aus der Stadt erhalten sollte , traf ein und lautete sehr unbefriedigend . Die Frau Baronin ließ sagen , noch könne ihm die Erlaubnis , seine Schwester zu besuchen , nicht erteilt werden ; aus welchem Grunde , solle er später erfahren und sich vorläufig in Geduld fassen . Bald darauf kam ein Brief von Milada , in welchem sie Pavel bat , sein Kommen aufzuschieben . Auf das liebreichste dankte sie im vorhinein für die Erfüllung ihrer Bitte , vertröstete ihn auf das Frühjahr , versicherte , daß es ihr von Tag zu Tag besser gehe , und schloß mit der Kunde , daß ihre Einkleidung , auf welche sie sich unaussprechlich freue , im Mai stattfinden werde . So mußte Pavel sich bescheiden und tat es : doch wurde es ihm nicht leicht . Jede Woche wenigstens einmal ging er ins Schloß und fragte : » Ist die Frau Baronin zurückgekommen ? « und erhielt immer zur Antwort : » Nein . « - » Hat sie auch nicht geschrieben ? « - » Das wohl - um Anordnungen zu treffen , die auf eine neue Verzögerung ihrer Rückkehr schließen lassen . « Mit der Heirat Slavas , die ihr pflichtgemäß angezeigt worden , hatte sie sich einverstanden erklärt , dem Mädchen die erbetene Entlassung und ein Geschenk gegeben , das nicht nur hinreichte , um die Kosten der Hochzeit zu bestreiten , sondern auch , um ein rundes Sümmchen für die Wirtschaft zu erübrigen . Dies alles , weil Slava , obwohl von früher Jugend an verwaist und auf eigenen Füßen stehend , sich stets brav geführt und nun unbescholten an den Altar treten konnte . Am dritten Sonnabend nach Ostern fand die Trauung statt . Pavel fungierte als Brautführer . Er hatte sich schwer dazu entschlossen , tat es aber dann in guter Haltung und mit Stolz auf seinen über sich selbst errungenen Sieg . Anton der Schmied vertrat die Stelle des Brautvaters , Vinska die der Brautmutter . Sie war trotz des großen Witwentuches , das sie sich über den Kopf gezogen hatte , schöner als die Braut selbst . Der Herr Pfarrer sprach die Traurede mit ganz ungewöhnlicher Wärme , beehrte auch die Neuvermählten mit seiner Gegenwart beim Festessen im Wirtshause . Der Doktor , der Verwalter , der Förster , der Bürgermeister und einige große Bauern kamen , ihren Glückwunsch zu bringen und den Dank des jungen Paares für die ihm ins Haus geschickten Geschenke zu empfangen . Alles ging ohne unanständigen Lärm , einfach , aber » urnobel « zu . Nach dem Essen wurde getanzt , und nun ereignete sich das Erstaunliche . Virgil , der seit Jahren nur noch schleichen konnte , führte mit einer ungefähr im gleichen Alter wie er stehenden Magd eine Redowatschka an . - Als die Musik auf sein Geheiß die Weise des längst aus der Mode gekommenen Tanzes angestimmt , hatten sich die Gesichter aller anwesenden alten Leute erheitert . Die Männer standen auf , jeder winkte der » Seinigen « , sie legten die schwieligen Hände ineinander und schwenkten sich im Tanze hinter dem Hirten und seiner grauen Partnerin . Einmal wieder kamen sie in freundlicher Eintracht zusammen , die alten Paare , die vielleicht längst nichts mehr kannten als Hader oder Gleichgültigkeit . Da spielte ein verschämtes Lächeln um manchen welken Frauenmund , da blitzte es unternehmend aus manchem trüben Männerauge . Bei der lieben Redowa erinnerten sie sich der Tage , in denen sie jung gewesen waren und einander sehr gut , und tanzten sie unter dem Applaus ihrer Kinder und Enkel durch bis ans Ende . Manches hübsche Mädchen hatte Pavel schon angeblinzelt und gefragt : » Was ist ' s mit dir ? Kannst nicht tanzen ? « » Weiß nicht « , gab er zur Antwort , » hab ' s noch nie probiert . « » So probier ' s jetzt . « Aber das wollte er nicht , um nichts in der Welt sich da lächerlich machen vor einer so großen Versammlung ; er blieb dabei und widerstand sogar den Bitten Slavas , die durchaus wenigstens einmal mit ihm getanzt haben wollte an ihrem Ehrentage . Dem Beispiel , das er im Entsagen gab , folgte die Vinska . Sie drohte sogar , das Fest zu verlassen , als der stürmischste ihrer Freier sie zwingen wollte , mit ihm in den Reigen zu treten Pavel und sie wechselten hie und da ein Wort ; von seiner Seite , wenn nicht in Freundschaft , so doch in Frieden , von der ihren in tiefem Dank dafür , daß er mehr als verziehen daß er vergessen hatte . So war es auch ; mit der Liebe zu ihr war die Erinnerung an das Leid erloschen , das er durch sie erfahren . Und wenn es ihm gelungen , sagte er sich , diese erste Liebe , die im Kern seines Daseins gewurzelt hatte , mit ihm gewachsen und stark geworden war , zu besiegen , sollte es ihm nicht ein Leichtes sein , der zweiten , über Nacht an seinem Lebensbaum erblühten Herr zu werden ? - Ein paar schmerzliche Regungen galt es noch zu überwinden , und er war ein freier Mensch - für immer , so Gott will , einsam und frei . Daß er sich in dieser Freiheit wohlfühle , dazu trug heute alles bei . Der Tag war nicht nur für Arnost und Slava , er war auch für ihn ein Ehrentag . Zum ersten Male stand Pavel auf gleich und gleich mit den Besten , die er kannte , unter einem Dach . Angesehene Bauern grüßten ihn , der Förster sprach lange mit ihm in fast väterlicher Güte , der Herr Pfarrer holte seine Meinung in einer landwirtschaftlichen Frage ein , der Schmied wollte durchaus die Geschichte von der Maschine öffentlich erzählen und ließ sich nur aus Rücksicht für Vinska davon abhalten . Arnost beteuerte ihm laut und begeistert seine Dankbarkeit und ewige Freundschaft