Kamin . Cölestin und Magyac hatten sich in einen Winkel zurückgezogen und sahen mit einer Art von Neugierde auf das Feuer . Magyacs luftrotes Gesicht stach wunderlich ab von dem schneeweißen Haare des alten Domestiken . Cölestin war groß , das Alter hatte seine Schultern schon etwas nach vorn gebogen , aber sein Schnurrbart war noch pechschwarz , und die eingefallenen Züge traten noch mit großer Strenge hervor . Er hatte ein Auge verlogen und das andere war immer zur Hälfte bedeckt vom Augenlide , so daß man selten das frische Schwarz des Augapfels erblickte . Die ferne Flamme spielte wunderliche Lichter auf die beiden Sarmatengestalten , und Valerius , ein lebhafter Freund von solchen Bildern , machte eben seinen Nachbar auf die ganze lichte und dunkle Umgebung aufmerksam , als die Szene noch lebendiger wurde durch den Eintritt Hedwigs . Sie klatschte in die Hände und kam zum Kamin gesprungen ; ihre französische Zofe rief entzückt , sie sehe Paris wieder ; sogar Joel wurde munter , und man schwatzte ein Weilchen heiter und lustig . Das frische sechzehnjährige Mädchen glänzte wie ein zweites Feuer vor den Flammen mit ihren blitzenden , mutwilligen Augen , den weißen Schultern und den braunen Flechten , die ihr halb aufgelöst um den Nacken flogen . Es schien , als habe sie eben zu Bett gehen wollen , da sie die unerwartete Gesellschaft im Saal gefunden hatte . Das Halstuch trug sie in der Hand , und den Kamm , welcher schon aus dem Mittelpunkt der Flechten gezogen war , steckte sie scherzend in den Scheitel des offenen Haares . An sich harmlos , von Jugend auf unter Männern , war sie dreist und am fernsten von aller Prüderie . Ihre Großmutter war ja auch ein Mann und kümmerte sich nur um die Befreiung des Vaterlandes , nicht aber um das Busentuch ihrer Enkelin , die jetzt über Nacht zur Jungfrau emporgewachsen war . Ihre Mutter hatte sie kaum gekannt . So war sie denn wie ein lustiges , freies Füllen gediehen , war natürlich dreist und doch voll echten Schamgefühls . Als sie ihre Freude am Feuer gesättigt hatte , sagte sie » Bonne nuit , Messieurs « , und sprang davon . Es trat eine augenblickliche Stille ein , Valerius warf neues Holz aufs Feuer , Joel sah gedankenvoll in die Flammen hinein , als wollte er sein Leben bis in die fernste Zukunft darin entdecken . Da hörte man plötzlich außerhalb des Hauses einen gellenden Pfiff durch die Luft schwirren . Joel schrak sichtbar zusammen , Valerius wendete sich schnell um und fragte die noch im Winkel stehenden Bedienten , was dies zu bedeuten habe . Sie erklärten mit halben Worten ihre Unwissenheit ; es war aber dem Valerius nicht entgangen , daß Cölestin seine Hand nach dem Rockzipfel Magyacs ausgestreckt hatte , wahrscheinlich , um diesen vor einer Unvorsichtigkeit zu warnen . Magyac war offenbar am meisten beunruhigt , und da er noch weniger an die unterwürfige Domestikenform Cölestins gewöhnt war , dessen Körper wie eine Bildsäule unbeweglich stand , während die Befehle seiner Herrschaft ruhten , so wagte er ' s , sich ans Fenster zu schleichen und hinauszublicken . Er ging sogar auf die entgegengesetzte Seite des Gemachs zu einer halb zerschlagenen Glastür , die auf einen verfallenen Balkon führte . Dabei schlich er aber auf den Zehen , als sollte Valerius , den er wie seinen Herrn betrachtete , die Dreistigkeit seines Herumstreichens im Saale nicht bemerken . Verdrießlich über das Verleugnen einer Erscheinung , die seinen Umgebungen weniger unbekannt zu sein schien , hieß er die beiden Leute zu Bett gehen . Cölestin war wie ein Blitz verschwunden , und Magyac verbarg seine Eile wenig . Die freundliche Behandlung , welche er bisher von Valerius erfahren hatte , war nicht ohne tiefen Eindruck auf den jungen Polen geblieben . Er war an rauhere Hände gewöhnt , und bewies dem deutschen Herrn eine lebhafte Hingebung . Valerius hatte oft große Mühe , sich den Versuchen Magyacs zu entziehen , wenn er ihm den Arm oder den Rockzipfel küssen wollte . An jenem Abende machte ihm diese orientalische Manier Magyacs keine Sorge . Wie ein Fuchs klemmte er sich mit seinem Pelze durch die halboffene Saaltür und verschwand . » Gegen die besten Freunde ist diese Nation mißtrauisch und stolz , « brummte Valerius mürrisch vor sich hin , und setzte sich wieder ans Feuer ; er sah Joel fast unmerklich mit dem Kopfe nicken , tonlos die Lippen bewegen und in die Flamme starren . Es war totenstill ; nach einer Weile glaubte Valerius gegen den Wald zu wiederum jenes Pfeifen zu vernehmen , wenn auch ganz leise - er horchte aufmerksam : alles blieb still , nur die Saaltür knarrte im Luftzuge . 8. Die beiden jungen Männer brachten noch eine lange Zeit schweigend zu . Jeder war offenbar in trübe , düstere Gedanken versunken . Joels Traurigkeit schien indes weicher und von höherer Reizbarkeit zu sein : zuweilen rollten dicke Tränen über seine Wangen . » Der Freiheitskrieg eines Volkes , « sagte endlich Valerius leise vor sich hin , » ist wie ein Liebeskrieg , man nimmt die Unterstützung eines Fremden an , aber betrachtet ihn gleichgültig wie ein Werkzeug , in den Herzensrat kann er nimmer aufgenommen werden . « Da sah er zwei große Tränen des armen Joel ; er schalt sich , daß er so drängendes , nahes Leid über seinen Grillen habe vergessen können , und suchte nach einem Eingange , dem Kranken nahe zu treten , ohne ihn durch Beileidsgeschrei noch schlimmer an seine Krankheit zu erinnern . Alle Leiden sind von einer Familie , die meisten Trostgedanken passen auf alle , und die edelsten Leiden sind wie die edelsten Familien : sie hören sich nicht gern selbst nennen , wenn man über ihre Schmerzen spricht . Das Unglück hat die zarteste Schamhaftigkeit . Deshalb suchte Valerius einen fernen und doch verwandten Gedankengang , um nur in die