ist nicht wahr , unser Gespräch dreht sich immer nur um Dich . Du schreibst auch , Deine Locken wären jetzt Dein Mantel und Dein Bart reichte bis zur Erde . Junge , da mußt Du ja allerliebst aussehen , doch bitte ich Dich , opfere etwas davon und schicke es mir , aber einen recht großen Wusch , denn alle Welt will eine von Deinen Locken haben . Heute zum Charfreitag ist nirgends etwas los , aber am Ostermontag bin ich auf dem dritten Club . Dein A. von L. Emil von Arnstedt an Adalbert von L. 25. März 1837 . Mein lieber Adalbert . Heute ist der Geburtstag meiner Mama , ich durfte ihr direkt keinen Gruß , keinen Glückwunsch senden und mußte es durch einen Mann tun lassen , dem ich nicht gewogen bin , durch meinen Hauptmann . Früher trat ich an der Hand meiner Geschwister und meines guten sel . Vaters vor meiner Mutter Ruhebett und beschenkte sie mit Blumen und anderen Kleinigkeiten , sagte auch als der Älteste ein hübsches Gedicht her . Jetzt darf ich ihr nicht einmal schreiben ! Bei Gott , das schmerzt tief , das kränkt mich ; doch weg mit trüben Gedanken . Wiederkommen bringt Freude . Weiß ich doch , daß liebende Herzen mir entgegenschlagen . Ich sende Dir auf Deinen Wunsch eine Locke so gut ich sie habe . Gib aber davon nicht jedem oder auch nicht jeder . Brauchst Du mehr , so steht mein Kopf zu Diensten , doch bitte ich Dich um die Namen der Expektanten . Habe Dank für die Flasche . Hast Du nicht ein altes Spiel Karten zu meiner Unterhaltung , es wird Tod und Leben gespielt . Morgen also siehst Du Kl . » Ach , süße Quelle meiner Leiden , ewig , ewig lieb ich Dich . « Beobachte sie gut . Wenn sich irgend ein fremder Schnippschnapp an sie machen sollte , sieh , ich schwöre Dir , meine Hand griffe zum zweiten Male nach der Mordwaffe und dieses Ziel würde sie noch weniger fehlen . Ach , ich bin ein schrecklicher Mensch in meiner Einsamkeit geworden und denke nur an blutige Rache . Du verzeihst mir , daß ich so rede . Aber Du weißt , lügen ist nicht meine Passion . Auf ein fröhliches Wiedersehn . Gott segne Dich ! Wie immer Dein Vetter Emil von A. Adalbert von L. an Emil von Arnstedt Lieber guter Arnstedt ! Ich habe eben jetzt keine guten Nachrichten für Dich bekommen ; der König soll das kriegsgerichtliche Urteil dem Kammergericht übergeben und dieses das Urteil bestätigt haben . Doch harre und hoffe . Vielleicht , daß Dir doch noch die Gnade offen steht . Wenn Dir Dein Urteil publiziert ist , kannst Du verlangen , die zu sehen und zu sprechen , welche Du gern hast , und ich glaube , ich werde doch einer der ersten sein . Hoffentlich aber ist alles nur Fama . Emil von Arnstedt an Adalbert von L. Lieber Adalbert ! Laß das gut sein . Im Fall der Not weiß ich zu sterben . Ich beschwöre Dich bei allem was Du liebst , laß Dir ein schnell wirkendes Gift für mich bereiten , denn ich bin fest überzeugt , daß Du mich nicht willst richten sehn . Wenn es dann Not am Mann ist , schickst Du mir die Pülverchen oder die Mixtur und ich lache dem Schaffot Hohn . Du wirst mir dies nicht abschlagen . Volto ( ? ) subito . Dein Emil von A. Derselbe an Denselben 2. April 1837 . Mein lieber Vetter Adalbert . Du antwortest mir nicht . Das ist nicht recht ; denke Dir doch meine Ungeduld ! Ich rechne zum 5. auf einen langen Brief von Dir . Ich habe jetzt die Erlaubnis , Reisebeschreibungen zu lesen und bin deshalb bald in den Sandwüsten Afrikas , bald in Amerikas reizenden Gefilden . Könnt ' ich dort in Wirklichkeit mit Dir sein ! Wie lauten die Nachrichten über mich ? Zum Tode wird es wohl noch nicht gehen ; ich habe ja noch nichts gemacht im Leben und sollte schon sterben ! Aber sorge nur immer für eine kleine Phiole mit Rettung aus der Not . Wie ist es Dir am Freitag ergangen ? Was macht Modeste , Louise , Flora , Agnes , und vor allem was macht sie ? Schreibe bald Deinem alten Vetter . Nachschrift . Das Wetter ist furchtbar und tobt und heult . Es würde sich bessern , wenn ich frei wäre . Dein Aemilius Buridan , Hauptmann der schwarzen Bande . Adalbert von L. an Emil von Arnstedt 6. April 1837 . Lieber Arnstedt . » Harren und Hoffen , hat oft eingetroffen . « Ich rufe es Dir heute zu . Deine Sache soll jetzt wie folgt stehen . Der König hat zu seiner Beruhigung das ( wahrscheinlich auf Tod lautende ) Urteil dem Ober-Auditoriat übergeben ; dieses hat sich die Zeichnung des Ganges , in welchem Du Wenzel erschossen hast , schicken lassen und hat nach Kenntnisnahme dieser Zeichnung den Ausspruch getan : daß ein Zielen in diesem Gange nicht möglich gewesen sei . Worauf Du nun , so heißt es , und in gleichzeitiger Berücksichtigung Deiner Jugend , zu zwanzig Jahr Festung verurteilt seist . Nun weiß der König nicht , was er tun soll . Das ursprüngliche Urteil liegt zu seiner Unterschrift da . Er wird es aber hoffentlich nicht unterschreiben ... ( Es folgen nun wieder ganz gemütlich Ball- und Gesellschaftsnachrichten , allerlei kleiner Klatsch , Rendezvous und zuletzt Bemerkungen über Treue und Untreue ... ) » Du darfst nicht zu viel von Klara fordern und darfst nicht vergessen , daß sie Deine erste Liebe nicht war und Deine letzte hoffentlich nicht sein wird . Ich glaube bestimmt , wenn Du schönere Mädchen sähest , würdest Du Klara vergessen . « Und zuletzt : » Was mir angenehm ist , ist das , daß Du