Sie drohte , krank zu werden , wenn Benno Zerstreuung , Abwesenheit , Melancholie verrieth und sie vernachlässigte ... Zwei Tage vor dem glänzenden Fest in dem Braccio Nuovo des Vatican war eine große Gesellschaft auf Villa Torresani ... Olympia saß in den Reihen der Geladenen und lebte nur für Benno ... Ihre Augen sogen sich den seinigen mit dem zärtlichsten Verlangen ein ... Die Mutter Ercolano ' s verließ voll Verdruß darüber sogleich nach Tisch die Villa Torresani ... Herzog Pumpeo eilte ihr nach , um sie zu beruhigen ... Sogar Thiebold wollte folgen ... Er hatte die Absicht , Lucindens Rath zu befolgen und die feindselige Stimmung der alten Fürstin durch ein neues » Opfer seiner Tugend « zu paralysiren ... Lucinde hielt ihn jedoch zurück ... Der Augenblick war nicht günstig ; Herzog Pumpeo galt für einen Raufbold ... Sarzana fehlte gleichfalls nicht ... Lucinden führte er zu Tisch ... Sein Benehmen war lebhafter , denn je ... Ausgelassenheit stand ihm aber nicht ... Lucinde mußte sagen : Benno überragt alle ... Nach der Tafel besuchte die Gesellschaft eine der großartigsten Trümmerstätten , die in jener Gegend das Alterthum zurückgelassen hat , die nahe Villa des Kaisers Hadrian ... Weitverzweigt ist dieser Riesenbau , den Benno in elegischer Reflexion das Sanssouci jenes alten Kaisers genannt hatte ... Thiebold begann , diesen Gedanken seines Freundes in die entsprechenden Einzelheiten zu zerlegen ... Die Zimmer sah er , wo Kaiser Hadrian nach Tisch den Kaffee trank und junge hoffnungsvolle Dichter und Künstler ermunterte , in ihren Studien fortzufahren ... Hier blies Hadrian die Flöte ! sagte er ... Hier lagen seine Lieblingshunde begraben ! ... Dort spielte er wahrscheinlich Billard ! ... In der That war hier das Leben eines Kaisers jener Universalmonarchie in allen Momenten beisammen ... Raths- und Erholungssaal , Bäder , sogar die Kasernen fehlten nicht , in denen die zur Bewachung commandirten Legionen untergebracht wurden ... Für allzu heiße Tage schien gesorgt durch einen halbunterirdischen , bedeckten Gang , den einst die kostbarsten Mosaikfußböden , die schönsten Frescobilder und eben jene Statuen geziert hatten , die sich jetzt im Braccio Nuovo des Vatican versammelt finden ... Hier nun war es , wo sich plötzlich die Gesellschaft in den Gängen verirrte und beim Lachen über die Vergleichungen des Marchese de Jonge , der eine ganz neue Art von Alterthumskunde lehrte , auseinander kam ... In einem Seitenraum dieser Gänge blieb Benno mit Olympia allein zurück ... Thiebold ' s Stimme klang in weiter Ferne ; kein Fußtritt wurde mehr hörbar ... Der Augenblick , den Benno immer noch verstanden hatte , nur flüchtig andauern zu lassen , der entscheidende , den seine eigene Selbstbeherrschung immer noch vermieden , Thiebold ' s List durchkreuzt hatte , schien gekommen ... Jetzt , wo es vielleicht nur noch acht Tage währte , daß die siegreiche oder gescheiterte Unternehmung der Gebrüder Bandiera dieser falschen Position des Herzens und der Gesinnung ein Ende machte ... Olympia hielt Benno zurück und sagte mit einer einzigen Geberde , die einem Strom begeisterter Worte glich : Wir - sind - allein ! ... Und ihr Flammenblick schien diese Trümmerwelt neu zu beleben ... Die verwitterten Moose und Schnecken an den feuchten Wänden verschwanden ... Die hier und da noch erkennbaren Farben der alten Wandgemälde glühten zu Bildern der Mythenwelt auf ... Amor und Psyche , Venus und Adonis schwebten ringsum ... Selbst der Fußboden wurde belebt zum kunstvollsten Mosaik ... Wohl konnten der beglückten Phantasie noch die goldenen Armsessel stehen , vor denen die schöngefleckten Felle der Leoparden und Tiger gebreitet lagen ... Benno mußte seinen Arm um die luftige Gestalt winden , mußte ihre Linke , eine Kinderhand , weich wie Flaum , an sich ziehen und küssen ... Die junge Frau blickte zu ihm auf mit jenem Ausdruck der Liebe , der in der That ihre Züge verschönte ... Ihr Mund zitterte ; ihre Augen waren von einem so hellen Glanz , als spiegelten sich die Bilder , die sie aufnahmen , in einer reinen Seele ... Mit weicher zitternder Stimme , die ihre Worte wie aus einem der Welt ganz an ihr fremden Register der Stimme ertönen ließ , hauchte sie : Ja , ich sollte dich hassen , du Treuloser ! ... Wüßtest du - was ich alles um dich gelitten - um dich für Thorheiten beging ... Rom , die Welt hätt ' ich zerstören mögen und am meisten mich selbst ... Benno hatte schon Tausenderlei zu seiner Entschuldigung gesagt ... Auch wollte sie jetzt nichts mehr vom Vergangenen hören ... Ihre Lippen wollten gar keine Worte ... Sie verlangten nur die Berührung der seinigen ... Die blendend weißen Zahnreihen blieben wie einer Erstarrten geöffnet stehen ... Liebe verklärte jede Fiber ihres Körpers , wurde das Athmen der Brust , das ersterbende Wort ihres Mundes - Das Geheimniß der Welt Liebe , Religion Liebe , Leben Liebe ... Sie senkte die langen Wimpern über die im träumerischen Vergessen verschwimmenden , ihren Stern ganz innenwärts und hoch hinauf einziehenden Augen ... Leicht lag sie ihm im Arm wie eine Feder ... Benno , kaum noch seiner Sinne mächtig , zuckte absichtlich wie über eine Störung ... Da die Fürstin nur in den Bewegungen des Geliebten lebte , machte sie die gleiche Geberde ... Jeder Zug der Schönheit verschwand auf eine Secunde ... Das Ohr spitzte sich ... Das Auge blickte groß und starr ... Alles blieb aber still ... Nur über die feuchten Mauertrümmer sickerte draußen ein Wässerchen ... Und im Nu , wie von unsichtbarer Musik regiert , verwandelten sich ihre Züge zur seligsten Harmonie ... Ihr Sein war nur Eine Hingebung , Eine Hoffnung ... Die zartesten Sylphenglieder schwebten in Benno ' s Armen ... Er hätte sie emporschleudern können ; wie ein Kind würde sie sich um seinen Nacken mit den Armen festgehalten haben ... Auf diesen ihren entblößten Armen schimmerte ein großmächtiges goldenes Armband - eine einzige Spange nur , von unverhältnißmäßiger Größe ... Das Gold