, wehmütig lächelnd : » Verzeih , daß ich - ich ! - dir Böses antun wollte ! « Heiter , als wäre die Nacht nichts als ein Traum gewesen , erschien sie am nächsten Tage unter den Hausbewohnern . Nur Sabine fiel irgend etwas Fremdes an ihr auf : » Hast du nicht ein wenig zu viel Rot aufgelegt ? « meinte sie nach einem freundlich prüfenden Blick . Als sie Konrads übernächtige Züge gesehen hatte , forschte sie nicht weiter . Am Abend gab Macheart wieder ein Fest , sein Abschiedsfest , wie er sagte . Der Wagen , der Konrad und Leonie hinüberfahren sollte , stand vor der Türe . » Willst du mir noch einen großen Gefallen tun , Sabine , « sagte Leonie leise , sich vor die Freundin niederkauernd . » Noch ? ! « meinte sie erstaunt . » Sage Egil , daß ich ihm immer danken werde ! « Und Leonie , deren Stimme unmerklich gezittert hatte , erhob sich rasch . Ihr Mantel verschob sich dabei ein wenig und enthüllte eine Schnur mattschimmernder Perlen , die Sabine noch nie an ihrem Halse gesehen hatte . Aus allen Orten der Gegend waren Landleute und Sommergäste an jenem Abend nach Urfeld geströmt . Man erzählte sich Wunderdinge von all den Herrlichkeiten , die der goldne Stab des amerikanischen Hexenmeisters in das kleine , weltverlorene Nest gezaubert hatte . Und der Gasthof war überfüllt von seinen Freunden , die aus München und Oberammergau , aus Garmisch und Innsbruck seiner Einladung gefolgt waren . Der Wirt strahlte . Die weiblichen Hotelgäste saßen schon seit Stunden aufgeregt vor dem Spiegel und putzten sich . Vor dem Landungssteg schaukelte die Segeljacht Machearts , von Blumengirlanden umkränzt , bunt gewimpelt , mit Hunderten vielfarbiger Lämpchen bis in die Masten hinauf geschmückt ; zahllose große und kleine Boote schaukelten um sie , und ein Weg , von lodernden Pechfackeln erleuchtet , führte vom Eingang des Gartens bis zu ihr . Eine Via triumphalis war es , durch die Leonie , von Macheart geleitet , schritt ; auf ihren gelbseidnen Mantel , den sie um den Körper zog , als wüßte sie von jeder Falte , was sie betonen , was verhüllen sollte , warfen die Flammen abwechselnd züngelnde rote Lichter und schwarze Schatten . Bewundernd und staunend , hämisch und neidisch starrten ihr von rechts und links Hunderte von Augen entgegen . Macheart lächelte wie ein Sieger über seine Beute . » Ob ich sie ihm doch wieder entreißen sollte , mit dem einzigen Recht , das ich besitze , dem der Freundschaft ? « dachte Konrad gequält . Als sie das Schiff betraten , krachten Raketen und prasselten Leuchtkugeln gen Himmel ; der milde Glanz der Sterne erlosch vor all den glänzenden künstlichen Feuern ; die Berge verhüllten ihr Antlitz ; vor dem Knallen der Champagnerpfropfen verstummte das leise Geflüster der Wellen . Die Natur schämte sich . Aus seidenen Kissen und seltenen Blumen hatte Macheart für Leonie einen erhöhten Sitz errichten lassen , auf dem sie mit erfrorenem Lächeln thronte , still und bleich , eine Siegesbeute . Ein wundervoller Teppich - Hunderte lebendiger Alpenrosen in ein Netz geflochten - hing vom Schiff hinab in das Wasser wie eine Krönungsschleppe . Mit leisem Grüßen dorthin , wo Konrad saß , hob sie den gefüllten Becher . Aber er trank keinen Tropfen , denn der Wein widerstand ihm . Was er tun wollte , mußte nüchtern getan werden , ganz nüchtern . Als die anderen alle in seligster Selbstvergessenheit nicht mehr wußten , was um sie her geschah , und der stets gleich beherrschte Amerikaner das Umlegen der Segel beaufsichtigte , um den Landungssteg wieder zu erreichen , Leonie aber müde mit geschlossenen Lidern in ihren Kissen lehnte , trat Konrad dicht an sie heran und sagte : » Gib ihm die Kette zurück , an der er dich fortführen wollte , Leonie , mein lieber Kamerad . « Ein traurig-zärtliches Lächeln umspielte ihre Lippen , während sie antwortete : » Ich kann dein Kamerad nicht sein , Konrad , mein Geliebter . Die dumme Liebe - du weißt ! rächt sich ob meines Hohns . Wohl bin ich nur ein armes Mädel - ein Dienstmädchen war ich in deinem Dienst - , kann den Körper geben für Perlen - gleichgültig , wie man einem Bettler eine Münze zuwirft . Aber meine Liebe für - Freundschaft , für Barmherzigkeit am Ende gar - das - das kann ich nicht - « Das Schiff stieß an den Steg , der Anker rasselte . Leonie stand , den Kopf in den Nacken geworfen , neben dem Amerikaner , mit der Miene der Herrin vom Platze der Hausfrau Besitz ergreifend , und reichte jedem der Gäste die Fingerspitzen zum Abschied . Keiner wagte ein Wort , das die Grenze der Ehrerbietung überschritten hätte . Konrad allein verneigte sich tief und stumm , ohne ihre Hand zu berühren . Glutheiße Nächte kamen . Bleiern , wolkenlos spannte sich der Himmel über dem stillen See . Die Büsche an der Chaussee waren grau vor Staub , der Efeuturm und die Bucht dahinter waren noch schwärzer als sonst . Konrad hatte Sabine rückhaltlos , keine Selbstanklage scheuend , erzählt , was sich begeben hatte . Sie hatte nur genickt : » Egil wußte es . « Und als der stille Gast abends erschien , hatte er ihm warm die Hand geschüttelt und gesagt : » Schicksal ist keine Schuld . Lüge aus Mitleid aber eine unverzeihliche Grausamkeit . « Dann sprachen sie nicht mehr davon . Konrad mied den Weg nach Urfeld . Er dachte an seine Abreise . Nach Hochseß wollte er . Ohne daß sie je ein Verlangen nach seiner Gegenwart geäußert hätte , fühlte er aus den Briefen der Großmutter , ihren andeutenden Bemerkungen über die Alterserscheinungen , die sich mehr und mehr bemerkbar machten , daß sie wünschte , ihn um sich zu haben . Wenn er trotzdem noch zögerte