aus dunkelblauer Finsternis zu blumendurchwogter Klarheit ; ich träumte nie von Anna , aber ich küßte Baumblätter , Blumen und die lautere Luft und wurde überall wiedergeküßt ; fremde Frauen gingen über den Kirchhof und wateten durch den Fluß mit silberglänzenden Füßen ; die eine trug Annas schwarzes Gewand , die andere ihr blaues , die dritte ihr grünes mit den roten Blümchen , die vierte ihre Halskrause , und wenn mich dies ängstigte und ich ihnen nachlief und darüber erwachte , war es , als ob die wirkliche Anna von meinem Lager soeben und leibhaftig wegschliche , daß ich verwirrt und betäubt auffuhr und sie laut beim Namen rief , bis mich die stille Glanznacht , welche im Tale lag , zu mir selbst brachte und in neue Träume hüllte . So ging es in den hellen Morgen hinein , und beim Erwachen war ich wie von einem heißen Quell der Glückseligkeit durchtränkt und berauscht . Ich ging , noch immer trunken und träumend , unter meine Verwandten und fand in der Wohnstube den benachbarten Müller vor , welcher mit einem leichten Fuhrwerke meiner harrte , um mich mit nach der Stadt zu nehmen . Meine Rückkehr war nämlich , seit einiger Zeit bestimmt , an die Geschäftsreise dieses Mannes geknüpft und verabredet worden , da das Fahren mit ihm einige Bequemlichkeit bot . Ich fragte nach dieser ohnehin nicht viel , der Müller erschien zudem unerwartet und früher , als man geglaubt , mein Oheim und seine Sippschaft forderten mich auf , ihn fahren zu lassen und zu bleiben , in meinem Herzen schrie es nach Anna und nach dem stillen See - aber ich versicherte ernsthaft , daß meine Verhältnisse geböten , diese Gelegenheit zu benutzen , frühstückte eilig , nahm meine Sachen zusammen und von den Verwandten Abschied und setzte mich mit dem Müller auf das Wägelchen , welches ohne Aufenthalt zum Dorfe hinaus- und bald auf der Landstraße dahinrollte . Dies alles tat ich in der Verwirrung , zum Teil weil ich wähnte , man würde mir auf der Stelle ansehen , daß ich wegen Anna bliebe und daß ich sie wirklich liebe , und endlich auch aus unerklärlicher Laune . Sobald ich hundert Schritte vom Dorfe entfernt war , bereute ich meine Abreise ; ich wäre gern vom Wagen gesprungen , drehte den Kopf immerwährend zurück nach den Höhen , welche um den See lagen , und schaute sie an , ohne zu gewahren , wie sie unter meinen Augen blau und klein wurden und das Hochgebirge aus größern und tiefern Seen emporstieg . Ich konnte mich in den ersten Tagen meiner Rückkehr kaum zurechtfinden . Im Angesichte der großartigen Landschaft , welche die Stadt umgibt , schwebte mir nun die verlassene Gegend wie ein Paradies vor , und ich fühlte erst jetzt jeden Reiz ihrer einfachen und anspruchlosen , aber so ruhigen und lieblichen Bestandteile . Wenn ich auf der höchsten Höhe über unserer Stadt in das Land hinaussah , so war mir der kleine versteckte Strich blauen Fernegebietes , wo das Dorf und nicht weit davon des Schulmeisters See zu vermuten waren , die schönste Stelle des Gesichtskreises , die Luft wehte reiner und glücklicher von dorther , der mir unsichtbare Aufenthalt Annas in jener entlegenen bläulichen Dämmerung wirkte magnetisch über alles dazwischenliegende Land her ; ja wenn ich , in der Tiefe gehend , jenen glücklichen Horizont nicht sah , so suchte und fühlte ich doch die Himmelsgegend und sah mit Heimweh und Sehnsucht das dorthin gehende Stück Himmel von näheren Bergen begrenzt . Indessen erneuerte sich die Frage über meine Berufswahl und machte sich täglich dringender geltend , da man mich nicht länger müßig und planlos sehen konnte . Ich war einmal an den Türen des Fabrikgebäudes vorbeigestrichen , wo der eine Gönner hauste . Ein häßlicher Säuregeruch drang mir in die Nase , und bleiche Kinder arbeiteten innerhalb und lachten mit rohen Grimassen . Ich verwarf die Hoffnungen , die sich hier darboten , und zog es vor , lieber ganz von solchen halbkünstlerischen Ansprüchen fernzubleiben und mich dem Schreibertume entschieden in die Arme zu werfen , wenn einmal entsagt werden müsse , und ich gab mich diesem Gedanken schon geduldig hin . Denn nicht die mindeste Aussicht tat sich auf , bei irgendeinem guten Künstler untergebracht zu werden . Da gewahrte ich eines Tages , wie eine Menge der gebildeten Leute der Stadt in einem öffentlichen Gebäude aus und ein gingen . Ich erkundigte mich nach der Ursache und erfuhr , daß in dem Hause eine Kunstausstellung stattfinde , welche durch die Städte zirkuliere . Da ich sah , daß nur feingekleidete Leute hineingingen , lief ich nach Hause , putzte mich ebenfalls möglichst heraus , als ob es in die Kirche ginge , und wagte mich alsbald in die geheimnisvollen Räume . Ich trat in einen hellen Saal , in welchem es von allen Wänden und von großen Gerüsten in frischen Farben und Gold erglänzte . Der erste Eindruck war ganz traumhaft ; große klare Landschaften tauchten von allen Seiten , ohne daß ich sie vorerst einzeln besah , auf und schwammen vor meinen Blicken mit zauberhaften Lüften und Baumwipfeln ; Abendröten brannten , Kinderköpfe , liebliche Studien guckten dazwischen hervor , und alles entschwand wieder vor neuen Gebilden , so daß ich mich ernstlich umsehen mußte , wo denn dieser herrliche Lindenhain oder jenes mächtige Gebirge hingekommen seien , die ich im Augenblicke noch zu sehen geglaubt ? Dazu verbreiteten die frischen Firnisse der Bilder einen sonntäglichen Duft , der mir angenehmer dünkte als der Weihrauch einer katholischen Kirche . Es wurde mir kaum möglich , endlich vor einem Werke stillzustehen , und als dies geschah , da vergaß ich mich vor demselben und kam nicht mehr weg . Einige große Bilder der Genfer Schule , mächtige Baum-und Wolkenmassen in mir unbegreiflichem Schmelze gemalt , waren die Zierden der Ausstellung ; eine Menge Genrebildchen und Aquarellen reizten dazwischen als leichtes Plänklervolk , und ein paar Historien