nun , daß Störtebeker gesund und fröhlich am Wasser stand und Ausguck hielt ! » Gohn den Draggen ! Fock dol ! « scholl es dann über Deck , und das Echo am Bollwerk wiederholte laut und übermütig , denn das Herz war ihm warm geworden : » Gohn den Draggen ! Fock dol ! « Da gewahrte auch Seemann seinen Kameraden , den er auf See so manches Mal vergeblich gesucht hatte , wenn sein Herr fragte : neem is Störtebeker , Seemann ? - und er stellte sich mit den Vorderpfoten auf den Schwertkopf und bellte grüßend , während die Kette durch die Klüse rollte und der Ewer schwoite . Rillend fiel die Fock , dann bargen sie den großen Klüver , nahmen das Toppsegel weg , warfen das Großsegel dal und fierten die Besan herunter . Die Freude trieb die Fischer , aber dem Jungen dauerte es dennoch viel zu lange , er konnte schon gar nicht mehr warten und ging ungeduldig zwischen den Bäumen hin und her . Endlich , endlich waren die Segel zusammengebunden , und das Boot konnte über Bord gesetzt werden . Es wurde aber auch Zeit , denn Störtebeker konnte sich nicht entsinnen , daß es jemals so lange gedauert hätte ! War Kap Horn schon zu alt für die Fahrt geworden , oder woran konnte es sonst liegen ? Das ging ja bannig sinnig ! » Mien Kohn ne vergeten , Vadder ! « rief er . Klaus Mewes hob die Hand zum Zeichen , daß er verstanden hatte , und es dauerte nicht lange , da wiegte der kleine grüne Kahn sich neben dem Boot auf der leichten Dünung , die vom Fahrwasser herüberwallte . Dann nahm Hein die getrockneten Scharben von der Leine und warf sie in eine Kiepe , Kap Horn öffnete die Luken und stieg nach den Eiskisten hinunter , um einige Fische für den Deich einzupacken , Klaus Mewes aber kam mit seinem Reisekorb und einigen Beuteln in der rechten Hand und Störtebekers Seestiefeln in der linken aus der Kapp und stieg ins Boot . Endlich kamen sie an : Hein Mück wriggte , wie es ihm als Jungen zukam , Seemann stand auf der vordersten Ducht als Lotse , Klaus Mewes und Kap Horn saßen im Mittel auf der Mastenducht , und der Kahn schleppte an der Kette nach . Es wurde aber auch hohe Zeit , denn Störtebeker hatte schon mehrmals seine Hand ins Wasser gesteckt , und wenn es noch länger gedauert hätte , hätte er sich nackt ausgezogen und wäre nach dem Ewer geschwommen . » Seemann , Seemann , biet mi doch ne de Nees af « , lachte er nun und wehrte dem Hunde , dann griff er nach seinen großen Stiefeln und trug sie im Triumph den Deich hinan , der Herold der langsam nachkommenden Seefischer . Seemann , der auch etwas tragen wollte , hatte sich ein Stückchen Segeltuchws aus dem Boot geschnüffelt und schleppte sich damit ab . Da war große Freude auf dem Neß : erst tranken sie köstlichen Kaffee in der Küche , und die gelben Birnen und rotbackigen Äpfel , die sich leicht im Winde wiegten , lachten sie von draußen an . Und köstlich war die Fragerei von Störtebeker nach dem Wetter und nach dem Fang : er hörte nicht eher auf , bis er die ganze Reise von Streek zu Streek wie ein buntes Bilderbuch vor sich ausgebreitet sah . Gesa wunderte sich auch sehr über seine große Munterkeit , und sie sah Klaus mehrmals bedeutsam an ; er wußte aber nicht , was sie damit sagen wollte . Nach dem Kaffee hängte Störtebeker mit Hein Mück die Scharben auf , dann versorgte er die Nachbarschaft mit Schollen vom letzten Hol und half die Fische zumachen , die sie selbst braten wollten , denn er konnte schon Flossen und Steerte abschneiden . Alle seine Unlust war verweht und verflogen : er lebte und lachte wieder . Er schipperte mit seinem Vater , in dessen Augen auch ein Leuchten stand , an Bord und ging wieder auf seinem großen , schönen Ewer umher , er pumpte und schrubbte , er bewegte das Ruder , als wenn er steuerte , er drehte die Winsch , um sich an das Einziehen der Kurre erinnern zu lassen , er kletterte in die Wanten , als wenn er den dicken Neuwerker Feuerturm an der Kimmung suchen wollte , er blickte nach dem Kompaß und nach allem . Den Abends saß er oben im Wipfel des Lindenbaumes der Tür und piepte wie ein Sperling , während sein Vater und seine Mutter , Kap Horn und der Jäger in der Dämmerung auf der Bank saßen , nach den Lichtern auf der Elbe guckten und in geruhigem Gespräch verweilten . Als der Spatz aber gar nicht ins Nest wollte , ergriff Klaus Mewes ihn zuletzt an den nackten Beinen , zog ihn herunter und steckte ihn in die Kapuze . * * * In der Nacht um zwei lief der Wecker ab . Klaus Mewes und Störtebeker standen auf und zogen sich an , dann gingen sie im Dunkel den Deich entlang nach der Neßkule , in der der Kahn lag . Es war nebelig und naßkalt . Die Bäume tropften , und in den Pappeln saß ein Flüstern , wie die Seen es an sich haben , wenn sie um den Steven glucken . Auf den Feldern braute der Fuchs . Störtebeker trug ein dickes , wollenes Halstuch und hatte seine großen Stiefel an . Sie kletterten schweigend in das Fahrzeug und stießen vom Lande ab . Der Junge wriggte . Neben ihnen rauschte das Reet und in der Schleuse murmelte das Wasser . Auf der Wisch lagen die schwarzen Kühe regungslos im Gras und erwarteten den Morgen . Eine wilde Ente flog auf und verschwand surrend . Als sie die Elbe erreicht hatten , wurde es noch kälter . Der fliegende Nebel wischte seine feuchten Hände an ihnen