Wer sind Sie denn ? « » Bojesen . « » So ? Der Lehrer ? « » Gewesen , ja . « Als sie vor Frau Hellmuts Wohnung angelangt waren , ging Bojesen mit hinauf . Nach kurzer Weile kam auch Sema . Gedalja hockte auf einem Schemel , äffte den Wind und lachte . » Jeanetterl , kumm her ! kumm her , Jeanetterl ! Ich muß d ' r was sagn ! « flüsterte er kaum hörbar . » Ich hab ' d ' rs ja gleich g ' sagt . Geld will ich kaans . Ich pfeif d ' r af dei Geld . « Plötzlich fuhr er wie toll auf und stieß Sema , der ihn beruhigen wollte , mit voller Kraft weit von sich , daß der Knabe gegen den Ofen taumelte . » Dei Geld ? Na ! Dei Geld ? Da klebt Schweiß draa un Blut , lieber Sohn ! Es rollt - tief ! Komm herla , Eisenhäärla ! Chomezfresserla ! Chuzpeponim ! Ach , was haste gemacht mit en alten Mann ! « » Warum bringen Sie ihn nicht fort ? « fragte Bojesen erschüttert . » Morgen früh kommt er in die Anstalt , Herr Bojesen . « Bei dem Namen blickte Sema hastig empor und schaute Bojesen an . Dann stand er auf , trat zu Bojesen und fragte stehend : » Wo ist Agathon ? « Bojesen war erstaunt . Er schüttelte den Kopf , nahm Semas Hand und streichelte sie . Eine Zeitlang war es still . Bojesen war versunken in den Anblick des langsam einschlummernden Greises , dessen Rücken steif an die Wand gepreßt war . Sema saß vor Gedalja auf der Erde . Als Bojesen die finsteren Treppen hinabsteigen wollte , eilte ihm Sema nach . » Herr Bojesen , « rief er leise , » die Schüler ! « In abgerissenen Worten , atemlos , von dem Bestreben beseelt , ein Unglück abzuwenden , erzählte er , daß viele Schüler der obersten Klasse morgen Nacht den Rektor überfallen wollten , wenn er vom Wirtshaus heimging ; es sei eine Verschwörung , sie wollten sich auch verkleiden ; einer habe einen Aufruf geschrieben , worin die Rückkehr Bojesens gefordert sei , auch hätte eine Geldsammlung stattgefunden , um Bojesen ein Ehrengeschenk überreichen zu können . Er , Sema , sei von all dem durch einen guten Freund unterrichtet und er fürchte , daß es den Schülern schlecht ergehen werde . Bojesen sah nachdenklich ins Finstere . Er legte seine Hand beschwichtigend auf Semas Haupt , drückte ihm dann schweigend die Hand und ging , während ihm der Knabe hilflos nachschaute . Nebenan wohnte ein Firmenmaler , der in nächtlichen Mußestunden klassische Monologe einübte , und Sema hörte ihn brüllen , während er bang in die Nacht sah . Indes wurde Bojesen nicht müde , gegen den Sturm anzukämpfen . Er ging über die Felder ; die Landschaft schien zu wogen wie aufgewühlte See , der Fluß stürzte rauschend einher und war bis zum Rand angeschwollen . Bojesen empfand ein Grauen davor , heimzukehren und sann darüber nach , wo er den Rest der Nacht verbringen solle . Er kehrte um und stand alsbald unschlüssig vor dem Eingang zum siebenten Himmel . Während er noch überlegte , kam der Glühende heraus , begrüßte ihn und fragte , ob Bojesen nichts von den sonderbaren Ereignissen gehört habe , die sich heute Abend in Nürnberg abgespielt . Ein halbwahnsinniger Mensch , ein Goldmacher , habe das Volk aufgewiegelt , ein junger Mensch habe die Lorenzerkirche in Brand gesteckt und die ganze Stadt sei wie von Sinnen . Er gehe jetzt , um sich die Geschichte anzuschauen . Bojesen vernahm das alles wie im Traum . Schließlich verging die Nacht und verbrauste mit ihrem Sturm ; eine Nacht für alle und dann den Tod in den Wellen sterben , dachte er . War es nicht auch ein Traum gewesen , daß einst ein weißer Arm schmeichlerisch seinen Hals umschlungen hatte ? oder war dies vor langen Jahren geschehen , in einer entlegenen Zeit der Geschichte ? Am Morgen verließ er früh das Haus . Die Straßen waren vom Sturm reingeleckt . Ob er geschlafen oder nicht geschlafen , wußte er nicht . Einem Entschluß folgend , den er schon gestern bis in die Einzelheiten gefaßt und erwogen und der ihn jetzt von selber vorwärts trieb , ging er ins Schulhaus , um die Schüler zur Vernunft zu bringen und von törichten Streichen abzuhalten , die ihm und ihnen schaden mußten . Er tat es widerwillig , denn er hatte sich gesagt : laß diese Jugend einmal sich empören . Es schlug acht Uhr , als Bojesen die Klasse betrat . Sobald die Knaben ihn gewahrten , entstand ein feierliches Schweigen . Plötzlich kam ein junger Mensch mit offenem , liebenswürdigem Gesicht , das ein wenig an die Züge Agathons erinnerte , auf Bojesen zu und reichte ihm die Hand . Dann erhoben sich auf einmal alle in sorgloser Erregung , in mühsam verhaltenem Jubel , mit erstickten Ausrufen , stürmten auf den verstoßenen Lehrer ein , drückten und schüttelten seine Hände , sahen mit leuchtenden Augen zu ihm auf und die Boshaften , die Dummen und Launischen verloren alles , was sie abstoßend machte . Bojesen , in seiner Ergriffenheit , vermochte anfangs nicht zu reden ; doch bald bemerkten sie seine Absicht und schwiegen bereitwillig still . Er sagte ihnen , was er sagen wollte : ernst , verständlich und verständig , und sie schienen beschämt . In ihren Blicken war das offene Versprechen des Gehorsams zu lesen . In diesem Augenblick wurde die Türe aufgerissen und der Rektor trat ein . Bei dem Anblick , der sich ihm bot , ging eine förmliche Versteinerung mit ihm vor . Er lallte , und seine Brille fiel von der Stirn auf die Nase . Er ließ einen eisigen Blick auf Bojesen fallen und einen finsterdrohenden auf die Schüler