Groll loswerden kann . Er ließ den halb asiatisch aussehenden und auch einen so klingenden angenommenen Deutschdialekt sprechenden Louis gewähren , der auch bis zur Mittagstunde schwatzend dablieb , nach allem fragte , die kommenden und gehenden Geschäftspersonen betrachtete und abwechselnd Salanders Glück pries . Und als dieser aufbrach , um nach Haus und zu Tisch zu gehen , ging er Wohlwends Gesellschaft nicht aus dem Wege , der ihn ein Stück begleiten wollte . Sie kamen bei einem Gasthofe an , in welchem Herr Louis Wohlwend wohnte . Er blieb an der Pforte stehen und hielt Salander fest . » Tu mir den Gefallen und geh nur einen Augenblick mit herein ! Ich möchte dir gar zu gern meine Familie , Frau und Buben und die Schwägerin vorstellen ! « » Aber das kann ja leicht ein andermal geschehen ! Jetzt erwartet man mich zum Essen ! « entschuldigte sich Salander . » Versteh ! « drängte Wohlwend , » ich möchte morgen früh mit ihnen auf den Rigi , um sie ein Stück von unserer Herrlichkeit sehen zu lassen ! Und es kann noch anderes dazwischen kommen ! Nur ein Augenblickchen ! « Salander ließ sich , um das Unvermeidliche abzukürzen , die Treppe hinaufdrängen und sah sich in einem Salonzimmer zwei stattlichen Frauenzimmern gegenüber , deren Schönheit verschieden , aber gleich fremdartig erschien , ebenso wie ihre Haltung und Reisetracht . » Dies ist nun mein alter Freund Martin Salander ! « verkündete er ihnen , und zu letzterem gewandt : » Dies ist meine Frau Alexandra Wohlwend , geborne Glawicz ! Dies ihre Schwester , Fräulein Myrrha Glawicz , und dies sind meine Knaben Georg und Louis ! « Salander bot ihnen allen , die ihn mit etwas linkischer Respekterweisung begrüßten , die Hand und sprach einiges zu ihnen über die Reise , die sie gemacht , und dergleichen . In der Zeit war Louis Wohlwend hinausgeschlüpft und kam wieder herein . » So , alter Freund ! Du erweisest uns die Ehre , mir uns zu essen ! Ich habe den Lohndiener in dein Haus gesandt mit dem Bericht , du seiest bei uns und gut aufgehoben ! « » Aber , guter Freund , das geht doch nicht wohl an ! « meinte der sich sträubende Salander . Doch half es ihm nichts , und er ließ sich zwingen . Es dauerte eine Viertelstunde , bis es zur Tafel schellte , und das Gespräch war nicht eben fließend , besonders wenn Wohlwend nicht schwatzte . Aber es wurde Salandern nicht langweilig , da er die fremden Leute unbefangen betrachtete . Als es endlich zu Tisch ging , bekam er die Schwester der Frau Wohlwend zu führen und mußte auch neben sie sitzen . » Nimm dich in acht ! « sagte Louis Wohlwend scherzend , » es fließt wahrscheinlich hellenisches Blut in ihren Adern . Mein seliger Herr Schwiegerpapa hat ihre selige Mama vom Schwarzen Meere herübergeholt und deren Vorfahren sollen aus Thessalien dorthin gekommen sein . « Martin blickte die stille Nachbarin von der Seite an , die ihm jetzt ganz nahe war . Er sah ein paar leuchtende Augen , die sich ihm wie in gleichgültiger Trauer zuwendeten , aus dem dunklen Haarknoten eine tadellose Stirn- und Nasenlinie sich niedersenken und unter dem schwellenden Munde das schönste Kinn sich runden , alles wie nach dem Rezept für altgriechische Frauenköpfe . Salander fühlte ein prickelndes Behagen neben der seltenen Gestalt , und als Wohlwend Champagner kommen ließ und er ein paar Gläser genossen hatte , war es ihm , wie wenn er einen neuen Weltteil oder ein neues Prinzip entdeckt , kurz , das Ei des Kolumbus gefunden hätte . Die an der Tafel gewesenen Fremden hatten alle schon den Speisesaal verlassen , nicht ohne daß die meisten unter ihnen im Vorbeigehen einen Blick auf die neben Martin sitzende Schönheit warfen . Jetzt kam auch ein Kellner und anerbot der noch beim Champagner sitzenden Herrschaft , den Apparat in das Nebengemach zu tragen , da in diesem Saale in zwei Stunden wieder gespeist und der Tisch neu gedeckt werden müsse . Zugleich hob er die Flasche aus dem Kühleimer und beschaute sie , die aber leer war . Durch diese Schnödigkeit , der Flasche sowohl , wie des Kellners , wurde Martin Salander aus einem traumartigen Zustande geweckt . Er stand auf und lehnte Wohlwends dringenden Antrag , dem Vorschlage des Kellners zu folgen , entschieden ab . » Nun , alter Freund ! « sagte Louis Wohlwend , » also auf ein anderes Mal ! Ich hoffe , wir werden uns wieder verstehen lernen ! Die Freundschaft ist keines der schlechteren Ideale , insonders wenn sie alt ist , wie guter Wein ! « Salander , der wieder ganz wachgeworden , fand zwar den Vergleich nicht zutreffend , da sehr alte Weine heutzutage nicht mehr so hochgeschätzt werden wie früher . Jedoch unterdrückte er diese Bemerkung und eilte , sich im Kreise herum von den dastehenden Personen zu verabschieden . Die letzte war Fräulein Myrrha Glawicz mit dem griechischen Blut und stand hinter ihm ; er suchte sie an der unrechten Stelle , so daß er sich in einiger Verwirrung um sich selbst drehte und beinahe ausglitt , eh er der schweigsamen Dame die Hand reichen und endlich abziehen konnte . » Es dünkte mich wie das Schweigen des blauen Himmels dort im alten Hellas ! « sagte er bei sich selbst , mit beschwingtem Gange die Straßen entlangschreitend . » Es ist doch , bei Gott ! eine schöne Sache um das Schöne , das klassisch Schöne ! « Dabei schlug er unbewußt ein Schnippchen in die Luft ; ein oder zwei Vorübergehende sahen ihm verwundert nach . » Was ist denn das für ein Fremdenbesuch , mit dem du im Gasthof gegessen hast ? « fragte seine Gattin Marie , bei der er für ein Stündchen vorsprach . » Hat man dir ' s nicht gesagt ? « fragte Martin