Liebende die zarte weiße Hand der ätherischen Huldin , an welche er seine göttliche Seele verloren hatte . Und währenddem lag der ahnungslose Papa , der Unvergleichliche , Herr Alphonse Stibbe , der doch à Paris so viel erlebt und erfahren hatte , im tiefsten Schlummer , nur geängstigt von einem Traum , in welchem er den Baron Schleifenbein im unbezahlten Frack ausreißen sah , während er selbst festgewurzelt stand , die abgerissenen Schöße des Fracks in der Hand . Und währenddem warf sich Fräulein Aurora Pogge , welche dem Tailleur das Liebesverhältnis seiner Tochter noch nicht verraten hatte , ruhelos auf ihrem Lager hin und her und kramte in Gedanken noch einmal alle Schiebladen , Kasten , Kisten , Schränke , Ecken und Winkel nach ihrem verlorenen Tagebuch aus . Es war gut , daß ihre Haare sicher auf einem Haubenstock neben dem Bette standen , sie würde sie sich sonst jedenfalls ausgerauft haben . - » O mein Julio ! « flüsterte eine Stimme parterre im Hofe , über der Wassertonne . » O meine Romea - meine einzige , ewige Liebe , mein Engel , meine Angela , Angelina , Angelika ! « hauchte der Deklamator ; und dann flüsterte die Schöne in ganz veränderter Tonart : » Schminkert , ich weiß jetzt , wer dem grünen Jungen aus dem Walde , welchen der alte Narr , der Fiebiger , aufzieht , das Herz gebrochen hat . « » Und wer , meine Seele ? « fragte der Tragöde auf der Wassertonne . » Die Tochter des Bankiers , der seit dem Brande verrückt geworden sein soll - Fräulein Wienand , die jetzt immer über den Hof zum alten Tellering zieht ; der Junge weiß jedesmal , wenn das kleine Ding kommt , und ist hinter ihr her , wie - wie - « » Wie Don Julio Schminkertino hinter Donna Angelika Stibbelini - so geht ' s in der Jugend . Magst übrigens recht haben , Scharfäugigste deines Geschlechts . O Gott , Gott , du hast alles wohl gemacht ; aber die Weiber hast du doch zu schlau erschaffen . Na , ich will dem Mann der öffentlichen Sicherheit bei Gelegenheit einen Wink geben über die Fährte , auf welcher sein Zögling jagt . Die kleine Wienand jedoch ist ein reizendes Kind , ein allerliebster Wurm - wonnige Augen - seelenvolle Stirn - himmlische Locken - ein Entzücken , eine Selig - « Ein Wasserguß aus dem Fenster der mit Recht empörten Angelika Stibbe ersäufte beinahe den unbedachtsamen Jüngling auf dem Fasse , welcher für eine solche Lobrede einer andern Zeit und Stelle wirklich sehr schlecht gewählt hatte . Das Gleichgewicht verlor er ebenfalls ; er stürzte , die Tonne stürzte , der Deckel derselben brach - Gekrach , Geprassel - sich ergießende Fluten trüben stinkenden Wassers ! Flucht des betäubten Julius ins Haus - treppauf - nasse Spur die Stiegen hinauf bis ans Dach - erschreckte gespenstische Gestalten an Fenstern und Türen ! - - - - - - - - Bedenkliche Blicke wurden am folgenden Morgen , vorzüglich von dem weiblichen Teil der Bevölkerung des Hauses , auf das umgestürzte Faß und das Fenster der armen Angelika geworfen . Auch die feuchte Spur , welche sich die Treppe hinauf verlor , verfolgte man mit Kopfschütteln und Kopfnicken , und der gute Ruf einer gewissen jungen Dame bekam dadurch abermals ein bedenkliches Loch . Der Schauspieler Julius Schminkert aber bekam den Schnupfen , und der Papa Stibbe rückte ihm » auf die Bude « , verließ sie aber in besserer Stimmung , als man sich vorstellen sollte - Julius hatte ihn bloß betrunken gemacht und noch nicht die große Reserve , die Tagebuchsblätter Aurora Pogges , ins Gefecht geführt . Neunzehntes Kapitel Glänzende Fäden in dunkelm Gewebe Wir haben aus dem Tagebuche Auroras erfahren , daß auch Helene Wienand - und zwar in Begleitung des Freifräuleins Juliane von Poppen - sich am Bette des alten Mannes , der in ihrem Vaterhause so grausam zu Schaden gekommen war , einfand . Sie kam aus eigenem Herzenstriebe , sie kam aber auch auf Antrieb der mütterlichen Freundin , welche es für gut hielt , daß ihr Pflegekind ein Unglück mit dem andern vergleichen lerne , daß ihr Geist sich nicht einzig und allein an den kranken Vater hefte . Am Bette des Meisters Johannes lernte Helene auch den Sternseher Ulex und den Polizeischreiber Fiebiger kennen , und es entstand in kürzester Frist eine tiefe wechselseitige Zuneigung zwischen ihr und dem Greise vom Giebel des Nikolaiklosters . Die Art des Schreibers verstand sie für jetzt noch wenig , und schüchtern hielt sie sich von ihm fern ; sie mußte ihn erst besser kennenlernen . Starr wie eine Bildsäule blieb Robert auf der Schwelle stehen , als er zum ersten Male Helene am Lager des Verwundeten sitzen sah . Welch einen Glanz gab die dunkle dumpfige Kammer wieder ! Brach der liebliche Schein , der in jedem Gegenstand verborgen war , von neuem hell und lustig hervor ? Ach , nur für Robert Wolf ! Für die andern blieb das Gemach trübe und traurig . Sie mußten auch fürderhin in der Dunkelheit sitzen . Der Kranke konnte die bleiche , liebliche Trösterin neben seinem Kopfkissen nicht sehen ; aber er vernahm die Trostworte , welche sie mit leiser , süßer Stimme flüsterte ; er hielt die kleine Hand in seiner eigenen heißen Hand . Er ließ sich von ihrem Vater erzählen und sprach auch wieder tröstende Worte . » Solch ein harter Stamm « , sagte er , » fällt nicht auf den ersten Schlag . Es wird noch alles gut werden , liebes Fräulein ; man muß nur den Mut nicht verlieren . Solch ein stattlicher Herr - « Aber weshalb suchte sich die kleine Hand so plötzlich seinem fieberhaften Griff zu entziehen ? Weshalb wurde sie so unruhig ? Weshalb fing sie an zu zittern ? Robert trat mit Ludwig Tellering gegen das Bett heran .