- vielleicht um unsere Existenz - das verstehst Du nicht ... Das Ganze ist ja doch nur ein Hegemoniestreit - um das miserable Schleswig handelt es sich am wenigsten - aber der prächtige Kriegsrat hat deutlich gezeigt , wer den ersten Rang einnimmt und wer den Anderen Bedingungen vorschreiben darf ; die Nachkommen der kleinen brandenburger Kurfürsten oder diejenigen der langen römisch-deutschen Kaiser- Ich halte den Frieden für gesichert . Sollten aber die anderen dennoch fortfahren , sich unverschämt und arrogant zu gebärden und dadurch einen Krieg unvermeidlich machen , so ist uns der Sieg verbürgt und mit demselben ganz unberechenbare Gewinne ... Es wäre zu wünschen , daß es losginge - « » Nun ja , das wünschest Du auch , Vater - und mit Dir wahrscheinlich der ganze Kriegsrat ! So ist ' s mir lieber , wenn das aufrichtig gesagt wird ... Nur nicht diese Falschheit , dem Volke und den Friedliebenden zu versichern , daß all die Waffenanschaffungen und Heerverstärkungen und Militärkreditforderungen nur um des lieben Friedens willen geschehen . Wenn ihr schon die Zähne zeigt und die Fäuste ballt , so flüstert keine sanften Worte dazu - wenn ihr schon vor Ungeduld zittert , das Schwert zu schwingen , so macht doch nicht , als legtet ihr aus bloßer Vorsicht die Hand an den Knauf « ... So redete ich eine Weile mit bebender Stimme und steigendem Affekte fort - ohne daß mein verblüffter Vater ein Wort erwiderte - und brach schließlich in Thränen aus . Jetzt folgte eine Zeit der schwankenden Hoffnungen und Befürchtungen . Heute hieß es » der Friede gesichert « , morgen - » der Krieg unvermeidlich « . Die meisten Leute waren letzterer Ansicht . Nicht so sehr , weil die Verhältnisse auf die Notwendigkeit eines blutigen Austrages wiesen , als deshalb , weil , wenn das Wort » Krieg « einmal gefallen , wohl noch sehr lange hin und her debattiert werden kann , aber erfahrungsgemäß das Ende jedesmal Krieg ist . Das kleine , unscheinbare Ei , welches den » Casus belli « enthält , wird da so lange ausgebrütet bis das Ungetüm hervorkriecht . Täglich zeichnete ich in die roten Hefte die Phasen des schwebenden Streites auf und so wußte ich damals , und weiß noch heute , wie der verhängnisvolle » 66er Krieg sich vorbereitet hat und wie er ausgebrochen ist . Ohne diese Eintragungen wäre ich wohl über das betreffende Stück Geschichte in derselben Unkenntnis , in welcher die meisten , inmitten der Geschichtsabspielung lebenden Menschen sich befinden . Gewöhnlich weiß die große Mehrzahl der Bevölkerung nicht , warum und wie ein Krieg entsteht - man sieht ihn nur eine Zeit lang kommen - dann ist er da . Und wenn er da ist , so frägt man schon gar nicht mehr nach den kleinen Interessen und Meinungsverschiedenheiten , die ihn herbeigeführt , sondern ist nur noch mit den gewaltigen Ereignissen beschäftigt , die sein Fortgang mit sich bringt . Und ist er einmal vorüber , so erinnert man sich höchstens der dabei persönlich erlebten Schrecken und Verluste - beziehungsweise Gewinne und Triumphe - aber an die politischen Entstehungsgründe wird nicht mehr gedacht . In den verschiedenen Geschichtswerken , welche nach jedem Feldzuge unter Titeln wie » Der Krieg vom Jahre - historisch und strategisch dargestellt - « und dergleichen erscheinen , werden alle vergangenen Streitmotive und alle taktischen Bewegungen des betreffenden Feldzuges aufgezählt , und wer dafür Interesse hat , kann in der einschlägigen Litteratur sich Aufschluß holen ; - aber im Gedächtnis des Volkes lebt diese Geschichte gewiß nicht fort . Auch von den Gefühlen des Hasses und der Begeisterung , der Erbitterung und Siegeshoffnung , mit welchen die ganze Bevölkerung den Anfang des Krieges begrüßt - Gefühle , welche sich in dem Schlagwort äußern : » dieser Krieg ist sehr populär « , auch davon ist nach ein paar Jahren alles verwischt . Am 24. März erläßt Preußen ein Rundschreiben , worin es sich über die bedrohlichen österreichischen Rüstungen beklagt . - Warum rüsten wir denn nicht ab , wenn wir nicht bedrohen wollen ? - Wie sollen wir ? Es wird ja am 28. März preußischerseits verfügt , daß die Festungen in Schlesien und zwei Armeekorps in Bereitschaft gesetzt werden sollen ... 31. März . Gott sei Dank ! Österreich erklärt , daß sämtliche umlaufende Gerüchte über geheimes Rüsten falsch seien ; es falle ihm gar nicht ein , Preußen anzugreifen . Er stellt daher die Forderung , daß Preußen seine Kriegsbereitschafts-Maßnahmen einstelle . Preußen erwidert : Es denke gar nicht im entferntesten daran , Österreich anzugreifen , aber durch des letzteren Rüstungen sei es gezwungen , sich auf Angriff gefaßt zu machen . So wird der zweistimmige Wechselgesang unausgesetzt fortgeführt : Meine Rüstung ist die defensive , Deine Rüstung ist die offensive , Ich muß rüsten , weil du rüstest , Weil du rüstest , rüste ich , Also rüsten wir , Rüsten wir nur immer zu . Die Zeitungen geben die Orchesterbegleitung zu diesem Duo ab . Die Leitartikler schwelgen in sogenannter Konjekturalpolitik . Es wird geschürt , gehetzt , geprahlt , verleumdet . Geschichtswerke über den siebenjährigen Krieg werden veröffentlicht , mit der ausgesprochenen Tendenz , die einstige Feindschaft aufzufrischen . Indessen , der Notenwechsel dauert fort . Unterm 7. April leugnet Österreich nochmals offiziell seine Rüstungen , spielt aber auf eine mündliche Äußerung an , welche Bismarck gegen Károlyi gemacht hätte , » daß man sich über den Gasteiner Vertrag leicht hinwegsetzen werde . « - Also davon sollen die Völkerschicksale abhängen , was zwei Herren Diplomaten in mehr oder minder guter Laune über Verträge sprechen ? Und was sind das überhaupt für Verträge , deren Einhalten von dem guten Willen der Kontrahenten abhängig bleibt und durch keine höhere schiedsrichterliche Gewalt gesichert wird ? Auf diese Note antwortet Preußen unterm 15. April , daß die Anschuldigung unwahr sei ; es müsse aber dabei beharren , daß Österreich wirklich an den Grenzen gerüstet habe ; dadurch sei die