Träume einander jagten . Als er vollends wieder erwachte , stand der Mond schon hoch am Himmel , kaum daß noch ein Strahl ins Zimmer fiel . Doch Garten und Hof lagen gebadet in seinem Lichte . » Seltsam - mir ist doch , als hab ' ich den Vater nicht wiederkommen hören , « sagte er vor sich hin . Er richtete sich auf und sah nach der Taschenuhr , die über seinem Bette hing . Acht Minuten bis eins ! ... Zwei Stunden waren inzwischen verflossen . » Ich werde wohl fest geschlafen haben , « dachte er und wollte sich wieder aufs Ohr legen , da schlug , vom Sturm geschüttelt , die Haustür klirrend ins Schloß , so daß das ganze Haus in seinen Fugen erbebte . Erschrocken fuhr er empor ... » Was ist das ? ... die Haustür offen ... der Vater noch nicht zurück ? « Im nächsten Augenblick hatte er Rock und Beinkleid übergeworfen , und barfuß , barhäuptig stürzte er hinaus ... Die Tür , die von des Vaters Schlafzimmer nach dem Hausflur führte , stand weit geöffnet . - Bleich vor Angst trat er an das Bett ... Es lag unberührt , nur zu Fußenden war in der bauschigen Bettdecke eine Lücke eingedrückt . - Da also hatte der Vater gesessen , ohne ein Glied zu rühren , länger als anderthalb Stunden - augenscheinlich , um zu warten , bis er selber im Schlafe liege . Was um des Himmels willen bedeutet das alles ? - Suchend irrte sein Blick im Zimmer umher ... Dort im Winkel lagen umhergeworfen die wollenen Schuhe , in denen der Vater sonst den ganzen Tag über umherschlürfte , aber die Stiefel , die seit Monaten ungebraucht dort standen - die waren fort ... Wie - wollte der lahme Vater zur Nachtzeit auf die Wanderschaft ? Sein Herz drohte stille zu stehen ... Er stürzte auf den Hof hinaus . Taghell lag er vor seinen Blicken , nur so weit der Schatten der Scheune reichte , herrschte Nacht ... Der Sturm brauste in den Bäumen - der Sand wirbelte leuchtend empor , sonst alles still , alles leer ... Er durcheilte den Garten - keine Spur - hinter dem Stall - keine Spur ... Was ist das ? Das Haustor offen ? - Wo ist er hin ? ... An seiner Seite winselte der Hund ihm entgegen - rasch befreite er ihn . - » Such den Herrn , Turk , den Herrn ! « Der Hund schnüffelte am Boden entlang und rannte nach dem Giebelende der Scheune , dorthin , wo die Strohhaufen lagen , die sich wie fahle Sandberge rings um die Mauern auftürmten ... Blendend lag das Mondenlicht auf der weißen Tünche der Wand und schillerte auf dem hellgelben Boden ... Man hätte eine Stecknadel finden können ... Nichts war zu bemerken , nur an einer Stelle schien das Stroh zerwühlt ... Aber halt ! - Wie kommt die Leiter hierher , die an der Wand lehnt ? Die Leiter , die noch vor zwei Stunden an der Innenseite des Zaunes platt auf dem Boden gelegen ? Wer hat sie von ihrem Platz genommen ? Und - beim Himmel , was ist das ? - - - - - Wer hat die Luke des Giebels geöffnet ? Die Luke , die er selbst von innen verriegelt hat , ehe die Garben das Fachwerk füllten ? - - - Unten am Fuße der Leiter schimmerte der Boden feucht , als habe man eine Flüssigkeit verschüttet ... Ein Dunst von Petroleum stieg aus der Lache empor . Mit zitternden Händen griff er in die Halme hinein , die den Boden bedeckten . Ja , sie waren naß , und der üble Geruch teilte sich den Fingern mit , die sie berührt hatten . Er fühlte seine Knie wanken , eine dumpfe , fürchterliche Ahnung umnebelte seine Sinne - mit Mühe raffte er sich auf und stieg die Leiter hinan , bis er die Luke erreicht hatte . Unten winselte der Hund ... » Such den Herrn , Turk , den Herrn ! « Das Tier brach in freudiges Heulen aus und rannte schnüffelnd im Kreise umher , bis es die Fährte gefunden zu haben schien . Paul starrte ihm nach . Sein Leib zitterte fiebrisch in qualvoller Erwartung . Zum Hoftor ging des Tieres Weg . - Also wirklich ! Der Vater war ' s gewesen , der es geöffnet hatte ! Aber dann - dann ! Wohin wird er sich wenden ? » Such den Herrn , Turk , den Herrn ! « Der Hund heulte noch einmal kurz auf und rannte dann spornstreichs auf dem Weg nach - Helenental von dannen . Nach Helenental - was will der Vater in Helenental ? Ja , hat er nicht jüngst davon gesprochen , er sei nachmittags dort gewesen , » probeweise , « wie er sagte . - Probeweise ! - Und wie seltsam , wie unheimlich er dazu gelacht . Und heute noch - wie rätselhaft war sein Gebaren ! Und als vom Scheunenbrande die Rede war , was wollten da seine Worte , daß es sich prächtig träfe heute ? - warum gerade heute ? Nun gilt ' s des Rätsels Lösung zu finden , eh ' s zu spät ist ! Hilfesuchend starrte er um sich . Seine Hand tastete unwillkürlich in das Dunkel der Lukenöffnung hinein und ergriff - den Henkel einer Blechkanne , die dort versteckt unter den Garben stand ... Es war der Petroleumbehälter , den er gestern frisch hatte füllen lassen . Und auf wessen Rat ? Wer war gekommen und hatte gesagt - - - ? » Vater , Vater , um Jesu willen , was willst du in Helenental ? « Und jetzt - wieviel ist noch drinnen ? Kaum halb voll ist sie , kaum halb voll ! Und wie er sinnlos um sich weiter tastete , fand er Pakete mit Streichhölzern , die