dreißig Jahren , die wir mit einander hausen , ohne Unterschleif und es ist auch noch Erbstück von meiner Mutter dabei . Und jetzt nimm du ' s und sag ' nur , es sei dein Eigenthum . Das wird den Bauer ganz glücklich machen , besonders weil er so gescheit gewesen ist und das im Voraus geahnt hat . Was guckst du so verwirrt drein ? Glaub ' mir , wenn ich dir was sage , kannst du es thun , es ist kein Unrecht , ich hab ' mir ' s überlegt hin und her ; jetzt versteck ' s und red ' mir kein Wort dagegen , gar kein Wort , sag mir keinen Dank und gar nichts , es ist ja eins , ob ' s mein Kind jetzt kriegt oder später , und es macht meinem Mann noch bei Lebzeiten eine Freud ' . Jetzt fertig , bind ' s wieder zu . « Am andern Morgen in der Frühe erzählte Amrei dem Johannes Alles was die Eltern ihr gesagt und gegeben hatten , und Johannes jubelte : » O Gott im Himmel verzeih ' mir ! Von meiner Mutter hätt ' ich so was glauben können , aber von meinem Vater hätte ich mir das nie träumen lassen . Du bist ja eine wahre Hexe , und schau , es bleibt dabei , daß wir Keinem vom Andern etwas sagen , und das ist noch das Prächtige , daß Eins das Andere anführen will , und Jedes ist wirklich angeführt , denn Jedes muß meinen : Du habest das andere Geld noch wirklich im Geheimen für dich gehabt . Juchhe ! Das ist lustig zum Kehraus . - « Mitten in aller Freude im Hause herrschte aber doch auch wieder allerlei Besorgniß . 20. Im Familiengeleise . Nicht die Sittlichkeit regiert die Welt , sondern eine verhärtete Form derselben : die Sitte . Wie die Welt nun einmal geworden ist , verzeiht sie eher eine Verletzung der Sittlichkeit als eine Verletzung der Sitte . Wohl den Zeiten und den Völkern , in denen Sitte und Sittlichkeit noch Eins ist . Aller Kampf , der sich im Großen wie im Kleinen , im Allgemeinen wie im Einzelnen abspielt , dreht sich darum , den Widerspruch dieser Beiden wieder aufzuheben und die erstarrte Form der Sitte wieder für die innere Sittlichkeit flüssig zu machen , das Geprägte nach seinem innern Werthgehalte neu zu bestimmen . Auch hier in dieser kleinen Geschichte von Menschen , die dem großen Weltgewirr abseits liegen , spiegelt sich das wiederum ab . Die Mutter , die innerlich am meisten sich freute mit der glücklichen Erfüllung , war doch wieder voll eigenthümlicher Besorgniß wegen der Weltmeinung . » Ihr habt ' s doch leichtsinnig gemacht , « klagte sie zu Amrei , » daß du so in ' s Haus gekommen bist und daß man dich nicht abholen kann zur Hochzeit . Das ist halt nicht schön und ist nicht der Brauch . Wenn ich dich nur noch fortschicken könnte auf einige Zeit oder auch den Johannes , daß Alles mehr Schick bekäme . « Und dem Johannes klagte sie : » Ich höre schon , was es für Gerede giebt , wenn du so schnell heirathest : zweimal aufgeboten und das Drittemal abgekauft . Alles so kurz angebunden , das thun liederliche Menschen . « Sie ließ sich aber in Beidem wieder beschwichtigen und sie lächelte , als Johannes sagte : » Ihr habt doch sonst Alles so gut durchstudirt wie ein Pfarrer ; jetzt Mutter , warum sollen denn ehrliche Leute eine Sache lassen , weil sich unehrliche dahinter verstecken ? Kann man mir was Böses nachreden ! « » Nein , du bist dein Leben lang brav gewesen . « » Gut . Drum soll man jetzt auch in Etwas an mich glauben , und glauben , daß das auch brav sei , was nicht im ersten Augenmaß so aussehen mag ; ich kann das verlangen . Und wie ich und meine Amrei zusammengekommen sind , das ist einmal so aus der Ordnung , das hat seinen besonderen Weg von der Landstraße ab . Und es ist kein schlechter Weg . Das ist ja wie ein Wunder , wenn man Alles recht bedenkt , und was geht uns das an , wenn die Leute heut ' kein Wunder mehr wollen , und da allerlei Unsauberkeit finden möchten ? Man muß Courage haben und nicht in Allem nach der Welt fragen . Der Pfarrer von Hirlingen hat einmal gesagt : wenn heutigen Tages ein Prophet aufstünde , müßte er vorher sein Staatsexamen machen , ob ' s auch in der alten Ordnung ist , was er will . Jetzt , Mutter , wenn man bei sich weiß , daß Etwas recht ist , da geht man grad durch und stößt hüben und drüben weg , was Einem im Weg ist . Laß sie nur eine Weile verwundert dreinglotzen , sie werden sich mit der Zeit schon anders besinnen . « Die Mutter mochte fühlen , daß ein Wunder wohl als glückliche plötzliche Erscheinung gelten könne , daß aber auch das Ungewöhnlichste sich allmälig doch wieder einfügen müsse in die Gesetze des Herkommens und des gewohnten stetigen Ganges , daß die Hochzeit wohl wie ein Wunder erscheinen könne , die Ehe aber nicht , die eine geregelte Fortsetzung in sich schließt . Sie sagte daher : » Mit all ' den Leuten , die du jetzt gering ansiehst und stolz , weil du weißt , du thust das Rechte , mit denen mußt du noch wieder leben und verlangst , daß sie dich nicht scheel ansehen , und dir deine Ehre lassen ; und dafür , daß die Menschen das thun , mußt du ihnen das Gehörige auch geben und lassen ; du kannst sie nicht zwingen , daß sie an dir eine Ausnahme sehen sollen , und du kannst nicht Jedem nachlaufen und ihm sagen : wenn du wüßtest ,