zu und rief mit bebenden Lippen : » Schön ! o schön ! nun habe ich genug gesehen ! aber ich werde nicht so thörig seyn dergleichen zu leiden . Nein , das werde ich nicht . « - Bei diesen schimpflichen Worten sah ich mich um Schutz nach Herrn Boswell um , allein sein unmännlich furchtsamer Ausdruck ergrimmte mich so , daß meine Fassung zurückkehrte . Mit Stolz und Verachtung rief ich ihr zu : » Was wollen Sie nicht dulden , gnädige Frau ? Ihre eignen thörigen Träume ? Das würde ich Ihnen rathen . « - Feig und ungeschickt wie sie war , erlosch ihre Heftigkeit vor meiner festen Rede , allein ihr Gift strömte fort , mit wankender Stimme sagte sie : » Ich gedenke mit Ihnen keine Worte zu wechseln , allein ich bitte Sie , Miß Percy , mein Haus friedlich zu verlassen und nicht durch Ihr Bleiben andrer Leute Ehemänner ... « Hier verließ mich selbst der Wunsch , gefaßt zu erscheinen , ich rief mit erstickter Stimme : » Wenn ich nicht fürchtete mehr zu sagen , wie einer Christin geziemt , so würde ich Ihnen antworten « - und mit diesen Worten eilte ich in das Krankenzimmer zurück , wohin sie , wie ich wußte , mir nicht folgen würde . Hier blieb ich in das schmerzlichste Nachdenken vertieft . Mein Gefühl weigerte sich , eine Stunde länger in diesem Hause zu bleiben , alles was mich jenseits desselben erwarten konnte , war mir in Vergleich des Unrechts , was mich hier getroffen hatte , erträglich ; ich trotzte jedem fernern Geschick , Gott vertrauend , aber nicht als meinem leitenden Vater , sondern als Bundsgenossen meines Zorns . Die Gegenwart der Krankenwärterin , die mit höhnischem Spott die Wuth der leidenschaftlichen Frau belachte , traf wie Pfeile mein Herz , denn ich begriff , daß eine Andre ihres Gleichen eben so über meine Rolle bei diesem Vorfall zu lachen sich erfrechen könnte . Die Stelle brannte unter meinen Füßen - aber sollte ich die bleiche Kranke , die vor mir da lag , ein Bild des nahen Todes , verlassen ? Ihr erloschnes Auge fesselte mich , ihr kurzes Athmen hielt mich zurück . - Ich drängte alle meine persönlichen Empfindungen in mein schwellendes Herz zurück und beschloß , bis zur Entscheidung von Jessys Schicksal meinen Platz in ihrem Krankenzimmer nicht zu verlassen . - War es denn reine Liebe zu Jessy , die mich bewog ? - Nein ! - diese Liebe war da , und rein , und mehr wie sie : Liebe für meine bei ihr übernommene Pflicht . Allein der Trieb , durch meine heldenmüthige Aufopferung Mistriß Boswell noch mehr ins Unrecht zu setzen , wirkte auch , und so hat das Evangelium recht , wenn es zu beten lehrt : Ich bin ein unnützer Knecht und mangle des Ruhms , den ich haben sollte . Der Arzt verkündigte mir noch denselben Tag , daß mein Beruf an dem Krankenbett bald entschieden werden würde . Er verhieß nach den vorhandnen Anzeichen eine sicher eintretende Krisis , die über Tod und Leben entscheidend seyn mußte . Ich bat ihn , den Eltern der Kranken diese ängstliche Erwartung zu ersparen , und versprach ihm , bis diese wichtige Stunde vorüber sey , mich keinen Augenblick von dem Bette des Kindes zu entfernen . Der Tag verging in banger Stille . Mistriß Boswell ließ nichts von sich hören , sie mußte Mittel gefunden haben ihren Gatten zu entfernen , denn auch er ließ sich nicht im Krankenzimmer sehen . Ich war froh , auf diese Weise alles Widerspruchs und aller Heftigkeit überhoben zu seyn ; die verdorbne Luft , welche ich nun so lange Zeit athmete , hatte mein Blut entzündet , meine Glieder waren matt und schwer , meine Augen wurden vom Licht schmerzlich angegriffen , ich war unruhig und hatte doch mich zu bewegen keine Kraft . Stündlich nahm mein Uebelbefinden zu . Der Arzt , wie er seinen Abendbesuch machte , erschrak über meine wilden Blicke und rieth mir augenblicklich zur Ruhe zu gehen , allein ich hatte beschlossen erst Jessy ' s Schicksal entschieden zu sehen , was dann geschehen würde , schwebte vor meiner glühenden Stirn wie ein Bild des ruhigen Grabes . Endlich stellte sich die schicksalsvolle Stunde ein . Ein tiefer Schlaf sank auf die Kranke herab , allmählig erschlafften die gespannten Züge in zwanglose Schlaffheit , die Haut , welche die Hitze gedörrt hatte , schien sich auszufüllen , ihre Schmutzfarbe wandelte sich in krankes Weiß das aber wieder Leben verrieth , denn große Schweißtropfen sammelten sich auf dem Antlitz , das keiner Todtenlarve mehr glich . Kaum athmend , saß ich neben dem Bett und starrte betend dieses Wunder an . - Betend ohne Sinn , denn mein Kopf , schon von der Krankheit eingenommen , hatte nur für die eine Vorstellung : Jessy ' s Genesung , noch Raum . Jetzt schlug sie die Augen auf . Matt aber mit liebevollem Ausdruck richtete sich ihr Blick auf mich , und mein Name , leise gelispelt , war das Pfand ihres zurückgekehrten Bewußtseyns . Kaum nahm ich mir die Zeit , das Kind zu beruhigen , die Wärterin an ihr Bett zu setzen , dann flog ich zu Herrn Boswell , ihm die beglückende Nachricht zu bringen . Er war in seinem Ankleidezimmer , ich trat ein und erzählte - ich weiß nicht wie . - Gott sey Dank ! rief er , und vermochte nicht mehr , sondern brach in Thränen aus ; dann segnete er mich dafür , daß ich sein Kind gerettet , wie er meinte , und dann eilte er mit mir aus dem Zimmer , die Genesende zu sehen . Bei unserm Austritt aus seiner Thür begegneten wir Mistriß Boswell , die , bleich vor Wuth , sich nicht entblödete , meinen Besuch in ihres Gatten Zimmer auf das pöbelhafteste zu erklären . Ich rief