indem sie das Gesicht mit ihrem Schurzfleck bedeckete . » Vaterich brenne mein Herze ! « Trat also näher zog ihr den Schurzfleck fort und sprach : » Wiltu mich denn noch einmal zu Tode grämen ? « worauf sie ihre Augen mit den Händen bedeckete und lamentirete : » ach Vater , warumb bin ich hier nicht gebrennet ? so hätte meine Pein doch nur eine kurze Zeit gewähret , nun aber währet sie so lange ich lebe ! « That noch immer als merkete ich nichtes und sprach : » Warumb leidest du denn so viel Pein mein liebes Kind ? « worauf sie zur Antwort gab : » ich habe mich so lange geschämet es Ihme zu sagen , umb den Junker , umb den Junker , mein Vater , leide ich so viele Pein ! Er gedenket mein nit mehr und verachtet mich , obwohl er mich gerettet , denn sonst wäre er wohl ein wenig vom Roß gestiegen und hineinkommen , aber wir seind ihm viel zu schlecht ! « Und hube ich nun zwar an , sie zu trösten und ihr die Gedanken auf den Junker auszureden , aber je mehr ich tröstete , je ärger wurd es . Doch sahe ich , daß sie noch heimblich eine steife Hoffnung hatte von wegen dem Adelsbrief , den ich ihme hatte thun müssen . Solche Hoffnung wollte ich ihr auch nicht benehmen , dieweil ich sie selbsten hatte , besondern , umb sie nur zufrieden zu stellen , flattirete ich letzlich ihrer Hoffnung , worauf sie auch etzliche Tage geruhsamer wurde , und nicht wieder auf den Berg lief , wie ich ihr verboten . Nahm auch ihre kleine Pate , die Paasschin wieder im Katechismus für , angesehen der leidige Satan sie mit des gerechten Gottes Hülfe nunmehro wieder gänzlich verlassen . Doch quinete2 sie noch und sahe also blaß aus wie ein Laken . Als aber bald hiernach das Geschreie kam : Niemand in der Burg zu Mellenthin wisse , wo der Junker verblieben , und vermeine man , daß er todt geschlagen wäre , nahm ihr Jammer wieder überhand , also daß ich meinen Ackersknecht zu reuten nacher Mellenthin schicken mußte , umb Kundschaft von wegen ihme einzuhohlen . Und hat sie wohl an die zwanzig Malen nach seiner Wiederkunft aus der Thüren und über das Hackelwerk geschauet , ist ihm auch bis an die Ecke gegen Pageis entgegengelaufen , als sie letzlich sahe daß er wiederkam . Aber , du lieber Gott , er brachte uns bösere Nachricht , denn das Geschreie uns gebracht , sagende : die Burgleute hätten ihm verzählet , daß ihr junger Herre gleich noch selbigen Tages abgeritten , als er die Jungfer gerettet . Und wär er zwar nach dreien Tagen zur Begräbnüß seines Vaters retourniret , aber auch gleich hierauf wieder abgeritten , und hätten sie nunmehro an die fünf Wochen weiter Nichtes von ihme gehöret , wußten auch nicht wohin er gefahren und vermeineten , daß ihn böse Lotterbuben wohl geschlagen hätten . Und nunmehro hube mein Jammer größer an , denn er jemalen gewesen ; denn so geduldig und gottergeben sie sich vorhero erwiesen , daß keine Märtyrin hat mügen stärker in Gott und Christo ihrem letzten Stündlein entgegen gehen , so ungeduldig und verzweifelt war sie anjetzo . Hatte alle Hoffnung aufgeben , und sich steif in den Kopf gesetzt , daß in dieser schweren Kriegszeit die Schnapphanichen den Junker geschlagen . Nichtes wollte davor helfen auch das Beten nit , denn wenn ich mit ihr auf meinen Knieen den Herren anrief , fing sie letzlich immer an so erschröcklich zu lamentiren , daß sie der Herre verstoßen , und sie nur zum Unglück auf Erden erwählet sei , daß es mir wie ein Messer mein Herze durchschnitt , und mir die Gedanken mit denen Worten vergingen . Lag auch des Nachts und winselte wie eine Schwalbe und ein Kranich und girrete wie eine Taube , und ihre Augen wollten ihr brechen3 , dieweil sie keinen Schlaf darinnen bekam . Rief ich ihr dann aus meinem Bette zu : » mein liebes Töchterlein , willtu denn noch nit aufhören , so schlafe doch ! « so gab sie zur Antwort : » schlaf Er nur mein Herzensvater , ich kann nit schlafen , ehe denn ich den ewigen Schlaf schlafe ; ach mein Vater , warumb bin ich nicht gebrennet ? « Aber wie hätte ich schlafen mügen , da sie nicht schlafen kunnte ; sagte zwar alle Morgen , daß ich etwas geschlafen , umb sie zufrieden zu stellen ; aber es war nicht also , besondern wie David schwemmete ich auch mein Bette die ganze Nacht und netzete mit meinen Thränen mein Lager4 . Verfiel auch wieder in großen Unglauben , also daß ich nicht beten kunnte und mochte . Doch der Herre handelte nicht mit mir nach meinen Sünden und vergalt mir nicht nach meiner Missethat , besondern seine Gnade sollte auch über mir elenden Knecht bald höher werden , denn der Himmel über der Erden5 . Denn was geschah am nächsten Samtstag ? Siehe unsere alte Magd kam außer Athem in die Thüre gefahren : daß ein Reuter über den Herrenberg käme , hätte einen großen Federbusch an seinem Hut wehende , und glaube sie , es wäre der Junker . Als mein Töchterlein so auf der Bank saß umb sich ihre Haare auszukämmen , solches hörete , thät sie einen Freudenschrei , daß es einen Stein in der Erden hätte erbarmen mügen , und rannte alsogleich aus der Stuben , umb über das Hackelwerk zu schauen . Währete auch nit lange , so kam sie wieder zurücke gelaufen , fiel mir umb meinen Hals und schriee in einem wegk : » der Junker , der Junker ! « wollte darauf abereins herausihme entgegen , was ich ihr aber wehrete , und sölle sie sich lieber ihre Haare wegkstecken , was sie auch einsah und lachende weinende und