Und dann so vieles andere noch . Und da will ich doch lieber Abschied nehmen von Ihnen , als wär es für immer . « » Aber meine gnädigste Frau ... « » Als wär es für immer . Und ich will Ihnen danken , lieber Gieshübler . Denn Sie waren das Beste hier ; natürlich , weil Sie der Beste waren . Und wenn ich hundert Jahr alt würde , so werde ich Sie nicht vergessen . Ich habe mich hier mitunter einsam gefühlt , und mitunter war mir so schwer ums Herz , schwerer , als Sie wissen können ; ich habe es nicht immer richtig eingerichtet ; aber wenn ich Sie gesehen habe , vom ersten Tage an , dann habe ich mich immer wohler gefühlt und auch besser . « » Aber meine gnädigste Frau . « » Und dafür wollte ich Ihnen danken . Ich habe mir eben ein Fläschchen mit Sal volatile gekauft ; im Coupé sind mitunter so merkwürdige Menschen und wollen einem nicht mal erlauben , daß man ein Fenster aufmacht ; und wenn mir dann vielleicht - denn es steigt einem ja ordentlich zu Kopf , ich meine das Salz - die Augen übergehen , dann will ich an Sie denken . Adieu , lieber Freund , und grüßen Sie Ihre Freundin , die Trippelli . Ich habe in den letzten Wochen öfter an sie gedacht und an Fürst Kotschukoff . Ein eigentümliches Verhältnis bleibt es doch . Aber ich kann mich hineinfinden ... Und lassen Sie einmal von sich hören . Oder ich werde schreiben . « Damit ging Effi . Gieshübler begleitete sie bis auf den Platz hinaus . Er war wie benommen , so sehr , daß er über manches Rätselhafte , was sie gesprochen , ganz hinwegsah . Effi ging wieder nach Haus . » Bringen Sie mir die Lampe , Johanna « , sagte sie , » aber in mein Schlafzimmer . Und dann eine Tasse Tee . Ich hab es so kalt und kann nicht warten , bis der Herr wieder da ist . « Beides kam . Effi saß schon an ihrem kleinen Schreibtisch , einen Briefbogen vor sich , die Feder in der Hand . » Bitte , Johanna , den Tee auf den Tisch da . « Als Johanna das Zimmer wieder verlassen hatte , schloß Effi sich ein , sah einen Augenblick in den Spiegel und setzte sich dann wieder . Und nun schrieb sie : » Ich reise morgen mit dem Schiff , und dies sind Abschiedszeilen . Innstetten erwartet mich in wenig Tagen zurück , aber ich komme nicht wieder ... Warum ich nicht wiederkomme , Sie wissen es ... Es wäre das beste gewesen , ich hätte dies Stück Erde nie gesehen . Ich beschwöre Sie , dies nicht als einen Vorwurf zu fassen ; alle Schuld ist bei mir . Blick ich auf Ihr Haus . .. Ihr Tun mag entschuldbar sein , nicht das meine . Meine Schuld ist sehr schwer . Aber vielleicht kann ich noch heraus . Daß wir hier abberufen wurden , ist mir wie ein Zeichen , daß ich noch zu Gnaden angenommen werden kann . Vergessen Sie das Geschehene , vergessen Sie mich . Ihre Effi . « Sie überflog die Zeilen noch einmal , am fremdesten war ihr das » Sie « ; aber auch das mußte sein ; es sollte ausdrücken , daß keine Brücke mehr da sei . Und nun schob sie die Zeilen in ein Couvert und ging auf ein Haus zu , zwischen dem Kirchhof und der Waldecke . Ein dünner Rauch stieg aus dem halb eingefallenen Schornstein . Da gab sie die Zeilen ab . Als sie wieder zurück war , war Innstetten schon da , und sie setzte sich zu ihm und erzählte ihm von Gieshübler und dem Sal volatile . Innstetten lachte . » Wo hast du nur dein Latein her , Effi ? « Das Schiff , ein leichtes Segelschiff ( die Dampfboote gingen nur sommers ) , fuhr um zwölf . Schon eine Viertelstunde vorher waren Effi und Innstetten an Bord ; auch Roswitha und Annie . Das Gepäck war größer , als es für einen auf so wenig Tage geplanten Ausflug geboten erschien . Innstetten sprach mit dem Kapitän : Effi , in einem Regenmantel und hellgrauen Reisehut , stand auf dem Hinterdeck , nahe am Steuer , und musterte von hier aus das Bollwerk und die hübsche Häuserreihe , die dem Zuge des Bollwerks folgte . Gerade der Landungsbrücke gegenüber lag Hoppensacks Hotel , ein drei Stock hohes Gebäude , von dessen Giebeldach eine gelbe Flagge , mit Kreuz und Krone darin , schlaff in der stillen , etwas nebeligen Luft herniederhing . Effi sah eine Weile nach der Flagge hinauf , ließ dann aber ihr Auge wieder abwärts gleiten und verweilte zuletzt auf einer Anzahl von Personen , die neugierig am Bollwerk umherstanden . In diesem Augenblicke wurde geläutet . Effi war ganz eigen zumut , das Schiff setzte sich langsam in Bewegung , und als sie die Landungsbrücke noch einmal musterte , sah sie , daß Crampas in vorderster Reihe stand . Sie erschrak bei seinem Anblick und freute sich doch auch . Er seinerseits , in seiner ganzen Haltung verändert , war sichtlich bewegt und grüßte ernst zu ihr hinüber , ein Gruß , den sie ebenso , aber doch zugleich in großer Freundlichkeit , erwiderte ; dabei lag etwas Bittendes in ihrem Auge . Dann ging sie rasch auf die Kajüte zu , wo sich Roswitha mit Annie schon eingerichtet hatte . Hier , in dem etwas stickigen Raume , blieb sie , bis man aus dem Fluß in die weite Bucht des Breitling eingefahren war ; da kam Innstetten und rief sie nach oben , daß sie sich an dem herrlichen Anblick erfreue , den die Landschaft gerade an dieser Stelle bot . Sie ging dann auch hinauf . Über dem Wasserspiegel hingen graue