ich noch zu rapportieren habe . Sind also der Adolf und ich einander gegenübergestanden , und hat jeder auf den andern mit den Zähnen geknirscht und ihn zwischen den Zähnen eine Kanaille geheißen , bis zum nächsten durchlauchtigsten Namenstage . Der Herr van der Mook kennt die Gewohnheit und Sitte ; dem Herrn Hagebucher will ich sie sagen . An diesem durchlauchtigsten Namenstag wird nämlich immer dieser oder jener von den in die Strafkompanie Eingestellten , so es nicht zu arg machte , wieder in Gnaden gesetzt , und so auch das Mal . Kommt also der Herr Baron von Glimmern als Adjutant mit Extrapost aus der Hauptstadt nach Wallenburg , die Liste zu verlesen , und steigt natürlich in meinem Quartier ab . Wir frühstücken miteinander , und meine Alte weiß nicht wohin aus Seligkeit über die Ehre ; und der Herr Baron sind affabel und heiter genug , bringen Grüße von unserm Kinde und diskurrieren aufs freundschaftlichste von allem , was der Tag gibt . Nachher rücken wir aus in den Hof der Kaserne , blank und propre , und ich denke auch , es ist mein Ehrentag und ich kann Ehre mit allem einlegen , außer meinem Familienunglück , dem verbissenen , dummtrotzigen Adolf . Gut , da steht der Adjutant in Gala vor der Front , meine Kerle stehen wie die Bilder , und jeder meiner Unteroffiziere hat nach dem Reglement die Kugel im Lauf . Der Tambour schlägt seinen Wirbel , der Herr von Glimmern sagt , was unter diesen Umständen immer gesagt wird , entfaltet sein Schreiben , liest seine Namen , und der feierliche Moment soll mit einem dreimaligen Vivat auf den allergnädigsten Landesherrn , welches der Adjutant auszubringen hat , zu Ende kommen . Das ist geschehen ; - ich kommandiere : Präsentiert ' s Gewehr ! , der Tambour wirbelt zum zweitenmal , und die Kompanie schreit dreimal hurra , alles nach dem Reglement . Das Reglementswidrige kam erst nach dem dritten Ruf ; denn da ist der Adolf aus dem Glied vorgesprungen , hat auch scharf geladen gehabt , legt auf den Herrn Baron an und drückt ab . Der Knall ist in jedem Ohr wie ein Erdbeben ; der Adjutant greift nach der Brust , taumelt und überschlägt sich auf dem Boden ; der Adolf ist aber auf ihn los wie eine Bestie mit dem Bajonett . Was tut der Mensch , wenn er in solchem Augenblick nicht hört und sieht ? Weiß es nicht ! Der Leutnant der Strafkompanie kommandierte : Feuer ! , zwei Korporale drücken ab , daß auch der Adolf seinen Sprung in die Luft tut und sich rückwärts in seinem Blute überkugelt , und das war wieder nach dem Reglement , Herr Hagebucher . Ich habe nachher Zeit genug gehabt , darüber nachzudenken ; es war ganz nach den Kriegsartikeln , und niemand hätte seiner Pflicht und Schuldigkeit besser nachkommen können als ich damals . « » Es ist furchtbar , furchtbar ! « rief Leonhard tief erschüttert . » Aber noch schlimmer fast ist der Ton , in welchem Sie das alles erzählen ! « » O nein « , sagte der Leutnant kopfschüttelnd , » der Ton ist ganz richtig ; wo soll ich einen andern dazu herkriegen ? Auch das Schlimmste kommt eigentlich noch nach . Der Adolf war tot , so tot , wie es ihm nur sein ärgster Feind oder sein bester Freund wünschen mochte ; den Herrn von Glimmern aber hub man wieder auf vom Boden , und es fand sich , daß ihn eine Wendung des Körpers oder die Vergoldung der Uniform oder sonst so etwas besser vor einem solchen Mordanfall und vorzeitigen Ende geschützt hatte als sein Gewissen , sein Herz und seine Ehre . Natürlich wurde ein Gericht über die Sache zusammenberufen und - « » Lassen Sie mir jetzt die Fortsetzung und was sonst noch zu sagen und zu erklären sein wird « , sprach der Herr van der Mook und wendete sich von seinem Lager an Leonhard Hagebucher : » Ich bin sehr beteiligt , und mein Vater ist als Rechtsbeistand zugezogen worden . « Der Afrikaner griff mit bebender Hand nach der Lehne seines Stuhles : » O Frau Klaudine ! « Einundzwanzigstes Kapitel Der wilde Jäger , der , um Affen und junge Meerkatzen einzuhandeln , nach Abu Telfan gekommen war und sich damals Kornelius van der Mook nannte , saß jetzt aufrecht auf dem Feldbett des Leutnants Kind , rieb sich die Stirne , kratzte sich hinter den Ohren , fuhr durch das wirre Haar und sagte , während Leonhard Hagebucher ihn nicht mit den zärtlichsten Gefühlen anstarrte : » Es würde vergeblich sein , es länger abzuleugnen ; ja , Compagno , ich bin der Sohn jener alten Dame , welche Sie eben nannten , ich bin der Sohn des Rats Fehleysen , welcher mit über den Leutnant zu Gericht saß . Bleibt ruhig , Kind , Ihr habt mich gerufen , und hier bin ich , nun habt Ihr mich aber auch zu nehmen , wie ich bin - etwas insalvaticato , wie wir es in der Lingua franca nennen ; etwas verwaldmenscht , he , Hagebucher ? Nun , Herr Leonhard , wie erscheine ich Euch ? Das ist ein Aufsteigen aus dem Boden , behängt mit Wurzeln und Erdklößen , mit Moos und vermodernden Blättern ? Würde es nicht besser sein , wenn wir den Kopf wieder zurückzögen und von neuem in die Tiefe versänken ? Noch steht es bei Euch , in dieser Nacht schon kann die Bestie verschwinden , wie sie kam : - was ist Ihre Meinung , Freund Hagebucher ? « Leonhard nagte kurz atmend an der Oberlippe : Das also war die Hoffnung der Frau Klaudine ? Also davon sangen die Tropfen an dem stillen Mühlrade in dem zauberhaften Waldfrieden ? Wie tückisch-falsch , wie verlogen , verlogen ! - Der Afrikaner sah den Wald um die Mühle , wie er