einweihen , welches , wie ich fürchte , nur zu bald eine nicht mehr zu verbergende Oeffentlichkeit erhalten wird . Unsere Angelegenheiten in Spanien haben eine sehr ungünstige Wendung genommen , und die jahrelangen , weisen , nicht genug zu rühmenden Unterhandlungen unseres größten Geschäftsmannes , des Grafen Bristol , scheinen ganz gegen ihr Verdienst erfolglos zu werden ! - Aber um Gott , Mylord , rief hier die Herzogin erschrocken , was sagtet Ihr und alle übrigen offiziellen Nachrichten uns denn bisher so verschwenderisch vom Gegentheil ? Welche chimärische Träume waren dies , wer hat denn hier betrogen sein wollen , daß man so geschäftig war , es zu thun ? Weder das Eine , noch das Andere , antwortete der Graf ; Alles ging von Seiten des Prinzen und des Hofes in Wahrheit so vor sich , wie es uns gemeldet ward . Aber Ihr werdet Euch wohl erinnern , wie die Begleitung des Herzogs von Buckingham mich sogleich über die ganze Angelegenheit in Zweifel setzte , da es wohl unmöglich war , einen ungeschicktern und übelwollendern Begleiter für den Prinzen aufzufinden . Der Erfolg hat nun alle dadurch auch beim Grafen Bristol erregten Besorgnisse bestätigt , und schon nach den ersten Tagen war der Herr Graf , der Buckingham beobachten ließ , überzeugt , daß es der bestimmte Wille des Herzogs war , durch die zügelloseste Aufführung und die absichtlichste Beleidigung aller höheren dabei interessirten Personen , den Prinzen trotz seines eigenen makellosen Betragens in Mißkredit zu bringen . So bewundernswürdig klug Graf Bristol alle diese Dinge für den Prinzen unschädlich zu machen suchte , so wenig vermochte er doch die gerechten Befürchtungen der königlichen Familie zu unterdrücken , daß der unläugbare Einfluß dieses Mannes auf den Prinzen die Lage der Infantin höchst bedenklich machen müsse . - Woher aber dieser Einfluß so plötzlich ? unterbrach ihn hier die Herzogin ; weiß ich doch , daß der Prinz früher eine in der That nur allzu furchtbare Beleidigung ihm nie vergeben zu können glaubte , und später nur aus kindlicher Rücksicht für seinen Vater ihn ertrug , ohne doch seine Verachtung gegen ihn unterdrücken zu können . Graf Archimbald wußte entweder hierüber selbst noch nichts , oder zog vor , diese Aufklärungen nicht zu geben ; genug , er begnügte sich , seine Absicht weiter verfolgend , ruhig fortzufahren . Dessenungeachtet ist die Thatsache nicht zu läugnen , Buckingham ist im Vertrauen des Prinzen , und so doppelt mit Ansehen ausgerüstet , überschreitet seine Unverschämtheit alle Grenzen . Er hat sich dem vortrefflichen Herzoge von Olivarez , der bisher unser eifriger Freund und der Beschützer dieser Bewerbung war , öffentlich als Feind erklärt und ihn dabei so beleidigend behandelt , daß der Herzog , da man Buckingham vor der Abreise des Prinzen nicht vom Hofe entfernen darf , diesen bis dahin vermeidet . Des Grafen Bristol Einmischung hat die Sache nur verschlimmert , obwol sie mit seiner gewohnten Umsicht geschah . Denn Buckingham hat sich die abscheulichsten Ausbrüche gegen die Gesandschaft des Grafen erlaubt , und der Graf zog sehr richtig , fürchte ich , daraus den Schluß , daß des Herzogs Neid im bösesten Grade erregt sei , in Bezug auf das durch den Grafen so glücklich eingeleitete gute Vernehmen beider Höfe , und daß er dieses Verdienst nicht durch eine Vermählung noch erhöht sehen wollte . Wie dem auch sei , der Hof hat sogleich nach Abreise des Prinzen die Unterhandlungen , um höchst unbedeutender Ursachen willen , fürs Erste bei Seite gelegt , wenn man sie nicht schon jetzt richtiger abgebrochen nennen soll . Graf Bristol fühlt sich dadurch äußerst gekränkt und wünscht , wie natürlich , irgend einen neuen Anknüpfungspunkt aufzufinden . Hierzu möchte er durch Euch einige Nachrichten erhalten , die ihm jetzt wichtig werden könnten . Durch mich ? fragte die Herzogin fast spottend . Wie kann ich meinem theuern Vater , entfernt vom Hofe , gehüllt in Trauer , über diese Angelegenheiten , die auch den dort Lebenden nicht immer klar sein mögen , den geringsten Aufschluß geben ? Nein wahrlich , ich kann nur als Tochter und Engländerin seinen Unwillen theilen , aber ihm Licht über das Dunkle dieser Sache zu geben , ist außer meinem Bereich . - Es beziehen sich die Nachrichten , die der Graf wünscht , auf die Reise meines theuren Bruders , Euers Gemahls . Der Graf , dem über die eigentliche Ursache Zweifel entstanden , glaubt bei dem ausgezeichnet vertrauten Verhältniß zu Euerm Gemahl von Euch Näheres erfahren zu können . - Schwermüthig sank der Kopf der Herzogin nieder , und mit einem Seufzer hob sie an : Mylord , Ihr berührt hier eine schmerzliche Erinnerung ! Mein Gemahl durfte von mir einer Treue gewiß sein , die seine Geheimnisse , so er mich würdigen wollte , sie zu theilen , zu einem Heiligthume gemacht haben würden , an dem selbst der mächtige und stets ehrwürdige Wille meines Vaters hätte scheitern müssen . Aber ich habe bei seiner unglücklich übereilten und durch nichts gerechtfertigten Reise diesen Vorzug nicht genossen , und ich darf daher nach dem Willen meines Vaters handeln , dessen Scharfblick sich nicht trog , denn auch mir ward es eine unleugbare Gewißheit , daß ihn ein anderes Motiv , als das der Sehnsucht , meinem Vater seinen Sohn vorzustellen , trieb . Er fühlte auch selbst zu wohl , wie wenig mir dieser Grund zur Befriedigung dienen konnte , und er achtete mich und sich zu sehr , um ihn vor meinen Ohren zur Wahrscheinlichkeit aufschmücken zu wollen , wohl wissend , daß mir die Ehrfurcht vor seinem stets reinen Willen nicht erlauben würde , ein Vertrauen erzwingen zu wollen , welches seiner treusten Freundin vorzuenthalten , er wichtige Gründe haben mußte . Und , rief Graf Archimbald , aufs Höchste gespannt , hatte er kurz zuvor eine seiner gewöhnlichen Zusammenkünfte mit dem Prinzen ? Verhehlt mir nichts ! Euer Scharfsinn hat Euch können errathen lassen , ob der Prinz vielleicht