Ich weiß es nicht . Fast möchte ich sagen : ich glaube es nicht , denn mit mir geht ' s rasch zu Ende , und ich muß auf der Hut sein