was werde ich hören müssen . « ERNESTINE : » Ich war in den Garten hinuntergesprungen , ganz traurig bin ich zurückgeschlichen . « FÜRST : » Du armes Kind . « ERNESTINE : » Weil er weggegangen . « FÜRST : » Je wer denn ? « ERNESTINE : » Ei nun der Bettler , dem ich den Kuß gegeben . « FÜRST : » Ein Bettler ? Ist denn mein Bettlermandat nicht angeschlagen ? « ERNESTINE : » Lieber Vater , ich hatte gar nichts , ihm zu geben , Sie wissen ja ; und es war so ein schöner junger Mann , den ich ohne Trost nicht weglassen durfte , da fragt ich , ob ihm ein Kuß nicht zu wenig wäre - und da sagte der gute Mensch , er sei ihm nicht zu wenig , und da gab ich ihm doch zwei , und den dritten nahm er sich , und den vierten gab ich ihm obenein , und den fünften in den Handel , und den sechsten , weil ungerade Zahlen nicht gedeihen und ... « FÜRST : » Der Bettler muß dir was angetan haben . « ERNESTINE : » Er hat mir was abgenommen , meine Ruhe ; aller Orten suche ich ihn und singe : Wo suchen dich Herzliebster meine Gedanken ? Es findet dich nirgends mein Blick , dein Bild bleibt vor mir im Schwanken , wie ' s Glück . O du mein einziges Glück , dir nach meine Seufzer rufen ! Dir nach die Seufzer grüßen , mein Mund folgt nach dem Kuß , den deine Lippen küssen , und deine Küsse sind Luft ; der Wind kann sie nicht wegnehmen , er müßte sich ja schämen , daß er mir alles nähm , das wär ja unverschämt . « FÜRST : » Ach , was ist das für ein Unglück ; das Armut will ich doch gar nicht mehr in meinem Lande dulden ; es soll alles Armut freien Abzug zum Nachbar haben . « SPASSINE : » Vater , da müßten wir und Sie ja auch zum Lande heraus . « FÜRST : » Schweig , in Regierungssachen mußt du dich nicht mischen ; ihr macht mir heute vielen Kummer . Ernestine , blase die Gedanken weg , heute kommt dein Bräutigam , der Prinz von Mesopotamien ; schlag Federball , das vertreibt dir die bösen Gedanken . « ERNESTINE : » Ich kann nichts anders denken , als ihn , ich kann niemand anders heiraten , als ihn ; den Prinzen kann ich nicht lieben . « FÜRST : » Ei was lieben , darauf kommt ' s beim Heiraten nicht an , das Heiraten ist eine Sache für sich ; deine Mutter selig war mir ganz abscheulich , ich habe sie doch geheiratet . « ERNESTINE : » Lieber Vater , ich kann ihn nicht nehmen ; ich würde eine Lust bekommen , ihn umzubringen . « SPASSINE : » Lieber Vater , wenn die Schwester den Prinzen nicht haben will , geben Sie ihn mir ; ich möchte gar zu gerne heiraten . « FÜRST : » Ei meine Tochter , so was müßt ihr gar nicht sagen , wenn das unten bei den reichen Juden bekannt würde , die ließen es in ihre Zeitungen und Journale einrücken ; Frau Gretel , sag Sie mir doch , was hat Sie den Kindern für Sachen in den Kopf gesetzt ; merk ich so was von Ihr , so geb ich Ihr eine Backpfeife , daß es Ihr noch lange vor den Ohren summen soll . « - Frau Gretel setzt hierauf ihre Pestalozzische und Vakzinations-Erziehungsmethode auseinander ; der Fürst will die alte Methode verteidigen , sie zieht aber den Pantoffel aus und weiset ihn zur Ruhe . - Während dieses pädagogischen Gefechtes tritt Kasperl in den Kleidern seines Herren , der ausgeblieben , mit einigen Reden , die seinen Spaß erklären , herein und gibt sich für den Prinzen von Mesopotamien aus . Gleich erkennt er seine Gretel ; sie hat aber zu viel Respekt gegen ihn und seufzt vor sich , daß es schade sei , ihr Kasperl habe doch nie so was Vornehmes an sich gehabt . Der Fürst und die Töchter sind sehr verlegen ; doch faßt sich Spaßine und gibt die Schlägerei für ein Pantoffelspiel aus ; der Fürst bezeugt auch sein Vergnügen an dem schönen Spiele , und sucht seine blutende Nase zu verstecken . Kasperl dankt für dergleichen Spiel und schlägt ihm dafür das große Eßspiel vor . Als ihm dies nicht gewährt werden kann , weil der Zaunkönig noch nicht gebraten , so soll er inzwischen raten , welches seine Braut ; Spaßine macht ihm viele Artigkeiten und Ernestine weiset ihn sehr hart ab ; er bestimmt sich also aus Respekt gegen das Pantoffelspiel für Spaßine , die ihm auch von dem Fürsten für seine Braut angegeben wird . - Der Fürst will darauf seinem Eidam das Reich vom hohen Turme zeigen und Kasperl frägt , ob auch kein starker Wind , daß er etwa über die Grenze geweht werden könnte ? - Ernestine bleibt allein zurück und stellt sehr tiefsinnige Betrachtungen in ganz philosophischer Sprache über die fürstlichen Heiraten an , die alle Fürstenhäuser verderben , indem sie aus Naturen nie in Leidenschaft die falsche Richtung wegschaffen , die sie auch in sich gefühlt habe , ehe sie geliebt ; nur in der Liebe sei Wahrheit , Volkssinn , der sich allem anschließe , alles verstehe , selbst den Bettler . Sie setzt sich nieder und weint . - Der wahre Prinz , der am Morgen als Bettler verkleidet ihr die Küsse abgenommen , tritt in anständiger Tracht herein und bemerkt sie nicht . Er erzählt von seinen Absichten , eine Heirat aus Liebe zu stiften , und wie er so ganz seeleneigen dem armen Mädchen geworden , das in diesem Schlosse diene und ihm nichts , als ein paar Küsse , habe geben können ;