! - Großer Gott , erbarme Dich ! er schläft ! mein Vater , erwache ! Gott , wo bist Du ? Nein , nein , Du hast ihn nicht gewollt , mein Gott ; denn ich bin ja bei Dir gewesen , Du gabst mir kein Zeichen ! « So kämpfte sie mit Todesangst gegen die Ueberzeugung , die sich ihr mit der Gewalt ihrer unverkennbaren Wahrheit aufnöthigte , und erlag endlich den bloß noch in Worten ankämpfenden Zweifeln , und stürzte plötzlich mit einem Jammergeschrei , der ihrem Herzen das erste Erfassen des neuen , entsetzlichen Schmerzes gab , über dem Greise zusammen . Leonin kniete in Thränen neben ihr , und so fand der Marquis die Gruppe , als er endlich die Schwelle überschritt . » Dieser Heil ' ge hat geendet ! « rief ihm Leonin mit Schmerz gebrochener Stimme entgegen - » Gottlob , daß sie mein Weib ist ! « Ob wir den Tod , wo er seinen himmlischen Stempel abgedrückt , aushalten können , das möchte die Probe sein für manches im Bösen verhärtete Herz . Sie stehen fest gegen die Erscheinungen der Welt , deren höheres Misterium sie verlachen oder übersehen , und wissen dessen Beziehung von sich fern zu halten - aber der Tod ist die geheimnißvolle Macht , der sie sich nicht entziehen können , und haben sie auch die Brücke zerstört , die der Gläubige aus diesem Uebergange nach jener Welt baut - und trotzen sie auch dem Leben die Ueberzeugung ab , es sei in ihm der Anfang und das Ende ihres ihnen selbst gehörenden Daseins - ganz im Geheim erreicht sie doch das fürchterliche Grauen vor dem tiefen Schweigen , worin die Natur ihr letztes geheimnißvolles Geschäft hüllt , und sie können den Anblick des Todes nicht ertragen , der auf Einzelnen seine Zeichen zurück läßt , als einen sichtbaren höheren Fingerzeig . So jähling ward der Marquis hier vor den gehaßten Anblick geführt , daß er fast zweifelte , ob es sein könne , und um alle Fassung gebracht , war es mehr Zorn , als Theilnahme , was ihn zu lebhaften Aeußerungen trieb , von Allen jedoch überhört , bloß zur Nahrung seiner eigenen Stimmung . - Doch war dies Ereigniß bestimmt , Leonin zu der tiefsten Erkenntniß seiner übernommenen Pflichten zu führen . - Der Reif , den der Marquis mit dem Hauche aus der alten , lang gewohnten Welt in seine frisch duftenden Blüten gesenkt , er war zerronnen in Thränen heißen Schmerzes um den Verlust eines Menschen , wie er nur selten , unter den günstigsten Conjunkturen zu reifen vermag . - Leonin hatte ihn mit seiner durch ihn gereinigten Seele zu verstehen und zu lieben vermocht ; er wußte , er fand nie seines Gleichen wieder , und er betrauerte seinen Verlust mit tiefster Wehmuth und stärkte sein Herz für die große Aufgabe , die Fennimor ' s Loos ihm nunmehr übertrug . So neu auch alle Verhältnisse , so groß die vorliegenden und die zu erwartenden Schwierigkeiten sein mochten , sein Herz ward sein Lehrmeister , und dies giebt immer den Rath , den wir befolgt sehen von denen , die uns lieben , und welcher den Verstand und die Erfahrung zu überholen vermag , wenn es von einem wahren Gefühl erfüllt ist . Daher konnte der Marquis auch nur die kürzeste Zeit Zuschauer dieser Verwandlung bleiben , die ihn um jeden Einfluß zu bringen drohte , weil gar nicht mehr von ihm die Rede war , indem Leonin , völlig überzeugt , der Marquis könne ihm gar nicht bei so abweichenden Verhältnissen rathen , diesen auch nie aufrief , seine Meinung zu sagen , und daher sein Kommen und Bleiben zu einer Unbedeutenheit herabsank , die er bloß zu erkennen brauchte , um ihr so schnell , als möglich , ein Ende zu machen . Dessen ungeachtet mußte er , um nicht ganz ohne alle Erfolge zurückzukehren , die Ankunft des Grafen Gersey abwarten , welcher , von dem Tode des Kaplans unterrichtet , am nächsten Tage erwartet wurde . Leonin hatte nämlich jede Unsicherheit abgeworfen und war fest entschlossen , seine junge Gemahlin sogleich mit sich nach Frankreich herüber zu führen und sie nach Ste . Roche , welches er schon als sein Eigenthum ansehen durfte , zu bringen , bis er Zeit gefunden , seine Mutter von diesem Schritte zu unterrichten und , wie er hoffte , damit zu versöhnen . Er theilte diesen Vorsatz dem Marquis mit der größten Sicherheit mit und schlug jeden Einwand desselben mit der Leichtigkeit zurück , die eben so wohl fester Wille , als Unkenntniß der ganzen Größe der ihn erwartenden Schwierigkeiten war . » Eure Pläne « , antwortete der Marquis mit der stolzesten Kälte , » sind allerdings mit einer Schnelle und Sicherheit gefaßt , die es unmöglich machen , gegen sie einzuschreiten , und so lästig mir von Anfang an eine Einmischung in Eure Familien-Angelegenheiten war , so fühl ' ich sie doch dadurch noch erhöht , der Zeuge von Euren Handlungen sein zu müssen , da mir dies die Vorwürfe Eurer Mutter zuziehen wird , welche ich allerdings schwer werde überzeugen können , daß ich wirklich Beschlüsse zulassen mußte , die so Euer nothwendiges Unglück herbeiführen müssen , und die so wenig durch die Umstände gerechtfertigt werden . « » Es ist nicht Mangel an Vertrauen , « erwiederte Leonin ruhig , » daß ich Euren Rath so wenig gesucht habe , sondern das Gefühl , so und nicht anders handeln zu müssen , was durch keine abweichende Meinung umgestimmt werden konnte und jede Berathung darüber zu einer überflüssigen machte . Meine schnelle Vermählung , die meiner Gemahlin Schntz und Ansehn geben sollte , im Fall das Ereigniß , was wir jetzt so plötzlich erlebt , während meiner Abwesenheit eintreten möchte , giebt ihr das vollgültigste Recht , mich jetzt nach Frankreich zu begleiten , und ich danke Gott , daß ich ihr in ihrem tiefen und