angenehm und gelegen in den Fluß verlief . Dort brachte er seine schöne Beute aufs Trockne ; aber kein Lebenshauch war in ihr zu spüren . Er war in Verzweiflung , als ihm ein betretener Pfad , der durchs Gebüsch lief , in die Augen leuchtete . Er belud sich aufs neue mit der teuren Last , er erblickte bald eine einsame Wohnung und erreichte sie . Dort fand er gute Leute , ein junges Ehepaar . Das Unglück , die Not sprach sich geschwind aus . Was er nach einiger Besinnung forderte , ward geleistet . Ein lichtes Feuer brannte , wollne Decken wurden über ein Lager gebreitet , Pelze , Felle und was Erwärmendes vorrätig war , schnell herbeigetragen . Hier überwand die Begierde zu retten jede andre Betrachtung . Nichts ward versäumt , den schönen , halbstarren , nackten Körper wieder ins Leben zu rufen . Es gelang . Sie schlug die Augen auf , sie erblickte den Freund , umschlang seinen Hals mit ihren himmlischen Armen . So blieb sie lange ; ein Tränenstrom stürzte aus ihren Augen und vollendete ihre Genesung . » Willst du mich verlassen , « rief sie aus , » da ich dich so wiederfinde ? « - » Niemals , « rief er , » niemals ! « und wußte nicht , was er sagte noch was er tat . » Nur schone dich , « rief er hinzu , » schone dich ! denke an dich um deinet- und meinetwillen . « Sie dachte nun an sich und bemerkte jetzt erst den Zustand , in dem sie war . Sie konnte sich vor ihrem Liebling , ihrem Retter nicht schämen ; aber sie entließ ihn gern , damit er für sich sorgen möge ; denn noch war , was ihn umgab , naß und triefend . Die jungen Eheleute beredeten sich ; er bot dem Jüngling und sie der Schönen das Hochzeitskleid an , das noch vollständig dahing , um ein Paar von Kopf zu Fuß und von innen heraus zu bekleiden . In kurzer Zeit waren die beiden Abenteurer nicht nur angezogen , sondern geputzt . Sie sahen allerliebst aus , staunten einander an , als sie zusammentraten , und fielen sich mit unmäßiger Leidenschaft , und doch halb lächelnd über die Vermummung , gewaltsam in die Arme . Die Kraft der Jugend und die Regsamkeit der Liebe stellten sie in wenigen Augenblicken völlig wieder her , und es fehlte nur die Musik , um sie zum Tanz aufzufordern . Sich vom Wasser zur Erde , vom Tode zum Leben , aus dem Familienkreise in eine Wildnis , aus der Verzweiflung zum Entzücken , aus der Gleichgültigkeit zur Neigung , zur Leidenschaft gefunden zu haben , alles in einem Augenblick - der Kopf wäre nicht hinreichend , das zu fassen ; er würde zerspringen oder sich verwirren . Hiebei muß das Herz das Beste tun , wenn eine solche Überraschung ertragen werden soll . Ganz verloren eins ins andere , konnten sie erst nach einiger Zeit an die Angst , an die Sorgen der Zurückgelassenen denken , und fast konnten sie selbst nicht ohne Angst , ohne Sorge daran denken , wie sie jenen wiederbegegnen wollten . » Sollen wir fliehen ? sollen wir uns verbergen ? « sagte der Jüngling . » Wir wollen zusammenbleiben , « sagte sie , indem sie an seinem Hals hing . Der Landmann , der von ihnen die Geschichte des gestrandeten Schiffs vernommen hatte , eilte , ohne weiter zu fragen , nach dem Ufer . Das Fahrzeug kam glücklich einhergeschwommen ; es war mit vieler Mühe losgebracht worden . Man fuhr aufs ungewisse fort , in Hoffnung , die Verlornen wiederzufinden . Als daher der Landmann mit Rufen und Winken die Schiffenden aufmerksam machte , an eine Stelle lief , wo ein vorteilhafter Landungsplatz sich zeigte , und mit Winken und Rufen nicht aufhörte , wandte sich das Schiff nach dem Ufer , und welch ein Schauspiel ward es , da sie landeten ! Die Eltern der beiden Verlobten drängten sich zuerst ans Ufer ; den liebenden Bräutigam hatte fast die Besinnung verlassen . Kaum hatten sie vernommen , daß die lieben Kinder gerettet seien , so traten diese in ihrer sonderbaren Verkleidung aus dem Busch hervor . Man erkannte sie nicht eher , als bis sie ganz herangetreten waren . » Wen seh ich ? « riefen die Mütter . » Was seh ich ? « riefen die Väter . Die Geretteten warfen sich vor ihnen nieder . » Eure Kinder ! « riefen sie aus , » ein Paar . « - » Verzeiht ! « rief das Mädchen . » Gebt uns Euren Segen ! « rief der Jüngling . » Gebt uns Euren Segen ! « riefen beide , da alle Welt staunend verstummte . » Euren Segen ! « ertönte es zum drittenmal , und wer hätte den versagen können ! Eilftes Kapitel Der Erzählende machte eine Pause oder hatte vielmehr schon geendigt , als er bemerken mußte , daß Charlotte höchst bewegt sei ; ja sie stand auf und verließ mit einer stummen Entschuldigung das Zimmer ; denn die Geschichte war ihr bekannt . Diese Begebenheit hatte sich mit dem Hauptmann und einer Nachbarin wirklich zugetragen , zwar nicht ganz wie sie der Engländer erzählte , doch war sie in den Hauptzügen nicht entstellt , nur im einzelnen mehr ausgebildet und ausgeschmückt , wie es dergleichen Geschichten zu gehen pflegt , wenn sie erst durch den Mund der Menge und sodann durch die Phantasie eines geist-und geschmackreichen Erzählers durchgehen . Es bleibt zuletzt meist alles und nichts , wie es war . Ottilie folgte Charlotten , wie es die beiden Fremden selbst verlangten , und nun kam der Lord an die Reihe zu bemerken , daß vielleicht abermals ein Fehler begangen , etwas dem Hause Bekanntes oder gar Verwandtes erzählt worden . » Wir müssen uns hüten , « fuhr er fort , »