kalt , meine Hand war zu grob zu dem feinen Gewebe , ich habe sie nicht verstanden , oder besser , sie gar nicht gehört - ich fühlte nichts , als mich , mich selbst , sie waren mir gar nichts . Es ist nun auch mit mir vorbei , darum lassen sie mich . Er ging , in seinen Mantel gehüllt , weit hin zur Stadt hinaus . Sein Herz schlug matt und krank , er wußte nicht , wohin ihn die unsichern Schritte führten , und dennoch lief er , daß ihm der kalte Schweiß über die Stirn rann . Die Nacht brach endlich herein , er sank erschöpft auf einer Anhöhe nieder . Seine Augen richteten sich unwillkührlich gen Himmel , kein Stern leuchtete , die Wolken zogen schwer und langsam über ihn hin , alles um ihn war stumm und unbeweglich , die Natur schwieg , als habe sie ihm nichts mehr zu sagen . In der düstern Stille erwachte sein Inneres , wie aus einem bangen Traume . Es stand alles einzeln und zerrissen vor ihm da , er konnte kein Ganzes zusammen finden . Warum gerade ihn - ? fragte er sich laut , warum nicht den Kardinal ? - Dahin also , dahin sollte es kommen ! ach , du armes , thörichtes Herz , wie hast du dich betrogen ! rief er wehmüthig , das Gesicht unter heißen Thränen am Boden verbergend . Er weinte so heftig , als wolle sich die wunde Seele in Thränen auflösen . Endlich schlossen sich seine Augen , er schlief ein , und begrüßte im Traume fast alle freudigen Momente seines Lebens . Seraphinens lustige Umgebungen nahmen ihn wie in den ersten Tagen gefangen . Er ging hier an den lieblichsten Gestalten vorüber . Aline war unter ihnen . Der Graf führte sie durch die Reihen , sie reichte ihm zutraulich die Hand , und er steckte ihr Miranda ' s Ring an den Finger . Als er erwachte , stand der Mond hell am Himmel , und beleuchtete die Thürme der Stadt , daß sie glänzend vor ihm da lagen . Er konnte sich lange nicht besinnen , ihm war , als wenn er dahin zurück müsse , er ängstete sich , daß man ihn vermissen könne , und stand eilig auf , um sich auf den Weg zu machen . Plötzlich fiel ihm die Wahrheit wie ein Stein auf ' s Herz . Ach Gott , sagte er , es ist ja alles vorbei . Sie hatte Recht , der gemeine Mörder bleibt ewig verachtet . Wer wird mir es jetzt glauben , daß ich der Neffe des Herzogs sey ? Viormona verläugnet mich , und ich muß wie ein Wahnsinniger erscheinen . Er wußte lange nicht , wohin er sich wenden sollte . Endlich dachte er an Florio . Ja , ja , du frommes Kind , ich suche dich wieder , rief er , es ist alles mißlungen , mit einem Schlage alles zertrümmert , die Welt bietet mir keinen Ersatz - ich flüchte zu dir . - Er wandte sich noch einmal mit nassem Blicke zur Stadt . Alle Wünsche und Hoffnungen , sagte er , liegen in dir zertrümmert , so trage ich mich denn selbst mit diesem erschöpften Herzen zu Grabe . Er ging langsam die Anhöhe hinunter , die nun mit einemmale , wie eine Scheidewand , zwischen ihm und seiner Welt da stand . Schweigend breitete er ihr zum letztenmale die Arme entgegen , und wanderte so verlassen weiter . Nach vielen Tagen und Nächten kam er in das Gebürge . Er hatte gehofft , die Erinnerung jener schuldlosen , frommen Zeit sollte sein Herz wohlthuend berühren , allein , was er sah , schien ihm so klein und ärmlich , die dürftigen Umgebungen so drückend , daß er vor dem Gedanken zurück schreckte , hier seine Tage zu beschließen . Er nahete sich indeß Martins Hütte , die er an einem Ziehbrunnen erkannte , an dessen Rande er wohl mit Florio zu spielen pflegte . Eine hagere , zusammengefallene Gestalt , trat ihm entgegen . Es war Sara . Sie blickte ihn starr und fremd an , und hieß ihn leise hineintreten , da eine Kranke in ihrem Kämmerchen schlummere . Ihr Anblick drängte ihn vollends in sich zurück . Er folgte ihr schweigend in das enge Stübchen . Alles war hier wie ehemals , aber es konnte ihn nichts erfreuen , er fühlte schmerzlich , daß ihn nur der Fluch seines Schicksals dahin zurück triebe , von wo er einst mit so stolzen Hoffnungen schied . Ist euer Sohn nicht bei euch ? fragte er nach einer Weile . Nein , erwiederte Sara mürrisch , er ist verreist , und es ist auch uns gut , denn ich habe so Wunder genug im Hause . Die Kranke dort mußte auch gerade hierher kommen ! Wer ist sie denn ? fragte Rodrich , weiß ich es ? erwiederte sie . Ein geistlicher Herr kam in voriger Nacht mit ihr an , um sie in ein nahes Kloster zu einer Verwandten zu führen . Plötzlich erkrankte sie , und er mußte nur eilen , einen Arzt herbei zu schaffen . Aber es ist mehrere Stunden Weges bis zur Stadt , sie werden nicht vor Nacht ankommen , und derweil habe ich nun die Sorge allein ! Es ist sonst ein liebes , feines Kind , und es geht einem durch ' s Herz , sie so leiden zu sehen . Mich dünkt indeß , da wird wohl kein Arzt helfen , denn sie weint gar zu viel und wünscht sich den Tod in den herzbrechendsten Worten . Hört ihr , wie sie betet , die fromme Seele ! Rodrich beugte sich zur halb geöffneten Kammerthür . Jesus , schrie er , meine Aline ! und stürzte an ihr Bett . Rodrich , ach , mein Rodrich , rief sie , ihn erkennend , Gott hat mein Gebet