und keine steinfunkelnde Krone blendete meine scheuen Augen - ich sah wundervolle , dicke , braune Locken ein zartrosiges Gesicht umwogen , und ein Paar glänzende Augen , so blau wie meine Lieblinge , die Heideschmetterlinge , lächelten auf mich nieder . Ich wußte , daß die Prinzessin nicht mehr jung sein konnte , sie war ja die Tante des regierenden Herzogs und eine Jugendgenossin meiner Mutter , und deshalb meinte ich , die hohe , schlanke Dame mit dem samtenen Teint und den jugendlich weichen Linien des Profils sei gar nicht die Prinzessin Margarete . Mein Vater belehrte mich eines anderen . » Hoheit überzeugen sich nun selbst , wie recht ich hatte , unumschränkte Nachsicht zu erbitten , « sagte er - ein verhaltenes Lachen klang in seiner Stimme mit ; » mein schüchternes Gänseblümchen hängt ratlos den Kopf - « » Das wollen wir bald ändern , « versetzte die Prinzessin lächelnd . » Ich verstehe mich auf den Verkehr mit solchen kleinen ängstlichen Mädchen ... Gehen Sie jetzt , lieber Doktor , der Herzog erwartet Sie . Auf Wiedersehen beim Thee ! « Mein Vater verließ das Zimmer , und ich stand nun , auf mich selbst angewiesen , inmitten der verfänglichen Atmosphäre des Hofes , auf seinem heißen Boden . Jetzt sah ich auch , daß die Prinzessin nicht allein war . Um einige Schritte hinter ihr stand ein hübsches junges Mädchen - die Prinzessin nannte vorstellend unsere Namen , und so erfuhr ich , daß die Dame ein Hoffräulein sei und Konstanze von Wildenspring heiße . Ehe ich mich dessen versah , hatten mir die flinken Hände des Hoffräuleins Hut und Mantille abgenommen , und ich saß der Prinzessin gegenüber , während sich die junge Dame in der Nähe hinter einem Fenstervorhang niederließ und eine Stickerei aufnahm . Wie prächtig verstand es die fürstliche Frau , die Seele » des kleinen ängstlichen Mädchens « aus dem Bann der Verzagtheit zu erlösen ! Sie erzählte mir von dem öfteren Zusammensein mit meiner Mutter an dem engbefreundeten L.schen Hofe , was das für eine glückliche , lustige Zeit gewesen sei , wie viel Talent und Wissen meine Mutter besessen , und was für wunderhübsche Verse sie gemacht habe . Dabei zeigte sie mir ein in roten Maroquin gebundenes , dickes Buch - es enthielt Gedichte und ein Drama der Verstorbenen und war kurz vor ihrem Tode erschienen . Manchem anderen jungen Mädchen in meiner Lage würde es vielleicht als ein großes Glück gegolten haben , bei seinem ersten Auftreten am Hofe solch einen günstigen Hintergrund zu finden - ich empfand nichts dergleichen - mit einer Art von schmerzlicher Scheu sah ich auf das Buch ; die Gebilde da drin waren ja schuld , daß meiner ersten Kindheit das Sonnenlicht der mütterlichen Liebe gefehlt hatte . Während die Dichterin in den lichten , luftigen Vorderzimmern die Gestalten ihrer Phantasie liebevoll gehegt und gepflegt , hatte die Seele ihres Kindes zwischen vier dumpfen Wänden hungern und darben müssen . Vielleicht kam der Prinzessin eine Ahnung von diesem Vorgang in meinem Innern . - Ich hatte ihr ja gesagt , daß ich mich mit dem besten Willen auf das Gesicht meiner Mutter nicht besinnen könne . Unbemerkt lenkte sie das Gespräch auf meinen eigenen Lebensgang - da vergaß ich den letzten Rest von Befangenheit . Ich erzählte und ließ Heinz und Ilse und Mieke und die lustig schreienden Elstern im Eichenwipfel wohlgemut durch das gefeite Prinzessinnenzimmer spazieren ; auch die alte , einsame Föhre rasselte mit ihren Nadeln darein , und aus dem Torfsumpf stiegen die Wassergeister und schleppten die weißen Gewänder mit schwernassem Saum über die nachtstille Heide . Ich ließ auch den Schneesturm um das ächzende Dach des Dierkhofs brausen und saß neben Heinz auf der Ofenbank , während die bratenden Aepfel in der Röhre zischten und spritzten ... Manchmal fuhr das hübsche Hoffräuleingesicht wie erschrocken unter der Gardine hervor und starrte mich mit spöttischem Erstaunen an ; allein das beirrte mich nicht - die großen Augen der Prinzessin strahlten ja immer heller auf und ruhten voll Innigkeit auf mir , sie hörte genau so aufmerksam , ich möchte sagen , atemlos zu , wie Heinz und Ilse , wenn ich auf dem Fleet die Märchenwunder vorlas . Und von den Eidechsen , den Bienen und Ameisen erzählte ich - sie waren ja meine Spielgefährten gewesen , und ich kannte ihren Haushalt , ihr ganzes Thun und Treiben so vollkommen , wie die Hausordnung auf dem Dierkhof . Ich gestand , daß ich alle Tiere , selbst die kleinsten und häßlichsten , lieb gehabt , weil ja Odem in ihnen gewesen und mit dem schwachen Geräusch ihrer Stimmen und Bewegungen ein Hauch vom Leben durch die tiefe Heideeinsamkeit gegangen sei ... Ich weiß nicht mehr , wie es kam , aber plötzlich reihte sich auch das große Hünenbett meiner Schilderung an - ich saß auf seinem Rücken , zwischen den gelben Ginsterblüten , und sang , die Arme um die Kniee gelegt , in die unermeßliche Weite hinaus . Die Prinzessin griff auf einmal nach meinen Händen , zog mich zu sich hinüber und küßte mich auf die Stirne . » Ich möchte wohl wissen , wie die einsame Mädchenstimme in der Heide geklungen hat , « sagte sie . Wohl schauerte ich in mich zusammen vor Schreck und Scheu bei dem Gedanken , daß meine Stimme an diese vier Wände schlagen sollte ; aber es war auch eine Art von Verzauberung über mich gekommen - hatte ich mich doch schon überwunden und einen Teil meines Kinderlebens ausgekramt . Ich nahm all meinen Mut zusammen und sang ein kleines Lied . Einmal , mitten im Singen , fuhr ich zusammen - die grauen Hoffräuleinaugen glommen und schillerten so wunderlich unter dem Seidenbehang hervor ; ich mußte unwillkürlich an die Hauskatze des Dierkhofs denken , wie sie den armen zwitschernden Vogel auf dem Ebereschenbaum grünfunkelnden Auges anstierte - ei , was lag mir denn an dem Mißfallen der