, was so in ihrer Nähe sich verdächtig bewege ; aber das Fenster war , der Sicherheit wegen , von den Dienern zu fest verschlossen , sie konnte es ohne Hülfe nicht auftun . Jetzt , indem sie wieder an der Wand mit Aufmerksamkeit horchte , kam es ihr ganz deutlich vor , als vernähme sie das Aufatmen eines Schlafenden . Sie konnte nicht länger zweifeln , da dieses Atmen bald in Röcheln , und dann in Schnarchen überging . Die Töne waren aber nicht , wie im Freien , sondern hallten , wie in einem engen Gemach : und doch wußte sie , daß kein Zimmer mehr neben diesem Saale sei . Indem sie so , nicht ohne Besorgnis , an der langen Wand hin und her tappte , fühlte sie mit der Spitze des Fingers plötzlich ein Knöpfchen , nicht größer und dicker als etwa eine Linse , unkennbar in der Mauer , mit Farbe überstrichen - und sowie sie den Druck stärker wiederholte , öffnete sich plötzlich ohne Geräusch die Wand . Sie sah in der Dämmerung , daß dennoch dort , wo sie die Straße glaubte , noch ein schmales Gemach sich befinde , aus welchem jetzt viel deutlicher das regelmäßige Getöne des fremden Schlafenden erscholl . Sie zögerte einen Augenblick , ob sie die Diener wecken und rufen solle , Mitternacht war längst vorüber und die unerwartete , seltsame Entdeckung hatte ihren Sinn befangen . Doch nahm sie nach kurzem Besinnen die Lampe in die Hand und schritt hinein . Wie erstaunte und erschrak sie , als sie dort ihren Bruder , den verbannten Marcello , in einem Sessel schlafend fand . - Sie setzte die Lampe auf den kleinen Tisch und weckte dann den Träumenden , der sich lange nicht aus seiner Schlafbetäubung finden konnte . » Du ? Schwester ? « rief er dann , » hier ? du hast das Kunststück auch entdeckt ? « - Er mußte erzählen , warum und wie er in die Stadt gekommen sei . » Ei ! « sagte er auf seine gleichgültige Weise , » ich bin schon oft heimlich in eurem Hause gewesen , und dein freundlicher kleiner Peretti logiert mich immer in das niedliche Gartenhaus , zu welchem er dann selbst die Schlüssel behält . Auch Ursula weiß es jedesmal , wenn ich hier bin , und hilft mir herein und heraus . Dabei ist die gute Alte so schweigsam wie das Grab . Wie ich nun neulich wieder einmal im Hause bin , was aber nur die Alte für diesmal wußte , vergißt mich das gute Tierchen , ich irre in dunkler Nacht herum , gerate in den Saal hier , kollre gegen die Wand und entdecke unverhofft diesen niedlichen Versteck . Den hat sich damals , als er sein Haus für sich selbst baute , dein feiner Schwiegervater angelegt , und keinem Menschen ein Wörtchen von diesem Geheimnis gesagt . Man kann durch diese dünne Wand alles hören , was im Saal gesprochen wird , so kann man durch Baum und Gesträuch versteckt , die auf der Gasse stehn , auch durch die verhüllten Fensterstäbe jede Silbe hören , die sie draußen im Freien reden . So mag der Alte damals manches erlauscht haben . Jetzt wohnt er da oben , um euch diesen kleinen Palast zu geben . Heute schlich ich wieder herein und verspätete mich , und so mußte ich notgedrungen alle eure Konversation und deine Tollheiten , Schwester , mit anhören . Jetzt aber , da Ursula doch wohl schläft , werde ich durch den Garten und über die Mauer den Rückweg suchen müssen , da du die Hausschlüssel nicht hast . « Die unsichtbare Tür wurde leise und fein wieder zugemacht , und als Marcello schon im Garten war , kehrte er noch einmal um , und raunte der Schwester zu : » Hüte dich nur vor der Schlange , dem Farnese , der hat Böses gegen dich im Sinne ; - und dein Männchen - o der liebe niedliche Blondkopf - der ist auch ein feiner Fuchs . Traue ihm ebensowenig . « - Er entfernte sich schnell und sie blieb noch lange im einsamen Saale allein , vielerlei bedenkend . Zweites Kapitel Italien feierte wieder ein Fest , weil der Großherzog Francesco nach dem Tode seiner Gemahlin die bekannte und berüchtigte Bianca Capello öffentlich geheiratet und zur Fürstin erhoben hatte . Der Kardinal Fernando , der Bruder des Regenten , war empfindlich gekränkt , doch erschien er öffentlich als ein versöhnter Freund des Großherzogs : er war vertraut und höflich gegen die neue erwählte Gemahlin und Fürstin , und da der Senat von Venedig Bianca für eine Tochter der Republik feierlich erklärt und ihr dadurch den hohen Adel des Staates mitgeteilt hatte , so war es nicht zu verwundern , wenn berühmte und unberühmte Poeten diese Vermählung mit ihren Hymnen begrüßten . Ein schönes Gedicht ließ der arme Tasso bei dieser Gelegenheit ertönen , der schon in seinem Kerker schmachtete : warum der scheltende Sperone , der den Fürsten nicht schmeicheln wollte seine rauh klingende Leier bei dieser Gelegenheit in seinem hohen Alter stimmte , ist weniger zu begreifen , wenn sein wie in Verlegenheit stammelndes Gedicht nicht entstand , mehr um Venedig als der neuen Großherzogin gefällig zu sein . Der Herzog Bracciano äußerte sich sehr milde über diese Mißheirat und Vittoria stimmte ihm bei , obgleich sie die schmeichelnden Poeten , selbst ihren alten Hausfreund , Caporale , sehr tadelte . » Gewiß « , sagte sie , » entsteht jedes Gedicht mehr oder minder aus irgendeiner Veranlassung , und welche Unzahl vortrefflicher Meisterwerke verdanken wir diesem Aufruf und zufälligen Aufschwung ! Aber schon ist es Sitte und unerläßliche Notwendigkeit geworden , daß die Poesie sich bei jeder Standeserhöhung , bei Tod oder Geburt , Vermählung eines Fürsten und Mächtigen , bei Errichtung eines Hauses , oder noch kleineren Veranlassungen vernehmen läßt ; und wie arm , nüchtern und ungenießbar ist nun vieles