? Ist er wirklich da ? « » Donnerwetter du wirst ja ganz rot , o ! « Er kannte ihre Schwärmerei für Demeters melancholische Kavaliersschönheit , fühlte aber keine Spur von Eifersucht . » Also ist es Stanzides ? « fragte sie . » Ja , allerdings ist es Stanzides . « » Daran kann ich aber mit dem besten Willen nichts Merkwürdiges finden . « » Das ist auch nicht merkwürdig . Aber wenn du draufkommst , mit wem er da ist ... « » Mit Sissy Wyner . « » Aber ... « » Nun , ich dachte verheiratet ... das kommt ja auch vor . « » Nein , nicht mit Sissy und nicht verheiratet , sondern mit deiner Freundin Therese und so unvermählt als möglich . « » Na geh ... « » Wie ich dir sage , mit Therese . Seit acht Tagen sind sie auf Reisen . Was sagst du dazu ? In Venedig und Mailand waren sie . Hattest du eine Ahnung davon ? « » Nein . « » Wirklich nicht ? « » Wirklich nicht . Du weißt doch , daß mir Therese nur einmal flüchtig geschrieben hat , und du hast ja mit bekanntem Interesse ihren Brief gelesen . « » Du bist mir nicht genug erstaunt . « » Gott ich hab immer gewußt , daß sie einen guten Geschmack hat . « » Demeter auch « , rief Georg mit Überzeugung aus . » Wahlverwandtschaften « , bemerkte Anna mit hochgezogenen Brauen und häkelte weiter . » Und das ist nun die Mutter meines Kindes « , sagte Georg mit heiterm Kopfschütteln . Sie sah ihn lächelnd an . » Wann kommt sie denn zu mir ? « » Nachmittag so gegen sechs , denk ich . Und ... und Stanzides kommt auch ... etwas später . Sie werden mit uns speisen . Du hast doch nichts dagegen ? « » Dagegen ? Ich freu mich sehr « , erwiderte Anna einfach . Georg war angenehm berührt . Wenn Anna in ihrem Zustand Stanzides in Wien begegnet wäre ! ... dachte er . Wie doch das Entrücktsein aus der gewohnten Umgebung befreit und reinigt ! » Was haben sie denn Neues erzählt ? « fragte Anna . » Wir sind kaum drei Minuten zusammen gestanden , bei der Post . Er läßt dir übrigens die Hand küssen . « Anna antwortete nichts , und Georg schien es , als wandelten ihre Gedanken wieder auf sehr bürgerlichen Wegen . » Bist du schon lang aufgestanden ? fragte er rasch . » Ja , ich sitze schon eine ganze Weile da auf dem Balkon . Ich hab sogar ein bissel geschlummert , die Luft hat so was Ermattendes heute , und geträumt hab ich auch . « » Wovon hast du denn geträumt ? « » Vom Kind « , sagte sie . » Wieder ? « Sie nickte . » Ganz dasselbe wie neulich . Hier auf dem Balkon bin ich gesessen , auch im Traum , und hab ' s in meinem Arm gehabt , an der Brust ... « » Was war ' s denn ? Ein Bub oder ein Mädel ? « » Ich weiß nicht . Ein Kind halt . So klein und so süß . Und eine Wonne war das ... Nein , ich geb ' s nicht her « , sagte sie dann leise mit geschlossenen Augen . Er stand ans Geländer gelehnt und fühlte den leichten Mittagswind in seinen Haaren streichen . » Wenn du ' s nicht fortgeben willst « , sagte er , » so sollst du ' s auch nicht tun . « Und es fuhr ihm durch den Sinn : wär es nicht sogar das bequemste , wenn ich sie heiratete ? ... Aber irgend etwas hielt ihn zurück , es auszusprechen . Sie schwiegen beide . Er hatte die Briefe vor sich hin auf den Tisch gelegt . Nun nahm er sie und öffnete einen . » Sehen wir zuerst , was deine Mutter schreibt « , sagte er . Der Brief der Frau Rosner enthielt die Mitteilung , daß daheim alles wohl sei , daß man sich sehr freue , Anna bald wieder zu sehen , und daß Josef in der Administration des » Volksboten « mit fünfzig Gulden Monatsgehalt angestellt sei . Ferner wäre eine Anfrage von Frau Bittner eingelangt , wann Anna aus Dresden zurückkäme , und ob es überhaupt sicher wäre , daß sie im nächsten Herbst wieder da sei , weil man sich andernfalls doch nach einer neuen Lehrerin umsehen müßte ... Anna blieb regungslos und äußerte sich nicht . Dann las Georg Heinrichs Brief vor . Er lautete : » Lieber Georg , ich freue mich sehr , daß Sie so bald zurück sein werden , und schreib Ihnen das lieber heute , weil ich Ihnen ja doch , wenn Sie einmal da sind , nie sagen werde , wie sehr ich mich darüber freue . Vor ein paar Tagen an der Donau , auf einer abendlich einsamen Radpartie hab ich eine wahre Sehnsucht nach Ihnen bekommen . Was übrigens diese Ufer für einen unverwischbaren Duft von Einsamkeit haben ! Ich erinnere mich das schon vor fünf oder sechs Jahren einmal empfunden zu haben , an einem Sonntag , wie ich in , was man so nennt , lustiger Gesellschaft im Klosterneuburger Stiftskeller gesessen bin , in dem großen Garten , mit dem Blick auf die Berge und zu den Auen . Wie aus den Tiefen des Wassers kommt sie emporgestiegen , die Einsamkeit , die ja offenbar überhaupt etwas ganz anderes vorstellt , als man gewöhnlich meint . Keineswegs einen Gegensatz zur Geselligkeit . Ja vielleicht hat man nur unter Menschen das Recht , sich einsam zu fühlen . Nehmen Sie das als aphoristisch , lächerlich-unwahres Extrablättchen , oder legen Sie es auch als solches beiseite . Um wieder auf meine Donauuferfahrt zu kommen , gerade in jener etwas