sehe mit leidenschaftlichem Blick , Emma habe vielleicht nur flüchtig geklagt . - Nein , nein ! Sie hat gar nicht geklagt ! Das ist es ja eben . Wüßte sie zu sagen , was ihr fehlte , man könnte helfen . Aber so ! Der Arzt meint , ein wenig Ruhe stelle das Gleichgewicht wohl wieder her . Ruhe ! - Ein armes , kleines , leicht über die Lippen gleitendes Wörtchen , und welche Tiefe und Höhe himmlischer und irdischer Bedingungen faßt es zugleich in sich ! Wer ist ruhig in dieser Welt des Unbestandes ? Wer darf sagen , er sei es , wenn er nur irgend etwas auf Erden liebt ? Emma , und ruhig sein ! Wenn sie da liegt , nicht fort kann , nicht fragen , an nichts außer sich Theil nehmen darf , und er sich im Kahne schaukelt , Wasserhühner schießt , die Wolken ziehen , und den Abendstern über dem Hause des Präsidenten aufgehen sieht , hinüber rudert , zwischen Schilf und Calmus im Versteck liegt , und die schlaue Circe belauscht , die niemals ohne den Knaben und Tavanelli erscheint , aus dem sie auch einen Esel , oder noch ein ärgeres Thier gemacht hat . Nun , Gott sei dem Verstande der Menschen hier gnädig ! Ich fürchte , auch den meinigen zu verlieren . Wüßten Sie , Sophie , was ich jetzt weiß ! Wie es hätte anders kommen können ! wie glücklich Emma , wie zufrieden ich jetzt wäre , wenn der unselige Badeaufenthalt uns Hugo nicht zugeführt hätte ! - Dieser Leontin , von dem ich Ihnen schon einmal schrieb , der ernste , bescheidene , entschlossene junge Mann , er liebt , ich zweifle nicht einen Augenblick länger , er liebt meine Tochter . Eine Mutter ist hierüber selten im Irrthum , und er ist zu arglos , zu rein , um außer sich selbst noch irgend Jemand zu täuschen . Wie anders bewacht er indeß sein Gefühl , als Hugo ! Nur selten erlaubt er sich den Zutritt in diesem Hause , und reitet er auch fast täglich hier vorüber , so lenkt er doch stets nach Ulmenstein hin , als folge er nur einem verwandtlichen Zuge . Die Meisten nehmen es auch so , doch ich errieth ihn , und er fühlte es ! Gestern war es , da kam er in großer Unruhe herauf zu mir . Er hatte von Emma ' s Unwohlsein gehört . Blaß , erschüttert vom raschen Ritt , die feinen Lippen kaum zu einer bangen Frage geöffnet , stammelte er , mit abwärtsgewandtem Blicke , erzwungen gleichgültig : » Hoffentlich doch Alles unbedeutend ? - nichts als ein vorübergehendes Uebel - so hörte ich wenigstens , « setzte er leiser , fast unverständlich hinzu . Ich beruhigte ihn , doch ergriff mich der bloße Gedanke an die Möglichkeit einer Gefahr so unwiderstehlich , daß ich mit den Worten : » Es wäre ja auch zu schrecklich ! « in meinen Sessel zurücksank , das Tuch vor die Augen drückte und in Thränen zerfloß . Er blieb mir gegenüber lautlos stehen . Ein gewisses Wiegen seiner schlanken Gestalt , der zurückgezogene , furchtsame , auf mich geheftete Blick sagte mir , als ich wieder zu ihm aufsehen konnte , daß er meine kummervolle Bewegung in schmerzlicher Angst begleitete . Er äußerte kein Wort weiter , allein er blieb so leise , so weich , so innerlich ; sein ganzes Betragen gegen mich trug das Gepräge eines wehmüthigen Geheimnisses . Ich ergriff seine Hand mit Herzlichkeit , als könne ich ihm sein Mitgefühl nicht genug danken . Er schien überrascht . Es flog wie ein Strahl über seine Stirne , die Lippen zuckten , allein , dabei blieb es . Er ließ meine Hand an der seinen abgleiten , er sagte nichts , er schien sehr betroffen , eine Thräne , eine einzige , rollte langsam über sein marmorbleiches Gesicht . - O Gott ! er hätte Emma anders zu würdigen gewußt ! Ich darf das nicht denken . Ich mag es auch nicht denken ! Und doch ! Der Mensch hat mir einen sonderbaren Eindruck zurückgelassen . Wie er nun , nach einer fast stummen halben Stunde , zögernd ging , und noch im Hofe eine Weile an dem Steinbrunnen in sich gekehrt stand , dann sein Pferd am Zügel führend , in seinen weißen Mantel gehüllt , so groß und schlank , und wie fast alle Hochgewachsene , etwas gebeugt , den Bergpfad entlang ging , erinnerte er mich an Bilder pilgernder Kreuzritter . Die Mühen des Lebens lasteten auf dieser Gestalt , aber der Blick kannte das Ziel , und der Fuß ging den Weg mit festem Tritt . Schlafen Sie wohl , Sophie ! Ich bin von ganzer Seele betrübt , was soll ich Ihnen sonst noch sagen ? - Rosalie an ihre Mutter Erlaube , liebe Mama , daß ich Dir diese flüchtigen Zeilen noch vor Deiner Ankunft in der Stadt entgegenschicke . Ich war kaum mit unserer guten , alten Schweitzerin in das Haus getreten , und hatte , wie Du es befohlen , einen Blick auf die neue Einrichtung der Zimmer geworfen , deren Beurtheilung Du meinem Geschmack anvertrautest , als schon eine Menge Menschen , die Licht in den Fenstern sahen , herbeirannten und wissen wollten , ob wir angekommen wären ? Du kannst Dir wohl denken , daß ich Niemand annahm , außer Deinen nächsten Bekannten , zu denen der gute Hofmarschall ja von jeher gehört . Ich schreibe Dir hauptsächlich seinetwegen , denn es drückt mir das Herz ab , was er mir alles in den wenigen Minuten sagte . Denke Dir , daß die Fürstin Mutter es so unglaublich vernünftig von uns findet , die Trauer so lange gehalten und nicht eher den ländlichen Aufenthalt verlassen zu haben . Sie hat öffentlich darüber gesprochen , Dich als gescheute und pflichtvolle Frau gerühmt , und versichert , sie