nicht verdient . « » Warum müßt Ihr in ' s Kloster wandern ? « fragte der Herzog theilnehmend : » Ihr habt Anlagen genug zum biedersten Rittersmann . Wille und That sind bei Euch Eins und Dasselbe . Ich habe heute einen weißen Raben gefunden , einen dankbaren Juden nämlich . Laßt mich in Euch das gleichseltne Kleinod finden , einen treuen Freund , wie ihn ein Fürst so selten hat , von verschwiegnem Mund , bereitwilligem Arm und redlichem Herzen . « » Mein gnädigster Herr ! « rief Dagobert überrascht von so viel Zuneigung , und wollte Friedrichs Hand küssen . Der Herzog zog sie aber zurück . » Keine Umstände ! « sprach er ernst : » Wäre ich Euresgleichen , ich nähme Euch in meine Arme . Dieses ziemt mir nun freilich nicht , da Gott einen Fürsten aus mir gemacht hat , und Schranken müssen einmal seyn auf Erden . Aber die Hände dürfen sich zwei Biedermänner wohl schütteln , wenn auch der Eine einen Herzogshut , der Andre ein einfach Piret trägt , wenn auch der Eine in des Lebens Herbst , der Andre erst in dessen Frühling tritt . « Er stand auf , und schüttelte traulich Dagobert ' s Hand . » Fürwahr ! « fuhr er fort : » diese Hand werde ich früher gebrauchen , als Ihr wohl denkt , und auch den Kopf , meine ich ; wenn Ihr anders nichts dagegen habt . « » O sprecht , mein Herzog ! « bat Dagobert ungestüm : » Was kann ich thun , um Euer Vertrauen zu verdienen ? Redet ; auf der Stelle sey ' s vollbracht . « - Der Herzog legte den Finger auf den Mund . » Noch ist ' s nicht an der Zeit ! « begann er : » doch die Zeit wird kommen : verlaßt Euch darauf . Noch darf ich nicht reden , sondern nur lauernd harren , bis geschehen muß , was noch jetzt ein Geheimniß ist . Gelt , ein schmachvoll Jahrhundert , in dem sogar ein Fürst wie ein gefährlicher Verbrecher heimlich thun muß , indem das Recht auf leisen Socken schleichen muß ; während der Schelm ohne Scheu so viel Lärm macht , als ihm beliebt . Aber das Gute und Rechte thun , wenn es auch verboten ist durch schmähliche Gewalt , ist löblich , und in solchem Falle sind alle Mittel , sofern sie nicht Sünde sind , dem ehrlichen Zwecke gerecht . « » Ist das Euer aufrichtig Glaubensbekenntniß ? « fragte Dagobert den Herzog rasch und kühn . - » Mein aufrichtigstes ; « entgegnete dieser , und fügte abbrechend bei : » des Besten mich zu Euch versehend , entlasse ich Euch . « » Und stark auf ' s Neue in Geist und Kraft scheide ich von Euch , edler Herzog , « antwortete Dagobert , zufrieden von seinem erhabnen Freunde gehend . Fußnoten 1 Kandidat der Meisterschaft im Schneiderhandwerk . Zwölftes Kapitel . Laßt uns rühren die fröhlichen Schellen ! Rüstig und schnell in ' s Gewühl hinein ; Darf der Thorheit sich Ernst beigesellen , Dann ist es Lust ein Narr zu seyn . In der Poeten fabelhaft Reich Zaubert ein drolliger Fastnachtsstreich ! W. » Nun ? wie gefall ' ich Euch ? « sprach Gerhard lachend zu Dagobert , als sich Beide am Nachmittage des Fastnachtdienstags in ihre Larvenkleider gesteckt hatten : » Bin ich nicht der wildeste aller Jäger ? Kreuz , Stein und Dorn ! Was werden die Leute gaffen , und auch Ihr , Junkerlein , seyd der schmuckste Schalksnarr , der jemals zu Costnitz die Schellen regte . Wir werden Aufsehen machen , wo wir uns nur zeigen . « - » Das verhüte Gott ! « erwiederte Dagobert : » Benehme Du Dich nur nicht auffallend und allzu abenteuerlich . Deine ungehobelte Gestalt ist ohnedieß allzukenntlich , wenn Du nicht den Mantel vernünftig und weit umgeschlagen trägst , damit , er Dich verhülle . « - » Ohne Sorge ! « meinte Gerhard : » Ganz Costnitz ist der Meinung , ich laufe noch immer als großer Christoph umher , denn ich habe meinem langen Vollbrecht Kleid , Schürbaum und Heiligenschein abgetreten . « - - » Herrlich ! « versetzte Dagobert : » Ganz Costnitz weiß demnach , daß Du in jener Mummerei steckst , und Wird gewiß auch von der Neuen erfahren haben . « - » Ich will im nächsten Stechen in jedem Rennen den Sand küssen , wenn eine Seele von dem wilden Jäger weiß ; « betheuerte Gerhard : » Mit dem Christoph war ' s ein ander Ding . Um einen Begleiter und eine Ansprache zu haben , erlaube ich meinem Knechte Vollbrecht , mit mir umher zu laufen , und da der einfältige Tropf mich immer gestrenger Herr nannte in Dorf und Stadt , so war ' s gleich weltkundig , wer ich sey . « - » Eine herrliche Aussicht ! « fügte Dagobert bei : » Der Knecht hat die Plaudersucht von Dir geerbt . Nur so viel zur Nachricht . Kein Tropfen Weins kommt in Deine Gurgel mehr , sobald Du verräthst , daß ich in diesem Pickelhäring stack . « - » Verstehe ; « antwortete Gerhard : » werde mich auch hüten . Trinke lieber nach geschehener Arbeit meinen Wein für Euer Geld , als daß ich wie ein ächter Kalandsbruder herum schmarotze mit leerem Seckel . Seyd nicht bange . - Und den Raufdegen ? - Ich trage ihn unterm Mantel am Gürtel . Geschliffen ist er wie ein Schermesser , und wehe den Rippen derjenigen , die mit ihm Bekanntschaft machen wollen . « - » Gut ; « erwiderte Dagobert : » Jetzt laß uns hinaus in die tolle Faschingslust , die wohl häufig unter der bunten Tracht den schwarzen Ernst verbirgt ! Komm , wilder Jäger , und folge mir Schritt für Schritt . «