aber doch fühlte er in seinem brennenden Durste , welchen das Kauen von Blättern nur vermehrte , daß er ohne eine Quelle zu finden , bald verschmachten müsse . Der Boden blieb dürr oder felsig , das Nadelholz hatte alles Leben unter sich erstickt , die Nacht war taulos , und ein fernes Blitzleuchten in der Schwüle gab nur entfernte Hoffnung zu himmlischen Quellen . Da erschien ihm , als er schon alle Hoffnung aufgeben und eine Ader sich öffnen wollte , seinen Durst zu stillen , das Feuer eines nahen Herdes , indem sich die Türe eines Häuschens , das von Bäumen versteckt war , öffnete . Der Vogel sang fröhlich und zeigte ihm den Weg dahin durch die Gebüsche und setzte sich auf den Giebel des Häuschens und ließ den leuchtenden Johanniswurm frei entfliegen . Nicht aus Vorsorge , weil Räuber die Wildnis zum Aufenthalt wählen konnten , sondern erschöpft lehnte sich der König an die aus wilden Rosenbüschen geflochtene Wand der Hütte , ehe er einging , und dankte dem Himmel für die gnädige Führung . Dies stellt das zweite Bild dar : in der Hütte sehen wir einen ehrwürdigen Greis mit langem , weißen Barte , an einem Pulte schreibend , während schöne Knaben neben ihm an einem Tische Früchte und Becher zu einem Mahl auftragen . Die alten Reime lehren dabei : Lernt im Zufall Gottes Führung , Wie er euch in Not begrüßt , Denn es braucht oft tiefe Rührung Daß ihr euch nicht ganz verschließt . Drittes Bild Totenbleich tritt er zur Hütte , Wie sein eignes Schattenbild , Trinkt vom Quell , der in der Mitte , Gleich dem müd gehetzten Wild ; Und ein Kind bringt Stuhl und Früchte , Und der Alte Wein und Brot , Will nicht , daß er erst berichte , Was ihn brachte in die Not . Der König stillte seinen Durst , dann dankte er dem Alten , und fragte nach der Gegend , wohin er sich verirrt habe . Der Alte schrieb schon wieder gar eifrig und legte den Finger auf den Mund , zum Zeichen des Schweigens . Der König schwieg und die Kinder führten ihn zum Lager am Feuer , wo ihn der Schlaf in wenig Augenblicken überwältigte . Er mochte wenige Stunden geschlafen haben , als ein Funke vom frisch angeschürten Feuer auf seine Stirn sprang und ihn erweckte . Aber die Ermüdung aller Glieder war noch zu groß , er wollte sich erheben und vermochte es nicht , nicht einmal die Augenlider konnte er öffnen , er hörte die Unterhaltung zwischen dem Vater und seinen Söhnen , ohne daß diese wahrnehmen konnten , daß er erwacht sei . Der Alte schien etwas sehr Ernstes zu bedenken , er hatte einen Dolch gegen Himmel gehoben und sprach heftig : Ja der König muß verderben , Soll der Staat genesen sein , Mit dem Dolche muß er sterben , Meine Träne soll ihn weihn , Mich entflammt nicht eigne Rache , Mich ergreift des Landes Wut , Denn bald nährt der grimme Drache Sich mit unsrer Kinder Blut . Aber die Kinder flehten alle für den König und sagten : Wie viel Wolken ziehn vorüber , Und die Sonne scheint dann hell , Und der König wird einst lieber , Als der mutigste Rebell , Vor dem armen Volk erscheinen , Das vergessen alte Not , Sich erwählet einen Reinen Und bestraft des Königs Tod ; Er ist gut , es sind die Grafen , Die mit frechem Übermut , Laster lohnen , Tugend strafen , Ach der König ist so gut ! Fest entgegnete darauf der Alte und focht mit dem Dolche gegen die Luft : Wer darf sein Geschick vergessen , Nicht der Bettler fremd im Land , Und kein König darf vermessen , Kronen , die aus Gottes Hand , Unter seine Diener teilen , Um in ungestörter Ruh In dem wilden Wald zu weilen , Nein bei Gott , ich stoße zu . Dem Könige war in diesem Gespräch so manches Wort wieder erwacht , was seine beiden Edelleute bescheiden hatten fallen lassen , die Not hatte seinen Geist erhellt , mit Jammer erkannte er sein Unrecht , richtete sich auf , öffnete seinen Wams und sprach zum Alten : » Stoß zu , ich fühle mein Unrecht , ich habe mein Volk und meine Krone lange vergessen , möge ein Würdiger mir folgen , der es treuer bewacht . « - Der Alte und die Knaben sprangen von ihren Sitzen und sahen ihn verwundert an . » Bringt kühles Wasser dem Kranken « , sagte der Alte , » er hat unserm Spiele zugehorcht und wähnt , er sei selbst der Schottenkönig , dessen Geschichte wir darstellen . « - » Ihr spielt mit dem Dolche ? « sprach der König . » Oder hat Euch mein Auge den Mut benommen ? Ich will es schließen , will mich niederlegen wie ein Schlafender , daß Ihr mich ohne Scheu morden könnt . « - Bei diesen Worten entfiel dem König die Krone , die er unter seinem Hute trug , und der Alte erkannte wohl , daß dies Mißverständnis einen Grund habe und keine leere Qual der falschen Einbildung zu nennen sei . Er ließ sich vor dem Könige auf ein Knie nieder und sprach : » Nicht jeder kennt die Not und das Geschick eines andern , der die Furchen seiner Stirn erblickt , wohl mögt Ihr unser gnädiger Herr sein , den wir so lange vermissen , ich aber wage es nicht , Euch zu beraten , so wenig ich Euch zu morden gesonnen war . Lange habe ich meine Augen nicht mehr dem Lebenden geöffnet , aber oft habe ich vor Euch in jüngeren Jahren am Marktfeste zu Waiblingen die Geschichte der Völker auf künstlicher Bühne gesprächsweise aufgeführt ; gedenkt Ihr meiner noch , des alten Meistersängers David , aus Ungerland . Hier in stiller Einsamkeit durchdenke ich die Geschicke der Völker , und