« » Tu ' s. « » Pfui ! « » Hast recht . Ich gspür ja selber , daß ich kein Ehr im Leib hab , sonst stünd ich nit da , wo mer mich nit mag , und bettelt um ein Fußtritt . ' s einzig Männische , was ich noch an mir hab , worauf ich acht , weil mir ' s Nichtachten so a schwer Lehrgeld kost , ' s Worthalten , verbiet mir eben , daß ich dir verspräch , ich tät nach deinm Willn . Ein Wochen etwa vermöcht ich mich fernzhalten , in der nächsten schon zwinget ' s mich wieder da her , in deiner Näh hrumziungern und z ' lauern . Jesses und Josef ! ich weiß mich nit aus ! « Die alte Zinshofer drückte die Schürze vors Gesicht und schlich durch die Hintertüre aus der Stube . Helene hatte die Augen gesenkt , nun blickte sie auf . » Was bezweckst denn mit deinm Raunzen ? « » Bezwecken ? « Er lachte schmerzlich auf . » Frag ' n gschlagenen Hund , warum er heult . Weil ihm weh is . O du mein Gott , wann mer sich nur damal besser miteinand verstanden hätten . Ich stünd hitzt großjährig und frei da ; - hättst nur du auf mich gwart ! « » Leicht gäbst du gar noch mir a Schuld ? ! Narr du , sollt ich mich af Jahr hnaus alln Anfeindungen von Groß- und Kleinbauern aussetzen und warten , die gwisse Schand vor ' n Augen , afs Ungwisse ? Bist denn du nit von mir grennt wie der ertappte Dieb vom Rübnfeld , und wie der sein Sack , hast mich dahinter lassen ? « » Du brauchst mir ' s nit vorzurupfen ! Hätt ich damal getan , wie recht gwesen , so blieb mir hitzt , nach drei Jahrn in der Fern und im zweiten daheim , ' s Einsehen erspart , daß ich verspielt hätt , was mir allein taugt . « » So laß verspielt auch für verloren gelten , trag , was auf dich zu liegen kommt , und sinn nit , das Unglück , was dich mit deiner Bäurin betroffen , durch anderer Leut Schaden auszgleichen . Mir mut wenigstens nit zu , weil dir d ' Weibernarrischkeit einschießt , daß ich dir die Narrin dazu abgäb . Und hitzt wär gnug gredt über so ' n Unsinn ! « » Leni , ein Wort noch ! Nit oft , noch auffällig , nur zeit- und randweis verlaub mir ' s Herkommen , ich will ja auch ' m Kind nachschaun - « » ' m Kind ? Das geht dich doch gar nichts an und mich nur soweit , daß ' s sein Leben bhalt und sein Pfleg hat , ' s is af eins andern Duldung angwiesen , einer ledigen Dirn Kind und hat kein Vadern . « » Wer weiß , was d ' Zeit bringt ! Es könnt ' n ja noch kriegn - « » Dir is wohl ' s Geblüt in Kopf gstiegen ? « » Nein , Leni , nein , ich red nit unüberlegt . Wie lang kann ' s denn mit meiner Bäuerin währen ? Vielleicht nimmt s ' unser Herrgott bald zu ihm , wär ja auch ' s beste für sie , denn heil und nütz wird s ' doch nimmer . « » Schon deinm Reden nach wär der arme Hascher wohl besser im Himmel aufghoben . Aber ob sie fortlebt oder wegstirbt , das hat kein Bezug ; ich hab kein Anlaß , meinm Mon ' n Tod z ' wünschen , der is nit siech und steht in dein ' n Jahrn . « » Er lebt auch nit ewig . « » Toni ! - Unser Herrgott verzeih dir die Sünd und mir , daß ich solchs anhör ! « Toni hielt sie an der Hand zurück . » Er muß ' s , Leni , er kann gar nit anders ; sonst ließ er mich meiner Gedanken Herr werdn , sonst ließ er mich an deinm Trutz vertrutzen , sonst ließ er ' s nit zu , daß ich dir nachtracht , als wärn wir die zwei alleinigen Leut af der Welt und uns bstimmt ! Und wär ' s a Sünd , Leni , dir könnt er nit an ! Ich nimm alle af mich - für dich nähm ich jede Sünd af mich - für dich , was a himmelschreiende wär ! - für dich - Leni - « Sie stieß ihn kräftig von sich und eilte hinaus . Als die alte Zinshofer den Kopf zur rückwärtigen Türe hereinsteckte , lehnte der Bauer an einem Pfosten der vorderen , beide Handflächen an die Stirne gepreßt . Der Mond schien in die Schlafstube des Holzschnitzers . Helene ruhte und träumte . Es war ein verworrenes Träumen . - - Sie stand in der Stube ihrer Mutter vor der blanken Spiegelscherbe , die dort im Fensterwinkel lehnte , sie hatte das stillvergnügte Gefühl einer frohen Erwartung , das kleine Gemach war gedrängt voll von Leuten , unter denen ihr welche , die sie täglich sah , wie fremd vorkamen und andere , die sie sich nie gesehen zu haben erinnerte , wie längst bekannt ; zu dem Fenster guckten der Muckerl und die alte Kleebinderin herein und schlugen wundernd die Hände zusammen , und hinter ihr stand Toni und zupfte sie an den Zöpfen und kitzelte sie unter den Armen und fragte : Bist bald fertig ? Und sie schrie ungehalten , aber doch lachend : Gleich , gleich ! Dann lief sie an den Leuten vorüber - die eine Gasse bildeten - unmittelbar in den Flur des Sternsteinhofes und die Treppe hinauf . In den schönen Stuben standen alle Schränke offen , nicht nur die mit Leinen- und Gewandzeug , auch der Silberschrank , aus dem es funkelte und leuchtete