er nach längerem Schweigen . » Ich wenigstens kann nichts mehr tun , mir sind die Hände gebunden . Nahe geht mir die Sache , das kann ich wohl sagen ! Auf dem Laufenden können Sie mich immerhin erhalten , verstehen Sie , Büttner ! « - » Nun , Gott befohlen ! « Damit gab er der Stute einen unmerklichen Schenkeldruck . Die krümmte den Hals , schob das Hinterteil unter und trug den Reiter in gleichmäßig wiegenden Galoppsprüngen die Dorfstraße hinab . Gustav blickte ihm mit Wehmut nach . Er war so sehr Kavallerist geblieben , daß er selbst in diesem Augenblicke , wo ganz andere Sorgen und Kümmernisse ihm näher lagen , doch noch Raum fand für das Gefühl des Neides dem Manne gegenüber , der ein solches Pferd reiten durfte . Er verfolgte den Reiter mit seinen Blicken , bis er ihm hinter den Häusern verschwunden war . Dann wandte er sich seufzend , um nach Hause zu gehen und dem Vater die schlechten Nachrichten zu überbringen . Der junge Mann fühlte sich sehr niedergedrückt . Die Aussicht , die ihm Hauptmann Schroff eröffnet , war so wunderbar gewesen , daß er wirklich geglaubt hatte , es werde nun alles gut werden . Er hatte seine Pläne für die Zukunft ganz auf das Gelingen dieses Planes gestellt , und nun war in elfter Stunde alles gescheitert ! Auf den alten Bauern machte die Nachricht keinen tieferen Eindruck . Er hatte ja nicht an eine Wendung zum Besseren geglaubt . Der alte Mann hatte sich wieder ganz in sich selbst zurückgezogen . Niemand , selbst Gustav nicht , wußte , ob er überhaupt noch etwas hoffe . Scheinbar ließ er die Dinge gehen , wie sie gehen wollten . Selbst die Nachricht vom Gericht , daß Termin zur Zwangsversteigerung angesetzt sei , schien ihn nicht merklich zu erregen . In der Wirtschaft ging alles seinen gewohnten Gang weiter . Hier merkte man gar nicht , welches Verhängnis drohend über dem Gute hing . Die Frühjahrsbestellung wurde wie alljährlich vorbereitet . Karl fuhr Dünger auf den Kartoffelacker und Jauche auf die Wiesen . Die Frage , wer die Früchte ernten werde , stellte man nicht . Man tat seine Arbeit und schwieg . Die Maschine schnurrte weiter , weil sie einmal im Gange war . Wenn nun plötzlich eine fremde Hand eingriff und sie zum Stillstand brachte , was dann ? - Der alte Bauer schien mit einem gewissen Trotz dieser Frage aus dem Wege zu gehen . Reden ließ er auch nicht mit sich darüber . Gustav bekam zu hören , daß er ein » grüner Junge « sei , als er einmal davon zu sprechen anfing , was eigentlich nach der Subhastation werden solle . Und dabei lag die Notwendigkeit , daran zu denken , so nahe . Wer konnte denn wissen , wer der Ersteher des Gutes sei und was er mit Haus und Hof anfangen werde . Sie mußten gewärtig sein , ihr Heim auf dem Flecke zu verlassen ; dann würden sie obdachlos auf der Straße liegen , wohl gar der Armenfürsorge anheimfallen . Gustav geriet auch in anderem mit dem Alten in Widerspruch . Der Büttnerbauer steckte noch immer Geld in das Gut , obgleich es bereits an allen Ecken und Enden zu mangeln begann . Der junge Mann war der Ansicht , daß jetzt keine Verbesserungen mehr vorgenommen werden dürften , da es doch feststand , daß der Besitz nicht mehr der Familie erhalten werden könne . Aber der Bauer schien es sich in den Kopf gesetzt zu haben , der verlorenen Sache noch möglichst viel nachzuwerfen . Er schaffte einen neuen Pflug an , besserte an den Wegen , stopfte Löcher im Fachwerk des Scheunengiebels und sprach sogar davon , den Kuhstall umdecken zu lassen . Darüber kam es zwischen Vater und Sohn zu einem heftigen Auftritt . Die Folge war , daß der junge Mann sich mehr denn je von zu Hause wegsehnte . Jeder Tag vermehrte seine Einsicht , daß hier alles unhaltbar geworden sei . Wozu sein Geschick noch länger an das seines Vaters knüpfen , der zu alt zu sein schien , um noch Vernunft anzunehmen . Im Elternhause wurde es immer öder und trauriger . Der alte Bauer lebte ein Leben völlig für sich . Wie ein böser Hund fuhr er aus seiner Hütte , bereit , jeden zu beißen , der ihn in seiner Verdrossenheit störte . Die Bäuerin weinte viel und hatte an ihrem Leiden zu tragen . Therese zankte mit Karl . Toni sah in schwüler Gleichgültigkeit ihrer Entbindung entgegen . Bei Ernestine begannen sich unter dem Einflüsse all des Widrigen , dessen das junge Ding Zeuge geworden , Eigensucht und Vorwitz in nicht gewöhnlichem Grade zu entwickeln . Gustav hielt sich infolgedessen dem Elternhause , das ihm die Hölle auf Erden zu werden drohte , so viel als möglich fern . Um so mehr war er bei Pauline Katschner zu finden . Sie und der Junge mußten ihm jetzt Eltern und Geschwister ersetzen . Der Termin der Hochzeit rückte näher und näher , und Gustav hatte noch immer keine Stellung gefunden . Er dachte manchmal daran , ob es nicht das beste sei , auszuwandern . Man sah es ja : die Verwandten alle , die von Halbenau weggegangen waren , hatten es zu Vermögen und Ansehen gebracht . Im Dorfe konnte man nie und nimmer zu etwas kommen . Die Heimat war ihm vergällt und verekelt durch so viel traurige Erlebnisse . Also , nur fort ! Den Staub von Halbenau von den Füßen geschüttelt und anderwärts sein Glück versucht ! Aber das war leichter gedacht als ausgeführt . Zunächst einmal : wo sollte er hingehen ? In die Stadt ! Wer stand ihm dafür , daß er dort Arbeit fand . Und dann mit Weib und Kind wanderte es sich nicht so leicht , als wenn einer nur den Ranzen zu schnüren und den Stab in die Hand zu