Gebet nicht ausreicht , so mög ' Euch die Reliquie Schutz verleihen . Es ist ein Splitter vom heiligen Kreuz , das die Kaiserin Helena einst aufgefunden . Wo auch immer dies Heiligtum sein wird , da wird Friede sich einstellen und Mehrung des Anwesens und Gesundheit der Luft180 , so stand im Schreiben , mit dem der griechische Patriarch die Echtheit beglaubigte . Mög ' es auch im Krieg Segen spenden ! « Sie neigte sich , dem Mönch das Kleinod umzuhängen . Er beugte sein Knie ; längst hing ' s um seinen Hals , er kniete noch . Sie streifte leicht mit der Hand über sein lockig Haar , ein Zug von Milde und Wehmut lag über ihrem strengen Antlitz - Ekkehard hatte vor dem Namen des heiligen Kreuzes sein Knie gebeugt , itzt war ' s ihm , als müsse er sich ein zweitesmal niederwerfen , niederwerfen vor ihr , die so huldvoll seiner gedachte . Aufkeimende Neigung braucht Zeit , sich über sich selbst klar zu werden , und in Dingen der Liebe hatte er nicht rechnen und abzählen gelernt wie in den Versmaßen des Virgilius , sonst hätte er sich sagen mögen , daß , wer ihn aus des Klosters Stille zu sich gezogen , wer an jenem Abend auf Hohenkrähen , wer am Morgen der Schlacht so vor ihm stand , wie Frau Hadwig , itzt wohl ein Wort aus der Tiefe des Herzens , vielleicht mehr als ein Wort von ihm erwarten mochte . Seine Gedanken jagten sich , alle Pulse schlugen . Wenn früher etwas wie Liebe sich in ihm geregt , so war die Ehrfurcht vor seiner Gebieterin herangetreten , es zurückjagend wie der Sturm , der dem scheu zum Dachfenster herausschauenden Kind den Laden vor der Nase zuwirft . An die Ehrfurcht dachte er jetzt nicht , eher daran , wie er die Herzogin einst mit keckem Arm durch den Klosterhof getragen . Auch an sein Mönchsgelübde dachte er nimmer , es regte sich in ihm , als sollt ' er ihr in die Arme fliegen und sie jauchzend ans Herz pressen - Herrn Burkhards Schwert brannte ihm an der Seite . Wirf ab die Scheu , dem Kühnen gehört die Welt ! War ' s nicht so in Frau Hadwigs Augen zu lesen ? Er stand auf , stark , groß , frei - so hatte sie ihn noch nie gesehen ... Aber es war nur eine Sekunde , noch war kein Laut vom Sturm des Herzens über die Lippen geflohen , da fiel sein Blick auf das dunkle Kreuz von Ebenholz , das Vincentius einst in seiner Turmstube aufgehängt : » Es ist der Tag des Herrn , und du sollst heute reden vor dem Volk ! « - die Erinnerung an seine Pflicht schlug alles nieder ... Es kam einmal ein Frost am Sommermorgen und Halm und Blatt und Blüten wurden schwarz , bevor die Sonne drüber aufging ... Zag wie ehedem , ergriff er Frau Hadwigs Hand . » Wie soll ich meiner Herrin danken ? « sprach er mit gebrochener Stimme . Sie schaute ihn durchbohrend an . Der weiche Zug war vom Antlitz entflogen , die alte Strenge lagerte wieder auf der Stirn , als wolle sie antworten : » Wenn Ihr ' s nicht wißt , ich werd ' s Euch nicht verkünden « - aber sie schwieg . Noch hielt Ekkehard ihre Rechte gefaßt . Sie zog sie zurück . » Seid fromm und tapfer ! « sprach sie , aus dem Gemache schreitend . Es klang wie Hohn ... Kaum länger als einer braucht , um das Vaterunser zu beten , war die Herzogin bei Ekkehard gewesen , aber es war mehr geschehen , als er ahnen mochte . Er schritt wieder in der Turmstube auf und ab ; » Du sollst dich selbst verleugnen und dem Herrn nachfolgen « : so war ' s in Benedikts Regel in der Zahl der guten Werke mit aufgezählt - er wollte schier stolz sein auf den Sieg , den er über sich errungen , aber Frau Hadwig war gekränkt die Stufen der Wendeltreppe hinabgestiegen , und wo ein hochfahrend Gemüt sich verschmäht glaubt , da sind böse Tage im Anzug . Es war die siebente Stunde des Morgens , da hielten sie im Hof von Hohentwiel den Gottesdienst vor dem Auszug . Unter der Linde war der Altar aufgeschlagen , die geflüchteten Heiligtümer standen drauf zum Trost der Gläubigen . Der Hof erfüllte sich mit Gewaffneten , Mann an Mann standen die Rotten der Streiter , wie Simon Bardo sie abgeteilt . Wie dumpf Gewitterrollen tönte der Gesang der Mönche zum Eingang . Der Abt der Reichenau , so das schwarze Pallium mit weißem Kreuz übergeworfen , zelebrierte das Hochamt . Hernach trat Ekkehard auf die Stufen des Altars ; bewegt gleitete sein Auge über die Häupter der Versammelten , noch einmal zog ' s ihm durch die Erinnerung , wie er vor kurzer Frist im einsamen Gemach der Herzogin gegenübergestanden , dann las er das Evangelium vom Leiden und Tod des Erlösers . Mählich ward seine Stimme klar und hell , er küßte das Buch und gab ' s dem Diakon , daß er ' s zurücklege auf daß seidene Kissen ; sein Blick flog gen Himmel - dann hub er die Predigt an . Lautlos horchte die Menge . » Schier tausend Jahre sind vorüber « , rief er , » seit der Sohn Gottes sein Haupt am Kreuzesstamm neigte und sprach : Es ist vollbracht ! Aber wir haben der Erlösung keine Stätte bereitet in unsern Gemütern , in Sünden sind wir gewandelt und die Ärgernisse , die wir gaben in unserer Herzenshärtigkeit , haben gen Himmel geschrieen . Darum ist eine Zeit der Trübsal emporgewachsen , blanke Schwerter blitzen wider uns , heidnische Ungeheuer sind in christliches Land eingefallen . Aber statt zürnend zu fragen : Wie groß ist des Herren Langmut , daß er solchen Scheusalen die