ihm erlaubt wiederzukommen . Heute war erst Donnerstag ! Eine lange Zeit für einen , der sich vor seinen Gedanken fürchtet . Als er am Sonntag den Laden betrat , tönten ihm aus dem türkischen Boudoir Stimmen und Lachen entgegen . Er wollte sofort die Flucht ergreifen . Lena in Gesellschaft anderer zu sehen , war ihm ein unerträglicher Gedanke . Er fühlte instinktiv , dass sie nur unter vier Augen jene alles vergessende Wirkung würde auf ihn ausüben können , deren er bedurfte , um zu leben , zu arbeiten . Aber das blonde Mädchen liess ihn nicht fort . » Das Fräulein hat ' s mir extra eingeschärft , Sie hereinzuführen . Unangemeldet sogar « , fügte sie mit ihrem dreistesten Lächeln hinzu . Als Franz eintrat , verstummte die Unterhaltung Lena stand auf und begrüsste ihn mit stark betonter Liebenswürdigkeit . Dann stellte sie ihn als einen lieben Jugendfreund , der sich soeben in Berlin etabliert habe , den übrigen Anwesenden vor und bat Kurt in ihrer kurzen Art , die keinen Widerspruch duldete , Herrn Krieger den Platz an ihrer Seite abzutreten . Kurt erhob sich sofort , aber er zog seine schärfste Spähermiene auf . Jetzt galt es aufzupassen . Das also war der Geschäftsfreund , der bei verschlossenen Thüren empfangen worden war . Dies war am Ende doch eine Sache , die Bornstein etwas anging . Wer weiss , was nicht schon verfehlt war dadurch , dass er neulich nicht gleich telegraphiert hatte ! Er liess die beiden nicht mehr aus den Augen , und genug gab es für ihn zu hören und zu sehen . Lena gab sich nicht die geringste Mühe , ihre Vorliebe für diesen Jugendfreund zu verbergen , und er war so vollständig in ihrem Bann , dass er alles andere darüber vergass . Je länger die Intimität der beiden dauerte , um so unbehaglicher wurde es Kurt zu Mut . Schliesslich sass er wie auf Kohlen . Die übrigen Besucher hatten sich längst verabschiedet . Nur dieser täppisch verliebte Mensch und er sassen noch immer mit Lena an dem kostbar eingelegten Tisch und rauchten eine Cigarette nach der andern . Was sollte er thun ? Es war höchste Zeit , an Bornstein zu telegraphieren , wenn der Freund morgen mit dem ersten Zug abfahren sollte . Und das schien Strehsen nicht nur geraten , nein , geradezu gebotene Notwendigkeit . Wie aber sollte er es anfangen , ohne die beiden allein zu lassen ? Endlich sah Lena auf die Uhr . » Schon zehn ? Mein Gott , darum bin ich auch so müde . Ich muss Sie jetzt entlassen , meine Herren . Auf Wiedersehen , Herr von Strehsen . « Sie reichte ihm flüchtig die Fingerspitzen zum Kuss . Dann stahl sie ihre Hand zu Kurts Entsetzen ganz ungeniert in die des » provinziellen Menschen « und sagte mit ihrem verführerischsten Lächeln : » Du kommst wohl morgen abend um acht , wie wir verabredet haben , lieber Franz ? « Draussen nahm Kurt sich kaum Zeit , sich von dem Friedensstörer zu verabschieden . Wie ein Verfolgter stürzte er auf den nächsten Taxameter zu und schrie ihn an , so schnell die Mähre laufen könne , nach dem Haupt-Telegraphenamt zu fahren . - Mit einem der Vormittagszüge traf Bornstein ein . Da er Kurt telegraphisch davon benachrichtigt hatte , erwartete ihn der Leutnant auf dem Bahnhof . Bornstein kochte vor Grimm , nachdem er Kurt gehört hatte . Dennoch nahm er sich Zeit . Seinen letzten Trumpf durfte er nicht leichtsinnig ausspielen . Um acht Uhr hatte sie diesen Menschen zu sich bestellt . Er würde warten bis dahin . In flagranti würde er sie ertappen . Und dann , dann sollte reiner Tisch zwischen ihnen gemacht werden . Er hielt dieses Leben nicht mehr länger aus . Entweder oder . Biegen oder Brechen . Sie hatte ihn lange genug gefoppt . Seine Geduld war zu Ende . Um ein viertel auf neun schritt er durch den Laden , ohne den Gruss des blonden Mädchens zu erwidern , gerade auf das türkische Zimmer zu , in dem Lena ausnahmslos ihre Besuche zu empfangen pflegte . Das Mädchen rief ihm etwas nach , was er nicht verstand . Er hörte auch gar nicht auf sie . Er riss die Thür auf . Das Zimmer war leer . Da erst wandte er sich zu der jetzt dicht an seiner Seite Stehenden um . Sie erschrak vor dem Ausdruck seines sonst so gutmütigen phlegmatischen Gesichts . Wie Wetterleuchten zuckte es darüber hin . Das spärliche rötliche Haar unter dem weit aus der Stirn zurückgeschobenen Hut schien sich förmlich zu sträuben . Mit eisernem Griff umfasste er die Hand des Mädchens . » Wo ist Fräulein Weiss ? Lügen Sie nicht , ich rate es Ihnen . « Weit stiess er sie von sich und spuckte in einem grossen Bogen vor ihr aus . » Pfui , Sie - Sie Gelegenheitsmacherin Sie ! « Das dreiste rohe Geschöpf zitterte an allen Gliedern . Sie glaubte nicht anders , als dass Bornstein plötzlich wahnsinnig geworden sei . » Fräulein ist schon in ihrem Schlafzimmer . Sie wollte früh schlafen gehen . Sie sagte , sie wäre sehr müde ! « Er lachte laut und höhnisch auf . » Wie Du schlau bist , Kröte ! Aber es hilft Dir nichts . Glaubst Du , ich wüsste nicht , dass jemand bei ihr ist ? Marsch , mach ' Platz , ich will hinein ! « Er stiess sie zur Seite wie eine giftige Natter und stürzte durch den kleinen Gang , der von dem Laden zu Lenas Wohnung führte . Die Verbindungsthür war schon verschlossen . Er riss an der Klingel , einmal , zweimal . Als nicht gleich jemand kam , donnerte er mit den Fäusten dagegen . Jetzt wurde der Riegel zurückgeschoben . Lenas Köchin stand vor ihm . Er schob sie bei Seite und schlug die Thür hinter