nah - eine beglückende Lösung . - Marieluis ... Sie sah ihren Sohn an . So beredt , so ganz von dem Wunsch durchzittert , er möge in ihren Augen das lesen , was sie nicht laut sagen durfte . » Was siehst Du mich so an ? « fragte er . » Ich denke , « begann sie zögernd , daß er fühlen mußte , sie habe eine Fülle von Gedanken und wähle sehr vorsichtig aus , was davon sie laut werden lassen könne . » Ich denke - wenn Rositz noch lebte . Er würde uns raten - mehr : er würde uns helfen . Aber wir haben auch hier Freunde - sehr sachverständige in kaufmännischen Fragen . - Wenn Du mit Amster sprächest ? « Und ganz geschwind schloß sie an : » Ich meine - ihn um Rat bätest - nur um Rat . « Und dachte dabei : er liebt sie doch - und sie ihn - ich weiß , ich fühle es . Und Marieluis ' Mitgift , die Hälfte des ihr zugedachten Amsterschen Vermögensanteils , war noch mehr als die Summe , deren er bedurfte . Konnten Herz und Verstand in vollerem Einklang stehen als hier ? Allert wurde rot wie ein Knabe . » Nein , « sagte er kurz . Und dieses knappe Nein verriet der Mutter , daß ihre Hoffnungen noch weit von Erfüllungen entfernt waren . Das machte ihr Herz traurig . Ein kurzes Schweigen entstand . Und sie , in der tiefen Innigkeit , die sie verband , fühlten einander förmlich all die Geständnisse ab , die der Mund verschweigen mußte . Wie kann ich denn um sie werben ! grollten seine Gedanken , ich liebe sie - aber schwere Fragen sind noch unbeantwortet zwischen ihr und mir - und die Bedenken , die mich gestern abhielten , ihr zu Füßen zu stürzen , soll ich heute vergessen , weil ich ihr Geld brauchen könnte ? Und die Mutter flehte ihn an - ihr ganzes Gemüt war ja voll von diesem Wunsch , diesen Gedanken : Habe doch den Mut ! Das , was zwischen ihr und Dir steht , wirst Du in der Ehe und gerade nur in der Ehe besiegen . Denke auch daran , daß ein liebendes Weib beglückt ist , wenn ihre Hand dem Manne Hilfe bringen darf ... Aber sie wußte wohl , sie mußte das beschweigen . Und dies Zwischenspiel von zärtlichen Wünschen , das sich so unversehens unter die rauhen Sorgen geschlichen , schloß sie mit einem Seufzer ab . Ihr ganzes Wesen verwandelte sich plötzlich in Energie und in mütterliche Autorität , und sie sprach : » So wirst Du nun meine Ersparnisse in Dein Geschäft nehmen . Sie reichen nicht ganz - aber das Fehlende gibt dann doch vielleicht Onkel Just oder eine Bank ... « » Nein . Du hast gespart , damit wir unsere Heimat wieder erwerben können - einst - wenn Du so weiter verdienst und sparst , kannst Du es in fünf Jahren erreichen . Gibst Du mir Dein Geld , verschiebt sich alles in ungewisse Ferne - wird vielleicht unmöglich - selbst bei gutem Geschäftsgange - erst hieße es doch , Onkel Just ausbezahlen . « » Ich habe es längst aufgegeben , für Muschenfelde zu sparen , « sagte Sophie tapfer . » Du sagst es - uns - Dir selbst ! Aber Du weißt doch gut : tief unter unsern Worten sitzen noch Dinge , die man nicht heraufkommen lassen will . Und das ist bei Dir die ewige Sehnsucht nach der eigenen Scholle « - Sophie wurde ein wenig blaß . » Aber noch stärker ist mein Wunsch , Dich sorglos emporkommen zu sehen ; noch größer wäre mein Glück , wenn Du das wirst , was Du nun doch einmal werden wolltest : der Beherrscher eines großen Unternehmens , das weithin Ansehen genießt - Du bist ein Hellbingsdorf - unser Zweig hat Unglück gehabt - bring ' ihm die Blüte zurück , auf neuem Felde - und nimm mein bißchen Geld . « Er nahm dankbar die Mutter in die Arme . Für diesen Augenblick mußte alles unabgeschlossen bleiben . Aber er fühlte so ganz die Wohltat , mit einer klugen , warmherzigen , arbeitenden Frau seine Sorgen teilen zu können ... Als er es sagte , meinte sie - vielleicht ein wenig heuchlerisch , denn im tiefsten Grunde denken Mütter ja doch : Keiner versteht ihn wie ich - » Und ich bin nur die Mutter - ein Weib - o , das ist doch noch ein ganz anderes Teilen . « » Ja , wenn die Frau all ihre Gedanken und all ihre Zeit dem Mann und dem Gedeihen des gemeinsamen Lebens widmet ! - Wenn sie nicht in Spelunken und schlechten Gassen die Sittlichkeit heben muß « - » Nun - nun - nicht so kraß ! « warnte sie schmeichelnd und streichelte ihm die Schulter . Er trat aber spröde hinweg - er wollte nicht umschmeichelt sein . Und er sah sich sehr genau das Bildnis des Papstes Julius II. an , das seine Mutter mal kopiert hatte , und das nun hier , über der Barockkommode aus Familienbesitz , an der hell gestreiften Wand hing . Nun kam auch Tulla heim und wurde von ihrer mütterlichen Gastgeberin auf das sorgsamste mit einem späten Imbiß bedient . Und Tulla sah sehr hübsch aus , in schwarzen Spitzen , die den Hals frei ließen , und mit einer glitzernden , schwarzen Jettspange im Haar . Das gab Allert sich zu . Aber es ärgerte ihn irgendwie , daß seine Mutter das junge Ding so fürsorglich verpflegte . Es kam ihm vor , als mache seine Mutter ihr beinahe den Hof . Er war nicht unbefangen , er sah nicht , daß seine Mutter nicht mehr tat , als selbst dem jungen Gast gegenüber am Platze war , er vergaß , daß dann immer alles bei seiner Mutter