komme allbereits . « Nun eilten wir über die Gräber zur Pforte der Jakobikirche . Ich pochte heftig und rief : » Machet doch auf ! Wir sind Magdeburger ! « Doch verschlossen blieb die Pforte . Hierauf verließen wir eilends den Kirchhof und liefen die Blaue Beilstraße entlang , die von Menschen ganz leer war , da sich alles in die Häuser verkrochen hatte . Als wir auf den Breiten Weg kamen , rannten Bürger , jammernde Weiber und Kinder an uns vorüber , nach links , während rechts vom Krökentore her ein feindlich Reitergeschwader anrückte mit Heerpauken und Drommeten . Wie eine blökende Schafherde vor dem Wolfe flüchtete das arme Stadtvolk . Ich hielt der Jungfer Hand und riß sie mit mir fort . Hinter uns krachte eine Salve , und etliche Leute wälzten sich im Blute . Wir waren heil geblieben und bogen um die nächste Straßenecke . » Zur Johanniskirche ! « rief ich , hoffend , dorten vielleicht Einlaß zu finden . Und wir rannten durch die Gassen . An der Ecke der Marktstraße aber hatte Thekla derart den Odem verloren , daß sie nicht weiter konnte und stehen blieb . Es war gerade bei einer Gruppe jammernder Menschen . Es stund allda ein Prädikant , angetan mit seines Amtes Tracht , die Heilige Schrift mit der Linken an seine Brust gedrückt . Um ihn herum zitterten etliche bange Herzen von Jungfrauen und älteren Weibsbildern . Das war ein Weinen und Händeringen : » Was sollen wir denn tun ? Was tun ? « Der bleiche Prädikant aber erhub nur immer die Rechte und sprach : » Gott allein weiß das ! Gott allein ! « Da packte mich die Jungfer Gräfin am Arm und schrie , die Augen wild aufgerissen : » Bring Er mich um , Johannes ! Tu Er mir die einzige Liebe ! Die Kroaten kriegen mich sonst ! Schieß Er mich tot ! auf der Stelle ! « Und sie reichte mir ihr Pistol . Ich riß es aus ihrer Hand , steckte es in meinen Koller und sprach : » Ja doch , mein gnädig Fräulein ! Lebendig soll Euch der Feind nicht kriegen - das gelobe ich ! Aber noch ist es nicht Zeit zum verzweifeln . Erst such ich , Euch zu retten ! So gebeut unseres teuren Obersten letzter Wille . Wollet ihn , mein Fräulein , doch respektieren ! « » Nun gut ! « entgegnete sie . » Johannes ! Geb Er mir das Pistol zurück . Ich folge Ihm ! Doch unser Plan ist schlecht . Bedenk Er nur : So es uns wirklich sollte gelingen , in die Johanniskirche hineinzukommen , was hilft uns das ? Der Feind wird die Pforten sprengen oder zu den Fenstern eindringen . Er verschonet die Kirche nicht , für ihn ist sie ein Ketzertempel . « Daß dieser Einwand richtig sei , leuchtete mir ein . Ich sah im Geiste das Innere der Johanniskirche , sah die hineingeflüchtete Menschenmenge , wie sie teils betete , teils zwischen den Säulen herumirrte und nach einem Verstecke suchte . Versteck ! Ja , wenn ich einen Versteck fände ! Einen unterirdischen ! » Gott sei gedankt ! « rief ich . » Ich weiß Rat ! Aus dem Keller des Predigerhauses führet ein unterirdischer Gang in die Johanniskirche und von dorten nach Kloster Berge . In den wollen wir eindringen ! « Und wieder ergriff ich des Fräuleins Hand und riß sie mit mir . Da wir zur Johanniskirche kamen , hörten wir , wie die Pforte von innen vernagelt und verrammelt ward . Wir liefen um die Sakristei herum , und da stund nun das traute Haus , allwo ich als Knabe mit den Eltern gewohnet . Doch die Haustür war verschlossen , und die Eisengitter vor den Fenstern hinderten das Hineinsteigen . Ich pochte heftig und rief : » Machet doch auf ! Wir gehören ja zu euch ! Sind evangelisch ! Ich bin allhie geboren - bin des ehemaligen Prädikanten Tielsch sein Sohn - jetzo schwedischer Korporal ! Machet auf ! Wir wollen euch ja helfen ! Wir wissen Rettung . Ei , so machet doch endlich auf ! « Vergebens ! Indessen blickte aus einem Fenster des Nachbarhauses ein Weibsbild und sagte : » Ach , ihr Soldaten ! Seid ihr wirklich Freunde ? « » Ja doch ! « entgegnete ich . » Und damit Sie erkennet , daß ich die Wahrheit rede , so sag ich : Mein Quartier ist auf dem Ringe beim Kaufmann Schmidt ; Sie kennt wohl seine Mutter , die alte Schmidtin . Und nebenan logieret - ach Gott , nein - hat logieret der Herr Oberste Falkenberg - Gott mache den Helden selig ! Und ich - bin ein Magdeburger Kind , vor 27 Jahren hier nebenan im Predigerhause geboren . « » Ich mache schon auf ! « rief das Weibsbild und verschwand . Gleich darauf wurde die Haustür aufgetan . Das Weibsbild , eine Hausmagd , Trude mit Namen , war ganz allein , sintemalen der Hausherr benebst Weib und Kindern in die Johanniskirche sich geflüchtet . Schon wollte die Magd die Haustüre hinter uns verschließen , als mir eine Kriegslist beifiel , den Feind zu täuschen , so jede Minute erscheinen konnte . » Höret mich an ! « sagte ich . » Ich weiß einen Rat ! Wir wollen dies Haus also zurichten , als ob die kroatischen Mausköpfe schon hieselbst gewesen wären . Vielleicht daß die Plünderer alsodann vorübergehen , weil sie denken : da ist nichts mehr zu holen . Trude , bringe Sie mir eine Axt . « Zur Jungfer Gräfin aber sprach ich : » Mein lieber Jaroslaus - so muß ich Euch nun wieder heißen - nimm den Säbel und schlitze die Betten auf - Stroh und Federn sollen verstreut werden . « Da Trude die Axt gebracht , gab ich ihr fürder auf , in den Hausflur einen