und deuten und deuteln , und bringen es am Ende zur sonnenklaren Evidenz , daß diese Frau die begehrungswürdigste auf dem Erdboden ist . Ja doch ! ... wo es eine unglückliche Frau giebt , - jung und hübsch , comme de raison ! - da fehlt ein halbes Dutzend ritterlicher Männer nicht , welche sich die Ehre streitig machen , dieser holden Augen Thränen zu trocknen , dieser frischen Lippen schmerzliches Zucken in süßes Lächeln zu wandeln . Sie sind ja die gebornen Beschützer der Schönheit - die edlen Männer ! - O diese Eine ! ich will ja gar nicht weinen , weil ich gerade unter der Million es sein mußte ; ich weine nur , weil überhaupt solch Elend auf dieser schönen Welt statt findet . » Aber damals weinte ich über mich . Ich kam mir selbst unmenschlich entwürdigt vor durch die Leidenschaft , die ich erregte , ohne sie zu theilen , und das Geschöpf , welches der Mann mit dem Fuß vom Sopha auf die Straße schleudert , schien mir weniger erniedrigt , als ich mich fühlte ; - denn es steht außer dem Gesetz , denn es macht keinen Anspruch auf Ehre ; aber ich , unter dem Schirm des Gesetzes , umringt von jeder Schutzwehr , welche der Ehre heilig , jung , unverdorben , sittlich rein , ich sah mich plötzlich in der Gewalt eines Menschen , dessen furchtbares Recht über mich dadurch geheiligt sein sollte , daß er in einer Kirche vor vielen Zeugen gelobt hatte , es immer zu üben . Was ging das mich an ? ich mußte ihm das Recht geben : nur so begriff ich es ! nur so konnte es nicht entadelt werden . Ich sah bisweilen die Leute ganz erstaunt an , wenn sie mich mit Achtung behandelten - die übrigens der vornehmen , reichen Frau nie fehlt - ich hätte fragen mögen : was fällt euch ein ! der willenlose , dumpf gehorchende Sclav , zählt der mit in der menschlichen Wesenreihe ? und steht mir ' s nicht wie ein Brandmal auf der Stirn , daß ich Sclavin bin ? Ich hüllte mich in meinen Gram wie in ein Panzerhemd , und waffnete mich mit meiner Erbitterung wie mit einem scharfen Schwert , und behandelte die Männer mit einem Uebermuth , mit einer Verachtung , vor welcher sie in den Staub fielen und in Anbetung geriethen . Aber ich , die weit sehnlicher wünschte , einen Gegenstand der Liebe und Verehrung zu finden , als es zu sein , zerfiel mit mir selbst immer unheimlicher , immer tiefer , je greller der Widerspruch zwischen der äußern Erscheinung und dem innern Sein sich gestaltete . Ich wurde von meinem Mann geliebt , und empfand für ihn den unbesieglichsten Widerwillen . Die Welt huldigte mir , indessen ich mir selbst verächtlich vorkam . Man pries meine Verhältnisse glücklich und beneidenswerth , und ich fühlte mich in ihnen unaussprechlich elend . Hätte ich wenigstens den Trost gehabt , Obernau etwas über sein leeres , wüstes Treiben zu erheben , so würde mir das einigen Muth eingeflößt haben . Doch die Sclavin dient dem Gebieter nur , wenn er es befiehlt ; außerdem ist sie ein Spielwerk , welches unbeachtet im Winkel steht . Ich will gern glauben , daß es mir auf einem gewissen Wege sehr leicht geworden wäre , unumschränkte Herrschaft über ihn zu gewinnen ; allein , konnte ich meinen Gemahl nicht ehren , so mochte ich ihn doch wenigstens nicht beherrschen , nicht diese Flitterkrone für den Preis erkaufen , den er darauf gesetzt haben würde . Ich ging meine Wege , er ging die seinen . Er bekümmerte sich gar nicht um mich , sobald ich nur zu gewisser Stunde nicht fehlte . Ich war ja seine Frau und er liebte mich ! folglich , welche Ehre für mich ! » Ich war immer mit Männern umgeben ; ich ritt mit ihnen , ich fuhr mit ihnen , ich schwatzte mit ihnen , nicht weil sie mir gefielen , sondern weil sie sich an mich drängten , und weil ich gegen sie impertinent sein oder sie ganz ignoriren durfte , kurz , weil sie nicht die Rücksichten heischten , welche zum Umgang mit Frauen erforderlich , und weil überdies Obernaus beide Schwestern mir das eigene Geschlecht noch mehr verleideten , als er selbst das männliche . Die eine war in meinem Alter und verheirathet , eine dürftige , enge Natur , welche sich nicht darüber zufrieden geben konnte , daß mein Fuß kleiner und mein Auge größer als das ihre war . Die andre , ein junges Mädchen von vierzig Jahren , hatte vor Zeiten ein Leben geführt , welches die Bewerber um ihre Hand nothwendig , trotz ihres Vermögens , abschrecken mußte . Jetzt reizlos , früh gealtert , kränklich , sprach sie von ihrem nie verstandenen Herzen , welches sie ganz dem lieben Gott zugewendet habe , weil kein Mensch dieses Kleinods werth sei . Gewiß ist es , daß kein Mensch den lieben Gott um dies Kleinod beneidet hat , und daß die äußerlich werkthätige , innerlich sterile Frömmigkeit meiner Schwägerin Crescenzie mich gemahnte wie eine Schaale lauwarmen Wassers , worin man vorsichtig die Fingerspitzen wäscht und sie dann säuberlich mit einem Battisttüchlein abtrocknet , aber nicht wie ein frisches , kühles , stärkendes Bad , worein man sich begierig stürzt , um den Staub des Lebens abzuwaschen . Meine Schwägerin Naudine ging umher , die Leute fragend , ob sie je eine Person gesehen , welche mir an Koketterie , Eitelkeit und Leichtsinn gleich käme , und meine Schwägerin Crescenzie erzählte den Leuten wehklagend , mit gen Himmel gehobenen Augen und Händen , wie unglücklich ich ihren Bruder mache . » Freilich war er nicht glücklich , der arme Obernau , doch ich hätte ja ein ganz andres Wesen sein müssen , als ich war , um ihn zu beglücken . Das hatte ich dunkel geahnt ,