was ich je Sündhaftes und Freveliges begangen , offen eingestehen , aber zu meinem Entsetzen war das , was ich sprach , durchaus nicht das , was ich dachte und sagen wollte . Statt des ernsten , reuigen Bekenntnisses verlor ich mich in ungereimte , unzusammenhängende Reden . Da sagte der Dominikaner , riesengroß vor mir dastehend und mit gräßlich funkelndem Blick mich durchbohrend : » Auf die Folter mit dir , du halsstarriger , verstockter Mönch ! « Die seltsamen Gestalten rings umher erhoben sich und streckten ihre langen Arme nach mir aus und riefen in heiseren grausigem Einklang : » Auf die Folter mit ihm ! « Ich riß das Messer heraus und stieß nach meinem Herzen , aber der Arm fuhr unwillkürlich herauf ; ich traf den Hals , und am Zeichen des Kreuzes sprang die Klinge wie in Glasscherben , ohne mich zu verwunden . Da ergriffen mich die Henkersknechte und stießen mich hinab in ein tiefes unterirdisches Gewölbe . Der Dominikaner und der Richter stiegen mir nach . Noch einmal forderte mich dieser auf , zu gestehen . Nochmals strengte ich mich an , aber in tollem Zwiespalt stand Rede und Gedanke . - Reuevoll , zerknirscht von tiefer Schmach , bekannte ich im Innern alles - abgeschmackt , verwirrt , sinnlos war , was der Mund ausstieß . Auf den Wink des Dominikaners zogen mich die Henkersknechte nackt aus , schnürten mir beide Arme über den Rücken zusammen , und hinaufgewunden fühlte ich , wie die ausgedehnten Gelenke knackend zerbröckeln wollten . In heillosem , wütendem Schmerz schrie ich laut auf und erwachte . Der Schmerz an den Händen und Füßen dauerte fort , er rührte von den schweren Ketten her , die ich trug , doch empfand ich noch außerdem einen Druck über den Augen , die ich nicht aufzuschlagen vermochte . Endlich war es , als würde plötzlich eine Last mir von der Stirn genommen , ich richtete mich schnell empor , ein Dominikanermönch stand vor meinem Strohlager . Mein Traum trat in das Leben , eiskalt rieselte es mir durch die Adern . Unbeweglich wie eine Bildsäule , mit übereinander geschlagenen Armen stand der Mönch da und starrte mich an mit den hohlen schwarzen Augen . Ich erkannte den gräßlichen Maler und fiel halb ohnmächtig auf mein Strohlager zurück . - Vielleicht war es nur eine Täuschung der durch den Traum aufgeregten Sinne ? Ich ermannte mich , ich richtete mich auf , aber unbeweglich stand der Mönch und starrte mich an mit den hohlen schwarzen Augen . Da schrie ich in wahnsinniger Verzweiflung : » Entsetzlicher Mensch ... hebe dich weg ! ... Nein ! ... Kein Mensch , du bist der Widersacher selbst , der mich stürzen will in ewige Verderbnis ... hebe dich weg , Verruchter ! hebe dich weg ! « - » Armer , kurzsichtiger Tor , ich bin nicht der , der dich ganz unauflöslich zu umstricken strebt mit ehernen Banden ! - der dich abwendig machen will dem heiligen Werk , zu dem dich die ewige Macht berief . - Medardus ! - armer , kurzsichtiger Tor ! - schreckbar , grauenvoll bin ich dir erschienen , wenn du über dem offenen Grabe ewiger Verdammnis leichtsinnig gaukeltest . Ich warnte dich , aber du hast mich nicht verstanden ! Auf ! nähere dich mir ! « Der Mönch sprach alles dieses im dumpfen Ton der tiefen , herzzerschneidendsten Klage ; sein Blick , mir sonst so fürchterlich , war sanft und milde worden , Mensch , du bist der Widersacher selbst , der mich weicher die Form seines Gesichts . Eine unbeschreibliche Wehmut durchbebte mein Innerstes ; wie ein Gesandter der ewigen Macht , mich aufzurichten , mich zu trösten im endlosen Elend , erschien mir der sonst so schreckliche Maler . - Ich stand auf vom Lager , ich trat ihm nahe , es war kein Phantom , ich berührte sein Kleid ; ich kniete unwillkürlich nieder , er legte die Hand auf mein Haupt , wie mich segnend . Da gingen in lichten Farben herrliche Gebilde in mir auf . - Ach ! ich war in dem heiligen Walde ! - ja , es war derselbe Platz , wo in früher Kindheit der fremdartig gekleidete Pilger mir den wunderbaren Knaben brachte . Ich wollte fortschreiten , ich wollte hinein in die Kirche , die ich dicht vor mir erblickte . Dort sollte ich ( so war es mir ) büßend und bereuend Ablaß erhalten von schwerer Sünde . Aber ich blieb regungslos - mein eignes Ich konnte ich nicht erschauen , nicht erfassen . Da sprach eine dumpfe , hohle Stimme : » Der Gedanke ist die Tat ! « - Die Träume verschwebten ; es war der Maler , der jene Worte gesprochen . » Unbegreifliches Wesen , warst du es denn selbst ? an jenem unglücklichen Morgen in der Kapuzinerkirche zu B. ? in der Reichsstadt , und nun ? « - » Halt ein , « unterbrach mich der Maler , » ich war es , der überall dir nahe war , um dich zu retten von Verderben und Schmach , aber dein Sinn blieb verschlossen ! Das Werk , zu dem du erkoren , mußt du vollbringen zu deinem eignen Heil . « - » Ach , « rief ich voll Verzweiflung , » warum hieltst du nicht meinen Arm zurück , als ich in verruchtem Frevel jenen Jüngling ... « » Das war mir nicht vergönnt , « fiel der Maler ein , » frage nicht weiter ! vermessen ist es , vorgreifen zu wollen dem , was die ewige Macht beschlossen ... Medardus ! du gehst deinem Ziel entgegen ... morgen ! « - Ich erbebte in eiskaltem Schauer , denn ich glaubte den Maler ganz zu verstehen . Er wußte und billigte den beschlossenen Selbstmord . Der Maler wankte mit leisem Tritt nach der Tür des Kerkers . » Wann , wann sehe ich dich