Sie in meiner Brust ? Fühlen Sie nicht , trotz aller Kämpfe , daß Sie mich lieben ? daß wir nicht glücklich sein können ohne einander ? daß Sie mein sind und mein bleiben müssen ? daß ich Sie nicht lassen kann und werde ? Sprechen Sie ein Wort , Therese , nur das eine Wort , und Sie geben mir Leben und Glück und Ruhe wieder . Er hatte sich bei den letzten Worten zu ihr geneigt und schloß sie an seine Brust . Das erweckte sie aus dem traumhaften Sinnen , mit dem sie auf seine Worte gelauscht hatte . - Die Sprache seiner Liebe überwältigte ihr Herz , ein nie gekanntes Glück erfüllte sie , alle Vorsätze , alle guten Entschlüsse waren vergessen . Vergessen waren Caroline und die Versprechungen , die sie ihr aus vollster Ueberzeugung geleistet . Alfred war da , sie sah ihn wieder , er liebte sie , er bot ihr seine Hand ! Das Glück winkte ihr , nur ein Wort von ihrem Munde und sie stand am Ziele ihrer heißesten Wünsche . Ihre Arme erhoben sich , den Geliebten zu umfangen , ihre Sehnsucht zog sie , an seinem Herzen auszuruhen von ihren Leiden , aber hart und mächtig mahnend rief die Stimme ihres Gewissens sie zurück und erbleichend machte sie sich aus seinen Armen frei . Nicht um solche Worte zu hören , habe ich Sie zu sehen verlangt , sagte sie seufzend und stockte aufs Neue ; nicht dazu ! wiederholte sie tiefaufathmend ; und freier und wärmer werdend , fügte sie hinzu : Ich habe Frau von Reichenbach gesehen , sie war bei mir , sie verlangt , daß ich ihre Fürsprecherin bei Ihnen werde . Unmöglich ! rief Alfred , sie hätte es gewagt , sich Ihnen zu nähern , nach der Beleidigung , die sie Ihnen angethan ? Nein ! unterbrach ihn Therese , nein ! Sie irren ! Ihre Frau ist nicht dabei im Spiele , sie wußte nichts von der Unwürdigkeit , sie war davon überrascht , sie ist ihr völlig fremd . Aber - Ihre Frau bittet Sie um Vergebung , sie verlangt von ihrer Großmuth Nachsicht . O , Sie wissen es nicht , wie es mir das Herz zerriß , eine Frau zu sehen , die ihren Gatten , ihren Sohn wiederfordert , von mir wiederfordert , sagte sie erröthend . Wie heilig klang mir der Name einer Gattin , einer Mutter aus ihrem Munde ! Ich fühlte , daß diese Bande unauflöslich sind , daß sie allein Achtung fordern , daß sie Alles ausgleichen , Alles austilgen müssen , daß kein anderes Verhältniß vor ihnen bestehen darf . Ich hätte mein Herzblut hingeben mögen , um Ihrer Frau genug zu thun , wenn ich allein es bin , die Sie von ihr entfernt hat ! Alfred lächelte mit bitterem Hohn . Wie täuscht Sie Ihr großmüthiges Herz ! sagte er . Wie wenig kennen Sie diese Frau , wie wenig verdient sie das Opfer , das Sie ihr bringen wollen ! Sie mag gefehlt haben , Fehler haben , unterbrach ihn Therese , die durchaus vollenden wollte , was sie für ihre Pflicht hielt , aber sind wir frei von Schuld ? Sie will auf sich wachen . Alfred , haben Sie Erbarmen mit ihr und mit mir ! - Sie ist die Mutter Ihres Sohnes ; wie wollen Sie sich an dem geliebten Kinde erfreuen , ohne liebend der Frau zu denken , die es Ihnen geboren hat ? - Sie bieten mir Ihre Hand , Sie wollen Ihre Frau verstoßen . Aber kann ich Ruhe finden bei dem Bewußtsein , daß mein Glück auf den Trümmern Ihrer Ehe gegründet wird und daß Ihre Frau der Stunde flucht , die uns verbindet ? Lassen Sie uns das Beispiel der Seelengröße nachahmen , die Sie so oft und so begeistert geschildert haben , lassen Sie uns entsagen . Kehren Sie zu Ihrer Frau zurück , geben Sie Ihrem Sohne die Mutter , mir und sich die Achtung vor uns selbst wieder , nehmen Sie den Fluch der Schuld von uns ! Alfred hörte ihr lautlos zu . Was sie von ihm verlangte , was sie ihm als Pflicht vorhielt , er beachtete es kaum . Daß sie ihn liebe , hörte er allein in ihren Worten ; sie schien ihm schön und schöner zu werden und nie zuvor hatte er sie stärker und zärtlicher geliebt , als in dem Augenblicke , da sie mit solcher Selbstverleugnung , mit so edler Wärme zu ihm sprach . Noch einmal und immer wieder schilderte er ihr das Glück , das sie ihm gewähren könne , das Leid seiner unglücklichen Ehe mit Caroline . Waren Sie ohne Schuld daran , haben Sie die Nachsicht für sie gehabt , die eine solche Frau von Ihnen fordern durfte ? Sie sind mit einem heimlichen Widerstreben die Ehe eingegangen , hat dies Bewußtsein Sie niemals ungerecht gegen Ihre Frau gemacht ? - Und wenn es wirklich wäre , wie Ihre Frau behauptet , wenn es mein unseliges Bild gewesen wäre , welches störend zwischen Ihnen und Caroline gestanden hätte , wenn ich unbewußt die Schuld trüge an Ihrem Unglück , gönnen Sie mir den Trost , versöhnend zwischen Sie und Ihre Frau zu treten . Gönnen Sie mir die Hoffnung , mein theurer , lieber Freund ! daß ich es bin , daß die Achtung vor mir und vor sich selbst es ist , die Sie zu Ihrer Frau zurückführt , die Ihrem Sohne die Eltern wieder zusammenführt . Umsonst ! ihre Bitten scheiterten an Alfred ' s Ueberzeugung , daß er mit seiner Frau nicht glücklich werden könne . Er verbarg der Geliebten die Ansichten ihres Bruders nicht , aber dennoch forderte er die Erfüllung seiner Wünsche , dennoch beharrte er darauf , daß er es nicht ertragen könne , in der Unwahrheit zu leben , zu der die Vereinigung mit seiner Frau ihn zwinge .