! es hing ein altes Ritterbild sonst in einem Zimmer unsers Schlosses , vor dem ich oft als Kind gestanden . Ich hatte längst alle Züge davon vergessen , und geradeso sah jetzt Friedrich auf einmal aus . - Ich fror entsetzlich . Da ging die Sonne plötzlich auf und Friedrich nahm mich in beide Arme und preßte mich so fest an seine Brust , daß ich vor Schmerz mit einem lauten Schrei erwachte . « - » Glaubst du an Träume ? « sagte Rosa nach einer Weile in Gedanken zu dem Kammermädchen . Das Mädchen antwortete nicht . » Wo mag nun wohl Marie sein , die Ärmste ? « sagte Rosa unruhig wieder . - Dann stand sie auf und trat ans Fenster . Es war ein Gartenhaus der Gräfin Romana , das sie bewohnte ; der Morgen blitzte unten über den kühlen Garten , weithin übersah man die Stadt mit ihren duftigen Kuppeln , die Luft war frisch und klar . Da warf sie plötzlich alle Schminkbüchschen , die auf dem Fenster standen , heimlich hinaus und zwang sich , zu lächeln , als es das Mädchen bemerkte . - Denselben Tag abends erhielt sie einen Brief von Romana , die wieder seit einiger Zeit auf einem ihrer entferntesten Landgüter im Gebirge sich aufhielt . Es war eine sehr dringende Einladung zu einer Gemsenjagd , die in wenigen Tagen dort gehalten werden sollte . Der Brief bestand nur in wenigen Zeilen und war auffallend verwirrt und seltsam geschrieben , selbst ihre Züge schienen verändert und hatten etwas Fremdes und Verwildertes . Ganz unten stand noch : » Letzthin , als Du auf dem Balle beim Minister warst , war Friedrich unbemerkt auch da und hat Dich gesehen . « - Rosa versank über dieser Stelle in tiefe Gedanken . Sie erinnerte sich aller Umstände jenes Abends auf einmal sehr deutlich , wie sie Friedrich versprochen hatte , ihn zu Hause zu erwarten , und wie er seitdem nicht wieder bei ihr gewesen . Ein Schmerz , wie sie ihn noch nie gefühlt , durchdrang ihre Seele . Sie ging unruhig im Zimmer auf und ab . Sie konnte es endlich nicht länger aushalten , sie wollte alle Mädchenscheu abwerfen , sie wollte Friedrich , auf welche Art es immer sei , noch heute sehn und sprechen . Sie war eben allein , draußen war es schon finster . Mehrere Male nahm sie ihren Mantel um und legte ihn zaudernd wieder hin . Endlich faßte sie ein Herz , schlich unbemerkt aus dem Hause und über die dunklen Gassen fort zu Friedrichs Wohnung . Atemlos mit klopfendem Herzen flog sie die Stiegen hinauf , um , so ganz sein und um alle Welt nichts fragend , an seine Brust zu fallen . Aber das Unglück wollte , daß er eben nicht zu Hause war . Da stand sie im Vorhaus und weinte bitterlich . Mehrere Türen gingen indes im Hause auf und zu , Bediente eilten hin und her über die Gänge . Sie konnte nicht länger weilen , ohne verraten zu werden . Die Furcht , so allein und zu dieser Zeit auf der Gasse erkannt zu werden , trieb sie schnell durch die Gassen zurück , das Gesicht tief in den seidenen Mantel gehüllt . Aber das Geschick war in seiner teuflischen Laune . Als sie eben um eine Ecke bog , stand der Prinz plötzlich vor ihr . Eine Laterne schien ihr gerade ins Gesicht , er hatte sie erkannt . Ohne irgendein Erstaunen zu äußern , bot er ihr den Arm , um sie nach Hause zu begleiten . Sie sagte nichts , sondern hing kraftlos und vernichtet vor Scham an seinem Arm . Er wunderte sich nicht , er lächelte nicht , er fragte um nichts , sondern sprach artig von gewöhnlichen Dingen . - Als sie an ihr Haus kamen , bat er sie scherzend um einen Kuß . Sie willigte verwirrt ein , er umschlang sie heftig und küßte sie zum ersten Male . Eine lange Gestalt stand indes unbemerkt gegenüber an der Mauer und kam plötzlich auf den Prinzen los . Der Prinz , der sich nichts Gutes versah , sprang schnell in ein Nebenhaus und schloß die Tür hinter sich zu . Es war Friedrich , den der Zufall eben hier vorbeigeführt hatte . Sie hatten beide einander nicht erkannt . Er saß noch die halbe Nacht dort auf der Schwelle des Hauses und lauerte auf den unbekannten Gast . Die wildesten Gedanken , wie er sie sein Lebelang nicht gehabt , durchkreuzten seine Seele . Aber der Prinz kam nicht wieder heraus . - Rosa hatte von der ganzen letzten Begebenheit nichts mehr gesehen . - Der Prinz hatte sie überrascht . Noch niemals war er ihr so bescheiden , so gut , so schön und liebenswürdig vorgekommen , und sein Kuß brannte die ganze Nacht verführerisch auf ihren schönen Lippen fort . Es war ein herrlicher Morgen , als Friedrich und Leontin in den ewigen Zwinger der Alpen einritten , wohin auch sie von der Gräfin Romana zur Jagd geladen waren . Als sie um die letzte Bergecke herumkamen , fanden sie schon die Gesellschaft auf einer schönen Wiese zwischen grünen Bergen bunt und schallend zerstreut . Einzelne Gruppen von Pferden und gekoppelten Hunden standen rings in der schönen Wildnis umher , im Hintergrunde erhob sich lustig ein farbiges Zelt . Mitten auf der glänzenden Wiese stand die zauberische Romana in einer grünen Jagdkleidung , sehr geschmückt , fast phantastisch wie eine Waldfee anzusehn . Neben ihr , auf ihre Achsel gelehnt , stand Rosa in männlichen Jagdkleidern und versteckte ihr Gesicht an der Gräfin , da der Prinz eben zu ihr sprach , als sie Friedrich mit ihrem Bruder von der andern Seite ankommen sah . Von allen Seiten vom Gebirge herab bliesen die Jäger auf ihren Hörnern , als bewillkommneten sie die beiden neuangekommenen Gäste . Friedrich hatte Rosa noch nie in dieser Verkleidung