nannte . - Die Tassen waren aufgestellt , die Puppen geordnet , Julie hielt eben im Namen eines kleinen Harlekins eine Anrede an den Kaiser von Japan ( beide Püppchen standen einander gegenüber ) , als die Benzon hineintrat . Nachdem sie eine Weile dem Spiele zugeschaut , drückte sie Julien einen Kuß auf die Stirn und sprach : » Du bist doch mein liebes gutes Kind ! « - Es war späte Dämmerung eingebrochen . Julie , die , wie sie gewünscht , bei der Mittagstafel nicht erscheinen dürfen , saß einsam in ihrem Zimmer und erwartete die Mutter . Da schlichen leise Tritte hinan , die Türe öffnete sich , und totenbleich , mit starren Augen , in weißem Kleide , gespenstisch , trat die Prinzessin hinein . » Julia , « sprach sie leise und dumpf » Julia ! - Nenne mich töricht , ausgelassen - wahnsinnig , aber entziehe mir nicht dein Herz , ich bedarf deines Mitleids , deines Trostes ! - Es ist nichts als der Überreiz , die heillose Erschöpfung des abscheulichen Tanzes , die mich krank gemacht hat , aber es ist vorüber , mir ist besser ! - « » Der Prinz ist fort nach Sieghartsweiler ! - Ich muß in die Luft , laß uns hinabwandeln in den Park ! « - Als beide , Julie und die Prinzessin , sich am Ende der Allee befanden , strahlte ein helles Licht ihnen aus dem tiefsten Dickicht entgegen , und sie vernahmen fromme Gesänge . » Das ist die Abendlitanei aus der Marienkapelle , « rief Julia . » Ja , « sprach die Prinzessin , » wir wollen hin , laß uns beten ! - Bete du auch für mich , Julie ! « » Wir wollen , « erwiderte Julie , vom tiefsten Schmerz über der Freundin Zustand ergriffen , » wir wollen beten , daß nie ein böser Geist Macht habe über uns , daß unser reines frommes Gemüt nicht verstört werden möge durch des Feindes Verlockung . « Eben zogen , als die Mädchen bei der Kapelle angekommen , die am äußersten Ende des Parks befindlich , die Landleute von dannen , die die Litanei vor dem mit Blumen geschmückten und mit vielen Lampen erleuchteten ! Marienbilde gesungen . Sie knieten nieder in dem Betstuhl . Da begannen die Sänger auf dem kleinen Chor , der zur Seite des Altars angebracht , das » Ave maris stella « , das Kreisler erst vor kurzem komponiert . Leise beginnend , brauste der Gesang stärker und mächtiger auf in dem » dei mater alma « , bis die Töne , in dem » felix coeli porta « dahinsterbend , fortschwebten auf den Fittichen des Abendwindes . Noch immer lagen die Mädchen auf den Knien , tief versunken in brünstige Andacht . Der Priester murmelte Gebete , und aus weiter Ferne , wie ein Chor von Engelstimmen aus dem nächtlichen verschleierten Himmel , hallte der Hymnus : » O sanctissima « , den die heimziehenden Sänger angestimmt . Endlich erteilte ihnen der Priester den Segen . Da standen sie auf und fielen sich in die Arme . Ein namenloses Weh , aus Entzücken und Schmerz gewoben , schien gewaltsam sich loswinden zu wollen aus ihrer Brust , und Blutstropfen , dem wunden Herzen entquollen , waren die heißen Tränen , die aus ihren Augen stürzten . » Das war er , « lispelte die Prinzessin leise . » Er war ' s , « erwiderte Julie . - Sie verstanden sich . In ahnungsvollem Schweigen harrte der Wald , daß die Mondscheibe aufsteige und ihr schimmerndes Gold über ihn ausstreue . Der Choral der Sänger , noch immer vernommen in der Stille der Nacht , schien entgegenzuziehen dem Gewölk , das glühend aufflammte und sich über den Bergen lagerte , die Bahn des leuchtenden Gestirns bezeichnend , vor dem die Sterne erblaßten . » Ach , « sprach Julia , » was ist es denn , das uns so bewegt , das so mit tausend Schmerzen unser Inneres durch schneidet ? - Horche doch nur , wie das ferne Lied so tröstend zu uns herüberhallt ! Wir haben gebetet , und aus den goldnen Wolken sprechen fromme Geister zu uns herab von himmlischer Seligkeit . « - » Ja , meine Julia , « erwiderte die Prinzessin ernst und fest , » ja , meine Julia , über den Wolken ist Heil und Seligkeit , und ich wollte , daß ein Engel des Himmels mich hinauftrüge zu den Sternen , ehe mich die finstre Macht erfaßte . Ich möchte wohl sterben , aber ich weiß es , dann trügen sie mich in die fürstliche Gruft , und die Ahnherrn , die dort begraben , würden es nicht glauben , daß ich gestorben bin , und erwachen aus der Totenerstarrung zum entsetzlichen Leben und mich hinaustreiben . Dann gehörte ich ja aber weder den Toten an noch den Lebendigen und fände nirgends Obdach . « » Was sprichst du , Hedwiga , um aller Heiligen willen ; was sprichst du ? « rief Julie erschrocken . » Mir hat , « fuhr die Prinzessin fort , in demselben festen , beinahe gleichgültigen Ton beharrend , » mir hat dergleichen einmal geträumt . Es kann aber auch sein , daß ein bedrohlicher Ahnherr im Grabe zum Vampir geworden , der mir nun das Blut aussaugt . Davon mögen meine häufigen Ohnmachten herrühren . « » Du bist krank , « rief Julia , » du bist sehr krank , Hedwiga , die Nachtluft schadet dir , laß uns forteilen . « Damit umschlang sie die Prinzessin , die sich schweigend fortführen ließ . Der Mond war nun hoch heraufgestiegen über den Geierstein , und in magischer Beleuchtung standen die Büsche , die Bäume und flüsterten und rauschten , mit dem Nachtwinde kosend , in tausend lieblichen Weisen . » Es ist doch schön , « sprach Julie , » o es ist