sei . So kleidet man sich also auch bei uns schon nach der neuen Sitte der revolutionären Franzosen ! bemerkte sie weiter , und der Ausdruck ihres Mißfallens trat nun deutlich und bestimmt hervor . Herbert mußte ihn beachten , aber eben , weil er das that , entgegnete er : Die Mode , gnädige Frau Baronin , ist bei uns von den aus Frankreich entflohenen Edelleuten eingeführt worden , welche in dieser bürgerlichen Tracht über die Grenze zu uns gekommen sind . Und wenn sie es dann nachher auch für gut befunden haben , den Haarbeutel und den seidenen Strumpf wieder anzulegen , so sind für uns geringere Leute , für uns , die wir arbeiten müssen , das unfrisirte Haar und der Stiefel weit angemessener , als der Zopf und die Escarpins , die uns sogar zu Sclaven des Friseurs und der Witterung machen . Er hatte das absichtlich mit ziemlicher Schärfe gesprochen und erwartete daher , eine Antwort zu erhalten , welche möglicher Weise jeden Zusammenhang zwischen ihm und den Herrschaften für immer zerstören konnte . Indeß die Baronin hatte Rücksichtnehmen von Jugend auf gelernt und war stolz genug , bei den Personen , welche sie nicht als Ihresgleichen ansah , nur dasjenige zu hören und zu verstehen , was ihr genehm war . Sie war als echte Aristokratin bisweilen nachsichtig aus Hochmuth und , wo es ihr paßte , trotz ihrer Jugend duldsam aus Berechnung . Da sie nun obenein bemerkte , daß ihr Gatte mit dem Empfange , welchen sie dem Architekten bereitete , unzufrieden war , und da sie selbst es bedauern mochte , einen jungen Mann , auf dessen gute Dienste sie sich Rechnung gemacht hatte , gegen sich aufgebracht zu haben , so lenkte sie nun plötzlich ein und meinte : Sie haben Recht , mein Herr , und ich habe mich geirrt . Verzeihen Sie , daß ich Ihren besonderen Fall nicht bedacht und Ihnen meine Ueberraschung über die neue Mode , die ich zum ersten Male in der Wirklichkeit vor Augen sehe , ausgesprochen habe . Ich leugne es nicht , ich hege gegen diese Kleidung eine gewisse Abneigung , seit man uns neulich aus der Hauptstadt die Bilder der Männer zur Ansicht geschickt hat , welche sich in Paris als Vaterlandsfreuude und als Helden geberden , während sie doch Empörer und Rebellen sind . Zudem lebt eine verehrte Freundin , eine Verwandte von uns , die Frau Herzogin von Duras , in unserem Hause , welche genöthigt gewesen ist , aus ihrem unglücklichen Vaterlande zu entfliehen , und ich stellte mir vor , wie unangenehm der Anblick einer Kleidung sie berühren müsse , die in ihren und auch in meinen Augen , zu einem Symbol der - der Zustände geworden ist , vor denen Gott uns gnädig bewahren wolle . Sie hatte die letzte Wendung offenbar beschönigend gewählt , denn der Ton ihrer Stimme verrieth , daß sie einen stärkeren und härteren Ausdruck zurückhalte , und weit davon entfernt , eine versöhnliche Wirkung auf Herbert hervorzubringen , erhöhte die Art von herablassender Schonung , die sie ihm angedeihen ließ , nur das Mißfallen , das Angelika ihm einflößte . Er war fest entschlossen , dieser Frau nicht nachzugeben , und er schickte sich eben zu einer , wie es ihm schien , gebührenden Antwort an , als der Freiherr den unangenehmen kleinen Vorfall damit zu beenden versuchte , daß er ihn in das Scherzhafte zog . Es wird also , sagte er lächelnd , unserem jungen Baumeister , wenn er sich anders Deiner Zustimmung und der Gnade der Frau Herzogin erfreuen will , nichts Anderes übrig bleiben , als ein habit habillé anzulegen , wenn er ein solches mit sich führt , und sich die Dienste meines Kammerdieners gefallen zu lassen . Wenn die Gunst der Frau Baronin und der Frau Herzogin einzig durch einen solchen Kleidungswechsel zu erlangen ist , so bin ich leider in der übeln Lage , auf diese Gnade verzichten zu müssen , entgegnete der junge Mann gleichfalls im Tone des Scherzes , obschon er sich zu einem solchen nicht aufgelegt fühlte . Mit dem habit habillé , mit dem Puder und dem Zopfe habe ich ein für alle Mal gebrochen . Die Baronin entschloß sich , diese Erklärung mit anscheinender Heiterkeit hinzunehmen und dem jungen Manne zu wiederholen , daß er für sich und von seinem Standpunkte aus sicherlich das Rechte thue . Aber er mißfiel ihr mehr und mehr , ja , er mißfiel ihr ganz besonders deßhalb , weil sie sich ' s eingestehen mußte , daß er ein schöner Mann und in dem Vollbesitze derjenigen Vorzüge sei , welche sie sich gewöhnt hatte , als ein besonderes Erbtheil des Adels zu betrachten . Seine Haltung war vornehm , seine Redeweise besser , als die der meisten ihrer Standesgenossen , welche das Deutsche nur fehlerhaft zu sprechen wußten , und sie hatte im Grunde an ihm nichts auszusetzen , als daß er , der gekommen war , ihrem Hause bezahlte Dienste zu leisten , sich ihr als einen Ebenbürtigen und Freien gegenüber stellte . Und wie Herbert Anfangs sich gesagt hatte : dieser Frau mißfalle ich ! so sagte er sich jetzt , daß ihm niemals eine Frau so sehr mißfallen habe , als Angelika . Es war gut für alle Theile , daß die Herzogin und ihr Bruder sich zu ihnen fanden und der Diener die Meldung machte , daß die Mahlzeit aufgetragen sei . Der Baron stellte Herbert seinen Gästen und dem Caplan vor , der sich inzwischen auch zu ihnen gesellt hatte , und wenn die Herzogin und der Marquis auch nicht sonderlich auf den jungen Baumeister achteten , so lag doch wenigstens nicht die abweisende Kälte in ihrer Begrüßung , mit der Angelika ihn aufgenommen hatte . Beide , die Herzogin sowohl als der Marquis , waren es durch die Erfahrungen der letzten Jahre gewohnt worden , ihre Haltung nach den Umständen einzurichten , sich in der Fremde