und leuchtenden Augen und zitternden Lippen versicherte , habe ich ihn wegen seiner Ueberschwenglichkeiten ausgelacht und gesagt : Bruno , Du bist ein Närrchen ! jetzt gäbe ich viele Jahre meines Lebens darum , könnt ' ich es aus seinem stolzen Munde nur noch einmal hören ! Eine Ahnung , die ich nicht los werden kann , sagt mir , daß ich in Bruno , mit Bruno alles , was die Erde von Seligkeit mir gewähren kann , gefunden haben würde , und daß ich mit ihm jede Aussicht auf ein irdisches Glück unwiederbringlich verloren habe . Du lächelst , Du meinst : ein Knabe ! aber ich sage Dir : Du hast Bruno nicht gekannt . Verlange nicht , daß ich Dir über dies Alles ausführlich berichte . Ich kann es nicht . Mein Herz ist zu voll . Die Erinnerung an meinen todten Liebling verläßt mich keinen Augenblick , und ich möchte am liebsten die Feder aus der Hand legen und mich satt weinen . Sag ' , Mary , soll es denn wirklich unser Schicksal sein , wie wir so oft in melancholischen Stunden behaupteten , unbefriedigt , ohne Freude , ohne Glück durch das Leben zu gehen , und ohne Hoffnung , daß die Zukunft die Wünsche der Gegenwart erfüllen wird ? Soll das Glück nur immer aufleuchten wie eine Fata Morgana - zauberisch schön und ebenso vergänglich ; oder uns stets in einer Gestalt erscheinen , die , mag ihr innerer Werth noch so groß sein , doch unseren verwöhnten Sinn , unsere Vorurtheile , wenn Du willst , verletzt ? Freilich , Dein Loos scheint ein anderes werden zu wollen . In der Sphäre , in die Du durch Geburt und Erziehung gehörst , findest Du den Mann , der Deinem Herzen theuer gewesen sein würde , selbst dann , wenn Dein Verstand die Wahl Deines Herzens nicht gebilligt hätte . Ein Held , ein Mann , ein Lord ! Glückliche , dreimal Glückliche , die Du Jemand gefunden hast , zu dem Du , stolz , wie Du bist , hinaufschauen mußt ! Lächle Dein feines , aristokratisches Lächeln über - Deine Freundin in der Pension ! Freilich , ich habe es sehr gut in dieser Pension . Man geht mit mir um , nicht wie mit einer Schülerin , sondern wie mit einem Gast , und ich bin der Vorsteherin , einem Fräulein Bär , aufrichtig dankbar für die Güte , die zarte Rücksicht , mit der sie mich behandelt , als wüßte sie Alles . Vielleicht weiß sie Alles . Dergleichen Ereignisse in Familien , wie die unsere , pflegen nicht verschwiegen zu bleiben . Habe ich selbst doch Vieles , was im genauesten Zusammenhang mit meiner Verlobungsangelegenheit steht , erst mehrere Wochen später erfahren , nicht durch meinen Vater , mit dem ich während dieser ganzen Zeit correspondirte , der mich auch ein paar Mal von Grenwitz aus besuchte ( mit meiner Mutter , die seit einigen Tagen , wie ich höre , in Grünwald ist , bin ich außer aller Verbindung ) , sondern durch eine junge Dame , ein Fräulein Sophie Robran , eine frühere Pensionärin der Anstalt , deren Bekanntschaft ich hier machte und mit der ich eine Art von Freundschaft geschlossen habe . Sie ist die Braut unseres Grenwitzer Arztes , der nach Grünwald übergesiedelt ist , und somit sind ihre Nachrichten aus guter Quelle . Sie hat mir erzählt , was erst nach meiner Abreise von Grenwitz stattgefunden und der Vater mir sorgsam verschwiegen hat , daß der junge Mann , von dem ich Dir schon im Sommer schrieb , unser Hauslehrer , der Doctor Stein , mein Ritter und mein Rächer geworden ist , insofern wenigstens , als er sich mit Felix geschlagen und meinem Herrn Vetter , eine Lection ertheilt hat , die dieser , wie ich aus derselben Quelle erfahren habe , so leicht nicht wieder vergessen wird . Ich kann Dir nicht sagen , wie wunderlich mich diese Nachricht berührte . Zuerst - Dir darf ich es ja gestehen - verletzte es meinen Stolz , daß mein Name nun mit dem Namen eines Mannes , wie Herr Stein , zusammen durch die Welt getragen werden sollte ; daß ein Fremder , ein Miethling , sich in meine Angelegenheiten keck gemischt hatte , als wäre er ein Verwandter und ein Ebenbürtiger . Aber dann dachte ich an das alte Wort , daß , wenn die Menschen schweigen , die Steine reden würden ; dachte daran , daß kein Bruder sich brüderlich , kein Ritter sich ritterlich gegen mich hätte benehmen können , als es dieser Mann vom ersten Augenblick an gethan hat : dachte vor allem daran , daß dieser Mann meines Bruno ' s theuerster Freund war - und ich vergaß meinen Stolz und fühlte nicht ohne einige Verwunderung , daß ich diesem Manne für seine viele Liebe und Güte dankbar sein konnte - ohne daß mich dieser Dank , wie es doch sonst stets bei mir ist , gedrückt hätte . Ja , noch mehr , ich fühlte ein Bedürfniß , ihn , der , wie ich hörte , auf Reisen war , wieder zu sehen , ihm persönlich meinen Dank abzustatten ; und als ich ihn heute ganz unerwartet an dem Fenster , an welchem ich saß , vorübergehen sah , da - Du wirst mich auslachen , Mary ! da fühlte ich , daß , als ich seinen Gruß erwiderte , mir alles Blut in die Wangen schoß , und , als er vorüber war , habe ich ihm noch lange nachgesehen , und dann habe ich mich in das Fenster zurückgelehnt und dem Andenken Bruno ' s , das durch Stein ' s Anblick so plötzlich und so mächtig bei mir wach gerufen wurde , heiße Thränen geweint . Ich möchte , ich könnte ihn einmal ungestört sprechen . Doch hier muß ich abbrechen . Ich höre Fräulein Robran , die mit mir zu musiciren kommt ,