Königin ruhte in ihrer Kammer , der Rabe wandelte sich zum hochfliegenden Aar , und ernährte den in ihrem Schooße schlummernden grünen Löwen , es nahte sich der Alte , der zwischen den Bergen geht , die rothe und die weiße Lilie prangten in seinen Händen . - Da - da - fort mit der Erinnerung , wie alles vernichtet ward , « rief der Baron jetzt laut und fürchterlich , » fort - es ward vernichtet . Weh mir ! ich vergaß den Fluch , der auf der fünften Zahl ruht , feindliche dunkle Mächte , auf mein Verderben lauernd , irrten mich . - Freundliche zürnten mir - Verloren - verloren - verloren - ist das große Spiel . « Mit geschloßnen Augen lehnte sich der Baron jetzt in seinen Lehnstuhl zurück und lag regungslos da . Gabriele war vor ihm auf die Knie hingesunken ; sie blickte in sein farbloses Antlitz , auf seine grauen Haare , welche spärlich die eingefallnen Schläfe umgaben , sie sah die tiefliegenden geschloßnen Augen in ihren weiten Höhlen , von den überhängenden schneeweißen Augenbraunen beschattet . Er glich so ganz einem Todten , daß der Gedanke sie grausend überfiel , er könne in diesem Moment gestorben seyn . » Mein Vater , mein Vater ! « rief sie , und wagte es , leise seine Hand zu berühren ; da richtete er , gleich einem Erwachenden , sich wieder auf . » Du weinst ? « sprach er , » du zitterst ? weißt du warum ? wovor ? « Dann blickte er sie eine Weile starr an . » Ich lese in deiner Seele , « fuhr er fort , » du glaubst , ich sey wahnsinnig , weil du meine Reden nicht verstehst . Du irrst , hohe Weisheit liegt hinter diesen Bildern , aber ihr hört nur , und vernehmt nicht , eure Sinne hält Wahn befangen . Die Vergangenheit enthüllte ich dir , so weit ich es durfte . Die Gegenwart , - tritt her zu mir ans Fenster , blicke hinaus , dort liegt sie , dort in Trümmern . Was diese decken , bleibe ewig verborgen . Fluch der Hand , die es wagt , diesen Schutthaufen zu berühren ! « rief er mit furchtbarem Ton , in hoher aufrechter Stellung , mit flammenden Augen , wie ein Begeisterter . » Fluch dem , der dem Unheil , das dort im dunkeln tiefen Gewölbe sicher ruht , den Weg bahnt zum Licht . Niemand darf dort den Faden finden , ihn wieder aufnehmen , der meiner starken Hand entfiel ! denn niemanden darf gelingen , was mir mißlang . « » Moritz von Aarheim gebietet hier nach meinem Tode , « sprach der Baron nach einer kleinen Pause , während welcher er sich mit Anstrengung zu besänftigen schien . » Sein erstes Thun wird seyn , dort zu graben , zu bauen , zu wühlen , er selbst hat mir es ins Angesicht gestanden . Du allein kannst mir die Sicherheit jenes Heiligthums auf ewige Zeiten erkaufen , und erkauft muß sie werden . Es gilt der Ruhe meiner Todesstunde , es gilt dem ruhigen Schlaf meiner Gebeine im stillen Grabe , weit , weit , auf Jahrhunderte hinaus ! Gabriele , du darfst jetzt nicht ohnmächtig werden , fasse dich , du darfst jetzt nicht die Besinnung verlieren , du mußt mich aushören , denn nie darf ich wieder wie in dieser Stunde zu dir reden . « Mit leisem , wunderlich-heimlichem Tone fuhr der Baron nach kurzem Schweigen in seiner Rede weiter fort . » Kennst du die Geheimnisse der Unterwelt ? Wie solltest du ! Ich aber wagte es , mit dieser Hand ihren Schleier zu lüften . Nicht alle , meine Tochter , nicht alle , die hier entschliefen , ruhen dort in Frieden . Furchtbare Vorhöfe führen zum finstern Reich , dort in Tophet und Scheol weilen rastlos die Seelen derer , die beunruhigt über die Zukunft dessen hinübergingen , was sie hier erstrebten . Jede Mitternacht ruft sie herauf , gespenstisch umwandern sie den Gegenstand ihrer Sorge in banger Qual , bis der Morgenhauch sie wieder zur kalten düstern Tiefe scheucht - jede Nacht sehe ich dort drüben den alten Franz , Sorge um mich läßt ihn nicht ruhen , er hebt das bleiche Haupt aus der Asche , mit langem Todtenfinger winkt er mir zu sich , zu sich , zur jammervollen Wache um das dort Verborgne . « » Ich habe vollendet , du weißt jetzt genug . Ruhe oder Verzweiflung deines Vaters in der letzten Stunde und im Grabe sey das Werk deiner freien Wahl . Bedenk es wohl , es gilt nicht einer Hand voll Tage , die ihr ein Leben nennt , es gilt der Ewigkeit . Meine Todesstunde kann jetzt schlagen , in dieser Minute , aber du hast Bedenkzeit . Willige ein , verwirf , bringe durch thörichtes Zögern das Unheil über mich , ich breche mein gegebnes Wort nicht , du bist frei , du hast auch Bedenkzeit . « » Vater , Vater ! « rief Gabriele , » kann denn mein Leben nicht das Opfer seyn ? « Hastig griff der Baron an seine Brust , dann ließ er die Hand wieder sinken . » Nein , « sprach er halb leise , und blickte milder als vorher Gabrielen an . » Nun denn , ich will nicht ängstlich berechnen , was ich meinem Vater opfre , hier bin ich , Ihr Kind ! mein Schicksal lege ich in Ihre Hand und murre nicht . « Erschöpft an allen Kräften , doch nicht bewußtlos , sank sie mit diesen Worten vor ihm hin . » Ich danke dir , « sprach der Baron , und ließ einen Moment seine Hand auf ihrem schön gelockten Haupte wie segnend ruhen ; dann hob er Gabrielen sorgsam auf , und setzte sie in seinen Lehnstuhl . » Ermanne dich , fasse Muth