noch zu teuer , er habe sie einem fremden Mann verkauft , und kein Mensch sei ja dabeigewesen , der etwas ausplaudern konnte . Hatte er das so recht sich festgestellt , so tauchte bald wieder etwas Unheimliches in ihm auf , das sagte ihm , es sei doch nicht recht , und was er da aussinne , seien nur Ausreden des Teufels , nur Versuche , einer Schelmerei ein schönes Mänteli umzuhängen . Er begann sich zu erinnern aus früheren Zeiten , daß er damals für sein Wüsttun auch gerade solche Ausreden gehabt und sich selbst eingeredet habe , er tue von Gott und Rechts wegen wüst . Es fiel ihm ein , wie er schon früher einen ähnlichen Kampf bestanden und die Ehrlichkeit ihm wohl bekommen . Und mehr und mehr erhob sich in ihm das Bewußtsein , es solle ihm niemand etwas vorzuhalten haben ; er wollte unbescholten , untadelich sein , damit er mit ungebrochner Kraft gegenüber den Andern Meisterknecht sein könne . Er fühlte es in sich : wenn er diese Untreue begehe , so sei er schon nicht mehr der Gleiche ; er müßte vieles übersehen , er hätte das Herz nicht mehr , gegen die Andern aufzutreten , weil er sich als ihresgleichen fühle . Und wenn es ihm auskäme , welch Gesicht sollte er machen ? Wie würden die Andern frohlocken ! Welche Schmach würde ihn überfluten ! ( Der gute Uli konnte es einem fast glaublich machen , die gegenwärtige Schonung des Lasters habe ihren Grund nicht in christlicher Milde , sondern in schlechtem Gewissen - ein Schelm hängt selten gerne einen andern Schelm , er müßte ja denken : Heute dir , morgen mir ) . Vor Gott könnte er es ja auch nicht verantworten , dachte er , und wie kindlich zu Gott beten mit solcher bewußter Untreue auf dem Gewissen ? Nein , das wolle er nicht tun , dachte er und ließ die drei Neutaler aus den Fingern fahren , pfiff munter ein Liedchen , bis er zu einem Wirtshause kam . Da stellte er seine Kühe an Schatten , setzte sich hinter einen Schoppen , ließ sich etwas Warmes geben , ein Schnäfeli Fleisch , und ließ die größte Hitze vorübergehen . Unerwartet früh und wohlgemut kam er heim . Seine Ware wollte man ihm nicht besonders rühmen . Es komme auf den Preis an , meinte Joggeli , und mit so magerer Ware wisse man nie , wie es einem gehe . Die einen würden so zäh , daß sie nicht mehr nachzufüttern seien . Daneben wolle er nichts sagen , sondern zuerst hören , was sie kosten . Uli mußte ins Stübli , legte dort Rechnung ab frank und wohlgemut und zählte das erhaltene und gewonnene Geld vor . Joggeli horte mit wunderlichem Gesicht zu , verwunderte sich über den guten Handel , meinte aber , ob er aus den Kühen nicht noch mehr gelöst , wenn er sie bis nach Bern genommen ? Indessen seien sie gut bezahlt ; die gekauften seien auch nicht teuer , in , dessen wisse man noch nicht , wie es mit ihnen gehe . Das Trinkgeld , das Uli auch dargelegt , solle er mit dem Melcher teilen und seinen Teil an die Kosten rechnen . Jä , sagte Uli , das verstehe er nicht so ; er sei gesinnet , die Kosten ihm anzurechnen , denn er habe ihn geschickt , und solche Auslagen zahlten allenthalben die Meister . Da komme bei dem weiten Märitgeläufe nicht viel heraus , sagte Joggeli und bezahlte mit Widerstreben die wenigen Batzen . » Du bist doch beim Schieß eWüeste , « sagte die Frau , als Uli heraus war . » Der hätte einen Neuentaler aus deinem Sack verdient , und jetzt willst du ihm noch das Trinkgeld abzwacken . So verderbst du alle Diensten , es ist keine Freude , dir helfen zu husen . « » Meinst du , das sei etwa ein guter Schick gewesen und Uli schuld daran ? Jä jere nei ! Ich habe einen gesandt , der hat ihm auf meinen Gunten die Kühe abgekauft ; ich habe nadisch wissen wollen , ob er mich betrügt oder nicht . « » Du bist doch der wüstest Hung « sagte die Frau . » Und jetzt ist es dir noch leid , daß er nicht ein Schelm an dir gewesen ist ! Nei , das hat auf my armi türi afe kei Gattig ! Statt daß du am lieben Gott danken solltest , e Sellige z ' ha , willst du ihn noch zum Schelm machen . Nimm dich in acht ; wenn er dich merkt , so gheit der dir den Bündel an den Kopf , daß der dir dein Lebtag wackelet . « Es ging nicht lange , so kam Uli zum Meister mit der Frage : Wann man anfangen wolle zu heuen ; es düech ihn , es wäre Zeit , daran zu denken . » Du bist ein ewiger Käri ; es hat ja noch niemand angefangen , und ich habe nie gemeint , daß es gut sei , in allem der Erste zu sein . « » Ja , « sagte Uli , » wir können nicht auf andere Leute sehen , wir haben weitaus am meisten zu heuen , und wenn wir nicht beizeiten anfangen , so sind wir bald ein ganzes Werk hinter allen drein . Wenn man einmal im Hinderlig ist , so kömmt man nie nach und hat am bösten dabei . Das ist akkurat gleich wie beim Militär , die Hintersten müssen am härtesten laufen , und versäumen sie sich ein bißchen , so kommen sie gar nicht mehr nach , und wenn man im Hinderlig mit dem Geld ist , so düecht mich , bschüß keis Huse nüt . « Joggeli sperrte sich , drehte , doch mußte er diesmal der Erste anfangen . Uli war gewohnt , mit gutem Werkzeug zu arbeiten