war . Wie der Herbst kam , waren sie also in die Stadt zurückgegangen und kamen braungebrannt , robust auch ordentlich Johanna , in die alten Verhältnisse zurück . Das Leben am Meer hatte Johanna vollkommen in die einige Sicherheit zu Einhart eingewöhnt . Daß auch der Winter nur weiter ein tätiges , ruhiges , launiges Leben , und nichts anderes , hinging . Poncet kam oft . Aber wenn Johanna jetzt eine Empfindung für ihn hatte , so war es die , ihn vor sich selber schützen zu wollen . Weil sie selbst sich in dieser ersten Zeit durchaus nicht mehr bedroht dünkte . Außerdem war Poncets Leben offenbar auch heiterer geworden . Poncet hatte eine große Herbstreise nach Amerika und Spanien gemacht . Er war danach auch in allerlei Arbeiten leidenschaftlich hineingeraten . Man hatte also allerseits die Hände voll zu tun , und Kopf und Herz , den ganzen Winter lang . Daß die nächste Frühlingsausstellung herankam , so schien es , als hätten die Werke einfach die Zeit eingesogen . Die Ausstellung enthielt ein paar große Phantasiestücke von Einhart . Als Einhart in den Ausstellungssälen zum ersten Male herumging , Johanna mit einem blumigen Frühlingshut eigenster , freier Erfindung neben ihm , sahen ihn , den Zigeuner-Grandseigneur in Zylinder , und sie , diese kleine , wippende Dame mit hoher Krempe und viel Schleier , wie eine Herzogin von Goya so zierlich und so schnippisch , die vornehmen Besucher der Eröffnungsfeier alle mit sonderlicher Neugier und mit absichtlosem , heimlich lauschenden Umprüfen und Umwandeln an . Weil sie wohl von ferne ahnten , daß die lustige , launige Windsbraut von Seele hinter dem feinen , duftigen Stoff- und Schleierwerke , das sie jetzt licht und lose hüllte , einmal hüllenlos in die Bilder an den Wänden , die von Einhart irgendwo hingen , so recht eine kichernde Eva hineingesprungen . Auch Doktor Poncet war oft dabei , wenn sie in der Ausstellung herumgingen . Poncet im beginnenden Frühling schon wieder heimlich gequält immer um Johanna . Aber Johanna hielt sich nur an Einhart . Johanna war das anmutig liebende Leben selber , so dienstwillig und zutunlich , wenn es um Einhart ging . Und Poncet desgleichen . Poncet war ganz und gar nur zu Einhart der liebende Freund , der den andern voll gewähren läßt . Und Einhart war ein Narr , wie schon als Junge , wie immer bis ans Ende vielleicht , eingesponnen in allerhand eigene Schau und in die Froheit seiner Gesichte . Er ahnte ganz und gar nichts , daß mit dem neuen Sommer auch neu leise Unruhen in Johanna aufzutauchen begannen . Er ahnte ganz und gar nichts , daß Johannas sanftes Blicken nur erst wie zufällig noch , aber nicht gleichgültig mehr , über die wachsenden Versunkenheiten des verachtenden , bleichen Poncet hinglitten . Einhart war unter der kindlichen Freiheit Johannas noch vollends wieder zum Traumnarren geworden . Er hatte jetzt gar keine Leidenschaft ans Leben , als die Ergreifung dessen , was sich als Gehalt und Gestalt aus ihm gebar . Das Hinauswachsen im Werk galt ihm alles . Das sonstige Leben nahm er lachend als Zier und Laune , die sich um seine Kunstarbeit froh herumrankte . Bei Doktor Poncet verhielt sich das ganz anders . Poncets Leben war auch durchaus nur ringende Arbeit . » Aber was kommt dabei heraus für mich ? « sagte er oft verbittert . Es war kein Verklären und Finden von sich selber , und von dem , was ihm die Stunde je gewesen . Poncet hatte allerlei hinausgegeben . Aber der Wind hatte die Früchte noch immer fortgeführt auf Nimmerwiedersehen . Er lag ewig im Streite mit sich und im Harme um sich . Er sehnte sich beständig , etwas vom eigenen Leben zu greifen , geläutert , wie die Kunst es zu dauerndem Genüsse darbringt . Und Poncet sah das Glück und den Glanz , die Einhart um sich und Johanna wob . Und wahrhaftig , Johanna wuchs jetzt noch mehr zu einem Wunder der Verklärung auch vor seinen Augen . Poncet konnte in diesen ganzen Frühlingsmonaten nur noch nagen und sinnen , wie er aus einem leidenschaftlichen , schwelenden Zwange nach ihr zur Ruhe käme ? Aber Johanna war innerlich bestimmt dawider gewesen , daß man ein gemeinsames Ziel für den Sommeraufenthalt fände . Und Einhart und Johanna hatten also , wie das Jahr vorher , mit genug ausfüllender Arbeit und frohen Launen allein oben am Meere gesessen . In den letzten Augusttagen kam dann doch Poncet nach . Es war eine sehr warme Zeit . Das Wasser des Meeres lag fast immer spiegelblank , wie eine weite , silberne Scheibe , über die die feinen Unruhen des Lichtes und des Windhauchs in lieblichem Wellengekräusel hinstrichen . Johanna war ein wenig erschrocken gleich , als Poncet kam . Es hatte ihn von daheim fortgetrieben . Es hatte Zerwürfnisse gegeben . Aber Einhart freute sich . Poncet war unerwartet gekommen . Er kam sanft und entschuldigend , fast ein wenig demütig gegen Einhart . Und die ersten Abende saß man gemeinsam auf dem verbleichenden Dünenhügel am Strande . Man sah zu , wie die Dämmerungen über die leuchtenden Wellen hereinsanken , wie durchsichtige Flöre . Man sah , ohne in Minuten Worte zu wechseln , verloren in den nachtlichtenden Nordschein . Und wenn Einhart am Tage malen ging und erhaschen der Welt auf seine Weise , blieb Poncet in gelehrter Arbeit in der Stube im Fischerhause zurück . Da war Johanna in kleinen Betriebsamkeiten oder in dem launigen Leben in Wald und auf den Wiesen dann für sich festgehalten . Johanna mied es noch immer , mit Poncet allein zusammen zu sein . Aber das Kindstum von früher war in ihr jetzt doch heimlich ganz eingeschlafen . Wenn sie mit dem Hirten unter den Schafen plaudernd stand , sah sie viele Male neugierig nach der Richtung aus , woher Poncet kommen konnte . Poncets überlegene , verachtende Männlichkeit lockte sie