Pallirer mit einigen Steinmetzen in der Nähe des Hochaltars , und bei ihnen stand der Propst , der Maler Hans Beuerlein , Frau Elisabeth Scheurl mit Ursula Muffel und Charitas Pirkheimer . Zeichnungen , Gemälde und Teppichstoffe lagen vor dem Hochaltar ausgebreitet . Es war zum ersten Male , daß die Genesenen sich wiedersahen nach jener verhängnißvollen Nacht . - Ulrich war inzwischen bei Herrn Scheurl gewesen und hatte ihm für seine Güte gedankt - seiner Gemahlin hatte er nichts zu sagen . War es nicht an ihr , ein dankendes oder doch erkenntliches , theilnehmendes Wort an ihn zu richten ? - Sie that es nicht - aber sie erröthete und zitterte unwillkürlich bei seinem Anblick und stützte sich auf Ursula . Der Propst erklärte ihm , daß diese edlen Frauen die Kirche mit einem Teppich beschenken wollten , daß Meister Beuerlein das Gemälde als Muster zu dem Mittelstück gefertigt , daß sie aber über die Ornamentik in den Kanten noch nicht einig wären , da sie mit der der umstehenden Säulen harmoniren sollten - und daß er ja wohl allerlei Zeichnungen , die dem entsprächen , von Laub und Schnörkeln in seiner Krankheit angefertigt , die er eilends aus seiner Wohnung holen möge . Ulrich bejahte , aber der blonde Hieronymus , der auch mit zur Berathung gezogen war , ließ es sich nicht nehmen , statt seiner die Zeichenrollen aus der gemeinschaftlichen Wohnung zu holen , da Ulrich noch nicht zum schnellen Laufen tauge und indeß auch lieber hier seinen Rath mit ertheilen möge . Darüber fand zwar erst ein edler Wettstreit Statt , aber der Propst und Charitas Pirkheimer billigten Hieronymus Vorschlag und ließen ihn gehen und Ulrich bleiben . Anfangs schien es , als fühle sich Elisabeth durch Ulrich ' s Nähe - die sie zugleich wünschte und floh - peinlich berührt und von einer Verlegenheit ergriffen , die ihrem sonstigen selbstbewußten und stolzen Hervortreten gänzlich fremd war ; nachdem er aber auch , ohne weiter seine Worte an sie zu richten , mit dem Propst und dem Maler sich über den vorliegenden Gegenstand in ein kunstverständiges Gespräch vertieft , aus dem man deutlich erkennen mochte , daß jene eigentlich die Schüler waren und der einfache Steinmetzgeselle der Meister : da war es , als ob auch Elisabeth plötzlich sich zusammenraffe - mit kühner Sicherheit mischte sie sich in die Unterhaltung , ließ das Licht ihres Geistes glänzen und die Strahlen ihrer Kunstbegeisterung in blühender Bilderpracht sich entfalten . Als Hieronymus mit Ulrich ' s Zeichnungen zurückkam , und als er selbst mit einem Fuß auf den Altarstufen knieend sie vor den Beschauenden entrollte , sprach Elisabeth zu ihm , als Beuerlein mit Andern in einiger Entfernung Anderes betrachtete : » Warum seid Ihr nicht Maler geworden ? Ihr wäret ein großer Künstler ! « Da schüttelte er stolz das lange Haar aus dem edlen , von der Krankheit noch bleichem Gesicht , und stolz und groß in Elisabeth ' s flammende Augen blickend , sagte er : » Die Kunst ist doch nur eine , ob wir ihr dienen mit Meißel und Richtscheit oder mit Malerstab und Pinsel - sie hat nur einen Zweck : Gott zu dienen und damit zugleich Andere zu demselben Gottesdienst zu entflammen . Mir gilt es mehr in unserer freien Brüderschaft , namenlos , nicht als ein eitler Einzelner , sondern als das Glied eines Ganzen , eines Leibes , wie es der Herr Jesus Christus gesagt hat , zu streben , zu schaffen , nicht für profanen Ruhm , sondern für die Ewigkeit des Kunstwerkes . « Elisabeth antwortete darauf nur : » Stolzer Maurer ! « aber Charitas Pirkheimer , die seine Worte auch vernommen , rief in einer Art von Verzückung : » Ja ! so ist der rechte christliche Sinn : selbst Nichts sein wollen und ganz aufgehen im gemeinschaftlichen Streben , dem Höchsten zu dienen . « Ulrich ' s Zeichnungen waren zur Einfassung des Bildes auf dem Teppich gewählt worden . Seitdem arbeiteten die Nürnbergerinnen bei Elisabeth daran und die Baubrüder verrichteten die gewohnte Arbeit in ihrer Hütte , so daß sie nichts wieder von einander sahen und hörten . So war der Winter zur Hälfte vergangen . Als Ulrich und Hieronymus jetzt zusammen saßen , sagte der Erstere : » Als ich vorhin zur Vesperstunde bei Meister Kraft ' s Wohnung vorüberging , betrachtete ich mir die schön gefrorenen Wasserstrahlen an dem Lindwurm vor seinem Hofthor , und wie so mein Blick hinüber nach dem Fenster der Werkstatt streifte , war es mir , als sähe ich dort denselben Benediktinermönch am Fenster stehen , der mir gleich an dem ersten Tage meines Hierseins begegnete , wo mein Schwert seinen Rosenkranz zerriß . Du weißt , diese zünftigen profanen Nürnberger Steinmetzen lieben es nicht , wenn Einer von uns in ihre Werkstatt tritt , sonst wär ' ich hineingegangen , mir Gewißheit zu holen und ihm zu seinem Eigenthum zu verhelfen , das ich freilich nicht bei mir hatte und das ich auch inzwischen schier vergessen . Mir schien , der Propst stand bei ihm - sobald ich ihn sehe , werde ich nach dem Mönche fragen . « Er suchte das Kreuz , das wohl verwahrt in einer kleinen Lade lag , und Hieronymus sagte : » Hättest Du Dir wirklich von diesem einmaligen Sehen die Züge des Mönches , der uns schnell entschwand , so genau gemerkt , daß Du über Jahr und Tag ihn wieder erkanntest ? « » Er hatte etwas Eigenthümliches in seinem Gesicht , das man nicht vergißt , « sagte Ulrich , » und merkwürdig : entweder in meinen Fieberphantasien oder in meinen Träumen ist mir dieselbe Gestalt mehrmals wieder erschienen , nur in der letzten Zeit hatte ich sie vergessen . « Jetzt unterbrach das Mütterchen die Beiden und sagte : » Wißt Ihr es denn , daß übernächste Woche die Potentaten und großen Herren zum Reichstag kommen , und daß zwar der alte Kaiser