Geräthschaften für weibliche Arbeit eine Visitenkarte des Doctor Meier , auf welche mit Bleistift das Datum eines der letzten Tage und die Worte geschrieben standen : Bedauert , die Einladung der Frau Commerzienräthin Horn für heute nicht annehmen zu können . Eine politische Broschüre lag aufgeschlagen neben dem Kästchen ; sie gehörte ebenfalls dem Doctor Meier , wie die von seiner Hand geschriebenen Anmerkungen in derselben verriethen . Von all jenen eleganten Kleinigkeiten , die William seiner Cousine geschenkt , schien sie keinen Gebrauch zu machen , denn sie standen in kalter Ordnung neben einander auf einer der Etagèren aufgerichtet , wo sie nur die Hand des Hausmädchens gesäubert und Clara ' s Auge vielleicht niemals getroffen haben mochte . Das that William wehe und machte ihn unmuthig und nachdenkend , so daß er fast erschrack , als er endlich die Stimme seiner Tante hörte . Eilig stand er auf und ging den Damen entgegen . Mit einem : Willkommen , mein Sohn ! umarmte ihn die Commerzienräthin und , gegen Clara gewendet , fügte sie hinzu : Nun , da ist er ! Ich will wie eine ächte Romanmutter , die ich Euch immer war , den zärtlichen Erguß Eurer Herzen nicht stören und erwarte Euch erst in einer halben Stunde in meinem Zimmer . Es ging aber der sonst so klugen Frau , wie allen sehr förmlichen , gemessenen Leuten , die , wenn sie einmal unbefangen und herzlich scheinen wollen , meist völlig aus der Rolle fallen und die ungeschicktesten Verstöße begehen . Clara und William standen sich verlegen gegenüber , beide gepeinigt durch die unvortheilhafte Lage , in der sie sich befanden . William hatte statt einer zärtlichen Braut , die ihn liebend begrüßte , sehnsüchtig nach ihm verlangte , ein Mädchen vor sich , das ihn mit scheuer Zurückhaltung behandelte und offenbar eher erschreckt , als erfreut durch seine Anwesenheit war . Er fand Clara verändert , und um nur aus dem peinlichen Schweigen herauszukommen , fragte er : Warst Du krank , mein Clärchen ? Du bist so bleich , so still . Und freut es Dich denn gar nicht , daß wir beisammen sind ? O gewiß , lieber Cousin ! antwortete sie , es freut mich von Herzen , daß Dein Vater hergestellt ist und daß Du zu uns zurückkehren konntest . Lieber Cousin ? und weiter Nichts ? rief William scherzend , Mein Clärchen , das klingt doch wirklich zu cousinenmäßig , und selbst eine Cousine hätte mir längst ihren Mund statt der Hand zum Willkomm reichen müssen . Er schloß sie in seine Arme und küßte sie , trotz ihres Widerstrebens , herzlich . Ah , rief er , das ist ein ander Ding , nun lebe ich erst wieder ! nun weiß ich , daß ich hier bin und wozu ich wieder hier bin . Wenn Du wüßtest , Clärchen , wie meine Eltern sich freuen , Dich bald als Tochter zu begrüßen ! Mein Vater will , wenn seine Kräfte es erlauben , selbst bei unserer Hochzeit gegenwärtig sein , und ich habe ihm versprochen , daß wir auf ihn warten , wenn er sich ein wenig mit seiner Erholung beeilt . Und wie weit ist diese vorgeschritten ? fragte Clara , froh , das Gespräch von der bisherigen Richtung ablenken zu können . William aber deutete diese Frage nach seinem Sinne und antwortete tändelnd : So weit , mein Fräulein , daß Sie ihr Hochzeitskleid bestellen und Ihr Reisekostüm anordnen müssen ; denn so lieb mir Deutschland und seine Sitten geworden sind , nach der Trauung geht es fort , und unsern Honigmonat verleben wir in England , bei uns auf dem Lande . In der Freude seines Herzens bemerkte William nicht , wie er ganz ausschließlich die Kosten dieser Unterhaltung trug , während Clara mit schlecht verhehltem Bangen seinen Worten zuhörte und nur dann und wann eine gleichgültige Frage dazwischen warf , bis das Eintreten ihrer Mutter sie befreite . Natürlich war eine der ersten Fragen , welche die Commerzienräthin an ihren Neffen richtete , nach dem Ergehen ihres Sohnes , weil dieser die Zeit seiner Heimkehr von Monat zu Monat gegen seines Vaters Wünsche hinausgeschoben hatte . Ferdinand ist gesund , berichtete William ; fügte aber mit einer gewissen Zurückhaltung hinzu : ich zweifle jedoch , ob er freiwillig sobald zurückkehrt , als Sie es wünschen , liebe Tante . Und was ist es , was ihn davon abhält ? Was fesselt ihn so sehr ? Eine Schwäche , falls man eine Leidenschaft so nennen darf , mit der man Nachsicht haben müßte , wenn sie einem würdigeren Gegenstande zugewendet wäre . Die Commerzienräthin gab ihrer Tochter ein Zeichen sich zu entfernen , dann nöthigte sie William , sich zu ihr zu setzen , und verlangte , daß er ihr rasch und unumwunden sage , was sie wissen müsse . Die Angst der Mutter machte William vorsichtig . So schonend als möglich theilte er ihr mit , wie Ferdinand gleich bei seiner Ankunft in England die Bekanntschaft einer schönen aber übel berufenen Frau gemacht habe , welche seine Geliebte geworden sei und ihn in seinem Hange zur Verschwendung bestärke , nachdem sie ihren frühern Geliebten , einen jungen Mann vom Stande , ruinirt und verlassen habe . Sie hat Ferdinand vorgespiegelt , erzählte William , um seinetwillen und nur aus Liebe für ihn mit ihrem ersten Verehrer gebrochen zu haben , der , wie sie behauptet , ihr die Ehe versprochen hatte , und Ferdinand ist in einer unglücklichen Stunde so thöricht gewesen , ihr schriftlich eine eben solche Zusicherung zu geben , die er später in Gegenwart ihrer und seiner Bekannten wiederholt hat , und auf deren Erfüllung sie jetzt dringt , ohne von irgend einem Vergleich oder einer Abfindung hören zu wollen . William hielt inne , weil er sah , wie schwer die Nachricht seine Tante traf . Nur weiter , weiter ! bat sie , als sie das Zaudern ihres Neffen