... Bester Herr de Jonge , heirathen Sie niemals ! ... Vierzehn Tage - drei Wochen gingen in dieser Weise vorüber ... Zum Glück hatte man Anzeichen , daß die Nachricht einer Insurrection jeden Augenblick von der Küste des Adriatischen Meers kommen mußte ... Couriere gingen und kamen ; die bewaffnete Macht war aufgeboten , vervollständigt , marschfertig ... Die Consulta hielt täglich Sitzungen ... Der Verkehr mit den auswärtigen Gesandten nahm Ceccone ' s ganze Aufmerksamkeit in Anspruch ... Von Angst und Sorgen sah er in der That niedergedrückt aus ... Wie beim herannahenden Sturm jede Hand ihr Haus verschließt und den Gefahren der Zerstörung vorzubeugen sucht , so zeigte sich auch jetzt in den Umgebungen dieser Machthaber mehr politisches Leben , als sonst ... Mancher Mund sprach sogar beredt und frei ... Manche geheime Hoffnung sah eine Erfüllung voraus und verrieth vorschnell ihre Freude ... Jene große Mehrzahl von Menschen , die als Ballast nur den ruhigeren Gang der Fahrt entscheidet , gleichviel unter welcher Flagge ihre Fahrzeuge segeln , warf sich unruhig hin und her ... Vorahnend machte sie gleichsam nur ihr Gepäck leichter , um bequemer von einem Lager ins andere überlaufen zu können ... Wie richtig hatten diese Bandiera die Italiener beurtheilt ! sagte sich Benno . Der Erfolg ist hier alles ! Der Muth einer That entscheidet ihre Bedeutung ... Nur in der Priestersphäre waltete unerschütterliche Zuversicht ... Dort stand es fest , daß ein Kampf mit dem Interesse » Gottes « Jeden zerschmettern müsse - » Selbst die Pforten der Hölle werden dich nicht überwinden ! « lautete der tägliche , seit dreihundert Jahren im Mund der Katholiken übliche Refrain , der auch hier über das Antlitz der jungen und alten Prälatur einen lächelnden Sonnenschein verbreitete ... Den » bösen Mächten « gehört ja die Welt , dem Zufall , der Intrigue , der Selbstverstrickung alles Guten - Wie kann - gesetzt die Revolution wäre das Gute - » in dieser Welt das Gute siegen ! « hatte Lucinde ganz im Geist der Jesuiten gesagt ... Unter den Freigesinnten gab es zwei Richtungen , die sich mit Schärfe bekämpften . Für die ausführlichere Begründung ihrer Ansichten fanden sich in England , in Frankreich , in der Schweiz und auf den Inseln um Italien Gelegenheiten zum Druckenlassen ... Die eine Partei wollte ein einiges Italien , an dessen Spitze der Heilige Vater als wahrer Friedensfürst und Verbreiter aller Segnungen stehen sollte , die durch die Christuslehre dem Menschen verbürgt und nur noch nicht genug anerkannt sind ... Die andere sah im apostolischen Stuhl die gefährlichste Anlehnung der Despotie , verwies den Papst aus den Reihen der Souveräne , ließ ihm nur allein noch die Bedeutung , Pfarrer einer Metropolitankirche der Christenheit , der Peterskirche , zu heißen und nahm seinen irdischen Besitz in die allgemeine Verwaltung eines republikanisch regierten Italiens ... Freiheit von Oesterreich wollten beide Parteien . Die Souveräne und Würdenträger der Hierarchie waren auf die Hülfe dieses Staates angewiesen ; die Väter der Gesellschaft Jesu machten die Vermittler zwischen Wien und allen denen , deren Besitz in Italien bedroht war ... Da die Jesuiten dem Staatskanzler zu wesentliche Dinge überwachten , da sie zu viel Dämonen der Weltverwirrung ihm mit gebundenen Händen überlieferten , so hatte er sich wol gewöhnen müssen , sie zu schonen und ihnen über seine eigene Macht hinaus den Paß zu gewähren , den sie gewinnen wollten für die ganze Welt ... Das übrige Deutschland , selbst im Norden , gehörte schon den Jesuiten ... Der Kirchenfürst war freigegeben ... Der Protestantismus schien alles Ernstes zur Unterwerfung wieder unter Rom durch die Innere Mission und die Wiederaufnahme der Romantik vorbereitet zu werden ... Das Wunderlichste war der Contrast , in welchem die Rücksichten der Geselligkeit zu den Zerwürfnissen in der Rucca ' schen Familie standen ... Selbst wenn Ceccone keine Fremden zu bewirthen hatte , keine Prälaten aus der Provinz , keine Gesandten und hohe Reisende , so fehlten doch auf Villa Torresani Ercolano ' s Freunde nicht , die jeunesse dorée Roms , Aristokraten , deren Leben nur von Liebesabenteuern und den neuesten Moden erfüllt wurde ... Der Baron d ' Asselyno und der Marchese de Jonge wurden in alle Geheimnisse derselben eingeweiht ... Niemand verbreitete mehr Geräusch von seinem Dasein , als die jungen Prälaten ... Diese geistlichen Stutzer machten das Glück der Familien zweifelhaft ... Der Eine nahm dabei die Miene eines Tartufe , der Andre die stolze Zuversicht eines künftigen Papstes an ... Ehrgeiz und Selbstgefühl drückte jede ihrer Lebensäußerungen aus ... Einige Jahre hatten sie in der Gefangenschaft der Jesuiten gelebt , die die Studien an sich gerissen haben ; dann traten sie in die Welt mit all den Ansprüchen , die schon eine geringe Bildung unter einem Volk voll Ignoranz geben darf ... Sie standen spät des Morgens auf , machten wie Frauen ihre Toiletten , ließen sich stutzerhaft frisiren , schlugen in ihren Listen nach , wo sie seit lange in diesem oder jenem Hause nicht zum Besuch gewesen - Den Tag über rannten sie müßiggängerisch durch Rom und seine Kirchen ... Manche ihrer Liebesabenteuer nahmen sie ernst und führten duftende , oft versificirte Correspondenzen ... Alles das verband sich auf das leichteste mit einer ununterbrochenen Ehrfurcht vor diesem Altar , jenem Crucifix , vor jeder geweihten Stelle , die zu küssen die Sitte verlangte , selbst wenn damit kein besonderer Ablaß verbunden ... Die Religion ist in Rom ein Gesetz der Höflichkeit , wie bei uns das Hutabnehmen und Grüßen vor Hochgestellten oder guten Bekannten ... Ercolano hatte nach einer heftigen Scene mit seiner Mutter vorgezogen , dem Baron d ' Asselyno eine legitime Stellung als Ehrencavalier seiner Gattin zu geben ... Das ist in Italien eine sociale Position wie etwa die jedes Geschäftscompagnons ... Ercolano wollte keinen Bruch . Er war im Stande , außer sich in den Gartenpavillon zu rennen und Benno zu beschwören , » besser « mit seiner Frau zu sein , nachgiebiger , aufmerksamer ...